Gnadenhof für Zirkustiere Leoparden-Angriff in Nebra: Käfig soll nicht mehr von Dritten betreten werden

Der Burgenlandkreis will nach dem Leoparden-Angriff in Nebra ein Betretungsverbot für den Käfig erlassen. Unbefugte Dritte sollen das Gehege nicht mehr betreten dürfen. Das Veterinäramt stellte im Zusammenhang mit dem Angriff fest, dass die Tiere weiterhin artgerecht versorgt werden.

Ein Leopard schaut durch das Gitter seines Käfigs.
Der Käfig der Leoparden in Nebra soll künftig nicht mehr von Unbefugten betreten werden dürfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Leoparden-Angriff in Nebra im Burgenlandkreis will der zuständige Landkreis per Verfügung erreichen, dass die Tierhalterin künftig keine unbefugten Dritten mehr in den Käfig lassen darf. Hierzu entwerfe das Landratsamt eine Verfügung und werde die zuständige Verbandsgemeinde Unstruttal anweisen, diese zeitlich zu erlassen, teilte der Burgenlandkreis am Donnerstagabend mit. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei die Frau nur deshalb verletzt worden, weil sie sich in dem Käfig aufgehalten habe.

Veterinäramt findet keine Auffälligkeiten

Bei einer kurzfristig anberaumten Kontrolle der Leoparden durch das Veterinäramt gab es nach Angaben des Landkreises keine Auffälligkeiten. Es bestünden keine Anhaltspunkte, dass die Tiere nicht weiterhin artgerecht versorgt werden, hieß es in einer Mitteilung. Maßnahmen zum Schutz der Tiere seien zunächst nicht beabsichtigt oder erforderlich.

#MDRklärt: Verletzte Sachsen-Anhalter durch Raubtiere

Eine Infografik zu Angriffen von Tigern (2) Leoparden (1) und Wölfen (0)
Angriffe wilder Tiere sind in Sachsen-Anhalt äußerst selten. Bildrechte: MDRklärt/pixabay

Bei dem Raubtierangriff am Dienstag war das 36-jährige Model von dem Leoparden mehrfach in den Kopf gebissen worden. "Er hat zugebissen, so schnell konnte ich gar nicht gucken", sagte sie am Donnerstag dem Sender "Bild". Alles sei während eines Foto-Shootings ruhig verlaufen. Plötzlich habe sie sich auf dem Boden wiedergefunden. Die Raubkatze habe sie mehrere Male in die Wange, ins Ohr und in den Kopf gebissen: "Immer wieder in den Kopf."

Opfer setzt sich selber für Tierschutz ein

Sie habe geschrien und versucht, das Tier von sich wegzudrücken, berichtete die Frau. Irgendwann habe der Leopard von ihr abgelassen – woraufhin sie den Käfig verlassen konnte. Als nächstes hätte sie das Eintreffen des Notarztes und des Rettungshubschraubers wahrgenommen.

Das Fotoshooting am Dienstag fand laut "Bild" im Rahmen einer Bilderserie für einen Kalender statt. Die verletzte Frau soll sich demnach stark für den Tierschutz eingesetzt und auch selber Tiere bei sich zu Hause in Thüringen aufgenommen haben.

Halterin des Leoparden äußert sich bisher nicht

Die 48-jährige Tierhalterin äußerte sich auch zwei Tage nach dem Angriff nicht. Anfragen zu dem Vorfall ließ sie unbeantwortet. Gegen sie wird wegen des Verdachtes der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt.

Die Frau lebt unter anderem mit Leoparden, Vögeln und Hunden in einer sogenannten Seniorenresidenz für Showtiere. Dort werden Tiere nach ihrem "Arbeitsleben" im Showgeschäft untergebracht. Sie könnten mitunter für Fotoshootings gebucht werden, hieß es auf der Internetseite des Gnadenhofes.

MDR/Gero Hirschelmann, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. August 2021 | 09:00 Uhr

6 Kommentare

ilo vor 7 Wochen

Wir Menschen glauben immer alles unter Kontrolle zu haben, hier wurde wieder bewiesen:dem ist nicht so! Es sind immer noch Wildtiere, und diese lassen sich nicht so zahm machen. Diese Reaktion, sicher verursacht durch Blitzlichter laute Anweisung der Fotografen und schnelle Bewegungen, hätte man voraussehen müssen, auch die Besitzerin. Die Tiere wurden Stress ausgesetzt und haben entsprechend reagiert. Für die Frau tut es mir leid, ich hoffe die Veranstalter übernehmen Verantwortung und entschädigen sie.

Harka2 vor 7 Wochen

@Annie22
Angenommen man nimmt ein altes Zirkustier auf, welches sein ganzes Leben unter Menschen verbrachte und in Arenen auch fremde Menschen gewöhnt war, ein Tier, dass nie Aggressivität gegenüber Menschen zeigte, dann kann man auch mal leichtsinnig eine dumme Entscheidung treffen. Wer lange genug mit Katzen gelebt hat, versteht ihre Sprache (hoffentlich) und kann deshalb mit ihnen Dinge tun, die sie mit keinem anderen Menschen tun würden. Wir hatten mal einen schwarzen Kater, der saß gerne auf meiner Schulter und ich konnte so mit ihm durchs Haus laufen. Ok, wenn ich so meine Geschwister und deren Kinder an der Haustür begrüßte, wurde ich Hexe genannt. Aber, dass hat der Kater nur mit mir gemacht, mit niemanden sonst. Zu mir war die Vertrauensbasis da, aber zu keinem anderen. Als Tiertrainer MUSS man das wissen. Fremde Personen sind für jede Katze egal welcher Größe fremd und ihnen gegenüber sind sie grundsätzlich immer sehr misstrauisch.

Uwe K vor 7 Wochen

Es ist mir nicht verständlich warum die Dame, ich wünsche Ihr gute Besserung, als Fremde in den Käfig des Leopard geht.
Die Tierhalterin kann ich verstehen.
In einem laufenden Strafverfahren würde ich gegenüber der Öffentlichkeit auch schweigen. Zumal in den sozialen Netzwerken viel Unfug geschrieben wird

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