Kommentar Wo bleibt der Dienst an den Schwächeren der Gesellschaft?

Tausende Menschen sind am Montagabend in Sachsen-Anhalt auf die Straße gegangen, um ihren Unmut über die Corona-Maßnahmen kundzutun, etwa in Magdeburg, Stendal, Halle, Wittenberg, Zeitz oder Halberstadt. Der Leiter des MDR-Regionalstudios in Halle war bei der Demonstration in Weißenfels dabei. Ein Kommentar.

Ein hellblauer Mund- Nasen- Schutz wird unterhalb der Nase getragen.
2G fast überall – doch reichen die Kontrollen? Eher nicht, hat unser Autor beobachtet. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/photosteinmaurer.com

Es ist wie so oft eine Minderheit, die den Ruf einer ganzen Gruppe ruiniert. Logisch: Da sind die Anti-Corona-Spaziergänger, die dicht an dicht ohne Maske durch die Straßen ziehen, ausgestattet mit einem Friedhofslicht. Sie demonstrieren keinesfalls zum Gedenken an Hunderttausende Tote – das wären zu viele Fakten –, sondern als Zeichen für die eigene, ach so bedauernswerte Situation.

Autoritäten mit Haltungsschaden?

Da sind aber auch zunehmend Menschen, die in Corona-Zeiten für Sicherheit, Recht und Ordnung stehen sollten – aber das Gegenteil tun. Da wird mal das Impfzertifikat beiläufig oder gar nicht kontrolliert. Aussage: "Lassen Sie stecken, ich glaub' Ihnen schon." Da ist die eine Security-Frau, die im Supermarkt mit der Maske unter dem Kinn lautstark mit den Spaziergängern sympathisiert – so geschehen am Montagabend in Zeitz. Jeder kennt Beispiele dieser Autoritäten mit Haltungsschaden – deren Autorität wiederum auch einen zu haben scheinen.

Das treibt Menschen zweier Couleur auf die Straße. Einerseits diejenigen, die glauben: Wenn selbst die Security nicht genau hinschaut, kann Corona ja gar nicht schlimm sein. Und andererseits diese: durchaus Bürgerliche und Familien, die der scheinbaren Inkonsequenz überdrüssig sind.

Ein Vater sagte mir am Montag in Weißenfels, er habe keine Lust, seinem Vierjährigen ständig einen "Corona-Test in die Nase zu rammen" oder sich vor dem Besuch im Einzelhandel testen zu lassen, wenn sich im Supermarkt nebenan die Menschen gegenseitig auf den Füßen stehen, weil dort nur 3G gilt.

Müde und mürbe? Menschlich. Aber nicht in allen Funktionen

Es ist menschlich, nach all den Pandemie-Monaten mürbe und müde zu sein. Wer aber in Verantwortung, ob in der Politik oder als Security-Mitarbeiter, inkonsequent und unlogisch agiert, betätigt sich als Sargnagel der nächsten Corona-Toten. Hier hoheitlich durchzugreifen, ist kein Spießertum, sondern ein Dienst an den Schwächeren der Gesellschaft – eingeschlossen derer, die echtes Fehlverhalten von Fehlinformationen nicht unterscheiden können.

MDR (Marc Weyrich, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

25 Kommentare

Bria21 vor 23 Wochen

faultier

mich selbst hat drei Wochen nach meiner Infizierung niemand kontaktiert.....
Sie wussten aber, dass sie infiziert sind und da sollte eigentlich inzwischen jeder wissen, wie er sich zu verhalten hat auch ohne Belehrung durch das Gesundheitsamt.
So lange man Quarantäne als Strafe statt Schutzmaßnahme sieht, kann sich die Lage auch nicht ändern. Die Gesundheitsämter sind nicht am Limit, weil die Mitarbeiter dort faul sind sondern weil es zu viele Fälle gib und an wessen Disziplin liegt das wohl?

Bria21 vor 23 Wochen

Kritiker
In den täglichen Statistiken des MDR als auch in vielen anderen landesweiten Berichtersttungen werden Infektionszahlen und Todesfälle nach Orten aufgeschlüsselt, sowohl auch Hotspoteinrichtungen benannt. Wollen Sie noch Namen ,Adressen und Uhtzeit eines jeden einzelnen Falls?
Es mag ja sein, dass die erfassten Zahlen nicht 100-prozentig genau sind aber spielt es wirklich eine Rolle ob nun 2.000 oder 2.300 Leute betroffen sind, denn wie Sie selbst schreiben ist ein jeder Todesfall einer zuviel.

Bria21 vor 23 Wochen

das Gewisseneines jeden gefragt...

Viele Menschen halten sich, wenn überhaupt , nur an Regeln um einem Bußgeld zu entgehen, nicht aus Überzeugung oder Rücksichtnahme.

Polizisten werden angegriffen wenn Sie gegen Randalierer vorgehen.
Personal wird beschimpft, wenn es auf die Einhaltung geltender Regeln hinweist.
Derjenige, der gerade greifbar ist, bekommt den ganzen Frust ab.
Eine Freundin arbeitet im Kino, wo jetzt neben der 2 G plus Regel auch die FFP Maskenpflicht für Kinder ab 6 Jahre gilt.
Die Leute brüllen sie deshalb an oder rasten manchmal komplett aus, dass sie richtig Angst bekommt. Die Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen sind ja keine kräftigen Securitykräfte und nicht für den Umgang mit Handgreiflichkeiten ausgebildet.
Die Regierung erlässt Regeln, die zwar notwendig sein mögen aber organisatorisch kaum umsetz- und zumutbar sind weil zu viele sie missachten.

Mehr aus Burgenlandkreis und Saalekreis

Fußballspiel 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt