Ermittlungen wegen Körperverletzung Leopard greift an: Frau bei Fototermin in Nebra schwer verletzt

Nachdem ein Leopard auf einem Gnadenhof für Showtiere in Nebra bei einem Fototermin eine Frau angefallen und schwer verletzt hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Halterin wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das Opfer kam mit Gesichtsverletzungen in eine Spezialklinik.

Ein Leopard liegt in seinem Gehege.
Ein Leopard liegt in seinem Gehege in Wangen im Burgenlandkreis. Auf dem Gelände einer "Seniorenresidenz für Showtiere" hat ein Raubtier eine Frau angegriffen und schwer verletzt. Bildrechte: dpa

Nach dem Angriff eines Leoparden auf eine Frau im Nebraer Ortsteil Wangen im Burgenlandkreis ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Tierhalterin. Das sagte eine Sprecherin der Polizei MDR SACHSEN-ANHALT. Es sei ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet worden.

Frau sollte mit dem Leoparden fotografiert werden

Nach ersten Angaben der Polizei hatte auf der sogenannten "Seniorenresidenz für Showtiere" ein Fototermin stattgefunden, bei dem eine Frau mit dem Leoparden fotografiert werden sollte. Model und Fotograf waren dabei nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT zusammen mit der Halterin in dem Gehege.

Das Opfer wurde laut Polizei mit schweren Gesichtsverletzungen per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Die Wunden seien aber nicht lebensgefährlich. Es handelt sich den Angaben nach um eine 36 Jahre alte Frau aus Thüringen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist sie schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt worden.

Wer das Fotoshooting veranstaltet habe und ob noch weitere Menschen dabei waren, blieb zunächst unklar. Zwischenzeitlich war mit der Warnapp Katwarn vor einer entlaufenen "Großkatze" – so der Wortlaut – gewarnt worden. Diese Meldung wurde innerhalb kurzer Zeit zurückgezogen.

Leoparden: Gefährliche Jäger

Leoparden gehören zu den Großkatzen und sind in Afrika und Asien beheimatet. Sie gelten als starke Jäger und können gut auf Bäume klettern. Beutetiere wie Wildschweine, Antilopen oder Hirsche werden in der Regel mit einem gezielten Biss erlegt. Oft jagen Leoparden auch, indem sie von Bäumen auf ihre Beute springen. Leoparden sind nach Tigern, Löwen und Jaguaren die viertgrößten Großkatzen auf der Erde.

Ein Sprecher des Burgenlandkreises teilte noch am Dienstagabend mit, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe. Im Laufe des Tages wolle der Kreis weitere Information mitteilen. Die Verantwortliche für die Haltung des Leoparden auf dem Gelände war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Wie MDR Sachsen-Anhalt erfuhr, sagte das aus Thüringen stammende Model: "Die Besitzerin und das Tier trifft keine Schuld." Die 50 Jahre alte Tierhalterin gilt als erfahren. Die Raubkatze wurde bereits mehrfach bei Fotoshootings eingesetzt.

Gnadenhof von langjähriger Tiertrainerin

Bei dem Gnadenhof handelt es sich nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT weder um ein öffentliches Tierheim noch um einen Verein. Vielmehr gehe der Hof auf die Privatinitiative einer langjährigen Tiertrainerin zurück. Dort leben neben den zwei Leoparden Paris und seinem jüngeren Bruder Troja auch ein Pony, Schweine und Vögel. Nach dem Angriff des Leoparden wollen die Behörden jetzt prüfen, ob die Haltung der Tiere ordnungsgemäß ist.

Auf der Website des Gnadenhofes heißt es unter anderem: "Bei einem unvergesslichen Erlebnistag in der Seniorenresidenz für Showtiere können Sie unseren (teils exotischen) Tieren sehr, sehr nahe kommen." Als besonderes Highlight des für 250 Euro buchbaren "Erlebnistages" wird angeboten, die Leoparden unter "gesicherten Verhältnissen" zu füttern.

MDR/Marie-Luise Luther, Mandy Ganske-Zapf, Gero Hirschelmann, dpa, afp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. August 2021 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Harka2 vor 8 Wochen

Das Tierwohl steht gar wohl über der Dummheit der Menschen. Wer so bekloppt ist und sich derart in Gefahr begibt, ist selber schuld. Ich mag Katzen wirklich sehr, egal ob Großkatzen, Kleinkatzen oder Geparden, jedoch weis ich auch, dass sie für Tiere ihrer Größe extrem kräftig und gewandt, aber vor allem äußerst stark bewaffnet und sehr schnell sind. So gerne ich sie fotografiere, muss da immer ein ausreichender Schutz zwischen ihnen und mir sein. Auf das Gerede von "der tut nichts" gebe ich da gar nichts. Jeder weis, dass auch die kleinsten Hunde kraftvoll zubeißen können und wie oft verkünden Hundehalter, dass ihr Tier nichts tut.

Breakpoint vor 8 Wochen

Laufen auf Steinsplit, Metallgitter überall, paar Holzstumpen zum Erklimmen und (vermutlich) Schlachtabfälle als Fressen. --- Eine trostlose "Gnade" für Leoparden! --- Welche Behörde genehmigt solche Haltungsbedingungen?

Harka2 vor 8 Wochen

Der Gnadenhof braucht Geld, da er sonst keinerlei regelmäßige Unterstützung erhält. Tierliebe kostet halt.

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