Strukturwandel Deuben: Ältestes Braunkohlekraftwerk Deutschlands wird abgeschaltet

Das Braunkohlekraftwerk in Deuben geht am Dienstag endgültig vom Netz. Wie der Burgenlandkreis mitteilte, ist schon am Montag der letzte Waggon in das Kraftwerk eingefahren. Landrat Götz Ulrich sagte, damit würden "zahlreiche gut bezahlte Jobs verloren" gehen. Einem generellen vorzeitigen Braunkohleausstieg bis zum Jahr 2030 steht er skeptisch gegenüber.

Kraftwerk Deuben
Nach mehr als 80 Jahren ist Schluss: Das Kraftwerk Deuben wird stillgelegt. Bildrechte: imago images/Eckehard Schulz

Am Dienstag wird das Braunkohlekraftwerk in Deuben stillgelegt – nach mehr als 80 Jahren. Die Anlage, die seit 1936 in Betrieb ist, gilt als ältestes aktives Braunkohlekraftwerk Deutschlands. Mit Kohle aus dem nahegelegenen Tagebau Profen wird Strom erzeugt, der überwiegend zurück in den Tagebau fließt und dort die Maschinen und Bänder laufen lässt. Außerdem versorgt das Kraftwerk Gemeinden in der Umgebung mit Fernwärme.

"Auswirkungen des Strukturwandels im Burgenlandkreis spürbar"

Götz Ulrich
Landrat Götz Ulrich Bildrechte: Götz Ulrich

Damit ist nun Schluss. Bereits am Montag war nach Angaben des Burgenlandkreises der letzte Braunkohlewaggon in das Kraftwerk eingefahren. Landrat Götz Ulrich sagte dazu, dass somit die "ersten direkten Auswirkungen des Strukturwandels im Burgenlandkreis spürbar" seien. Dank Anpassungsgeldern und Umstrukturierungen innerhalb des Betreibers Mibrag werde kein Kumpel "ins Bergfreie" fallen.

Dennoch gingen "zahlreiche gut bezahlte Jobs verloren". Er wandte sich in diesem Zusammenhang gegen einen vorzeitigen Braunkohleausstieg bis zum Jahr 2030. "Wir müssen neue Arbeitsplätze und Perspektiven für die Kumpel anbieten können. Dazu benötigen wir Zeit", so Ulrich weiter. Im neuen Koalitionsvertrag fehle aber "jeder Hinweis auf eine zusätzliche Unterstützung der Menschen in den Revieren".

#MDRklärt So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt

Im Dezember 2021 soll in Deuben, Sachsen-Anhalt, das älteste Kohlekraftwerk Deutschlands vom Netz gehen. Ein Grund sich anzuschauen, wie es um den momentanen Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt steht.

So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt
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So ist der Stand beim Kohleausstieg in Sachsen-Anhalt
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Tagebau Profen  Standort: Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier  Abbau: 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr Geplante Stilllegung: voraussichtlich 2035   Tagebau Amsdorf Standort: Seegebiet Mansfelder Land Abbau: 500.000 Tonnen pro Jahr Geplante Stilllegung: ausstehend
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MDR/Maximilian Fürstenberg
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE 29. August 2021 | 19:00 Uhr
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Mitarbeiter erhalten Anpassungsgeld oder werden weiterbeschäftigt

Nach Angaben der Mibrag ist nach der Abschaltung für die Kraftwerksmitarbeiter gesorgt. Beschäftigte, die 58 Jahre und älter seien, erhielten das sogenannte Anpassungsgeld des Bundes, das die sozialen Folgen des Kohleausstiegs abfedern soll. Jüngere Mitarbeiter würden innerhalb der Mibrag eine neue Tätigkeit aufnehmen.

Eine alte Dampflokomotive fährt in das Kohlekraftwerk Deuben ein. 1 min
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1 min

MDR S-ANHALT Mo 06.12.2021 19:00Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/burgenland/video-kohle-kraftwerk-deuben-ende-letzter-zug-100.html

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MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

23 Kommentare

Eulenspiegel vor 7 Wochen

Also ich denke bevor man ein Braunkohletagebau einer neuen Nutzung zugeführt werden kann muss natürlich erst ein mal die Kohleförderung eingestallt werden. Und bevor die Kohleförderung eingestellt wird sollte klar sein was mit der reisen Mondlandschaft weiter geschieht. Die Planungen müssen abgeschlossen sein bevor der Tagebau die Förderung einstellt. Das ist Sache der Landesregierung im Zusammenarbeit des Kohlekonzernes. Dann kann die Arbeit auch fast nahtlos fortgeführt werde. Nur das dann keine Kohle mehr gefördert wird sondern die reisen Mondlandschaft einer neuen Nutzung zugeführt wird. Und durch diese Arbeit entstehen dann wider andere Möglichkeiten.

Mischka vor 7 Wochen

Ein Blick in Wikipedia lohnt sich in dieser Sache. Das Kraftwerk Deuben liegt im Dreiländerecke Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen in einem sehr ländlich geprägten Gebiet. Das Industriekraftwerk Deuben soll dieses Jahr geschlossen werden. Es wurde bisher vom Tagebau Profen versorgt. Der Tagebau Profen soll aber erst im Jahr 2035 sein Betriebsende haben und bis dahin werden 2 Kraftwerke in Tschechien und 2 Kraftwerke in Sachsen-Anhalt versorgen. Die Tagebaue in Tschechien, welche die dortigen Kraftwerke versorgen, werden im Jahr 2022 geschlossen. Wie ja bekannt sein dürfte ist die MIBRAG seit 2012 ein Tochterunternehmen der tschechischen EP Energy a.s., welches auch zu 100% an Saale-Energie-GmbH beteiligt ist.
Wer sagt uns denn, ob sich dieses Unternehmen an den Abschlüssen zum deutschen Braunkohleausstieg hält? Ich habe da meine Zweifel.

Bernd_wb vor 7 Wochen

Sie nennen einen wichtigen Punkt. Die KOhle ist (noch) ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Und da hängen nicht nur die dort Beschäftigten dran sondern auch der Dienstleistungsbereich. Bei den Landespolitikern habe ich den Eindruck dass man das Problem erkannt hat und versucht es zu lösen. Beim Bund muss man sehen.

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