Weihnachtsgeschäft Lieferengpässe und Personalmangel bei Plüschtier-Firma in Bad Kösen

Ausgerechnet zum Weihnachtsgeschäft hat die Spielzeug-Manufaktur in Bad Kösen mit Lieferengpässen zu kämpfen – und es gibt weitere, grundsätzliche Probleme. Wie sich das Unternehmen trotz aller Hürden für die Zukunft aufstellt.

Plüsch-Bären werden in der Bad Kösener Spielzeug Manufaktur GmbH gefertigt
Von insgesamt 400 verschiedenen Tieren können 80 derzeit nicht geliefert werden. Bildrechte: dpa

Eigentlich läuft das Weihnachtsgeschäft "sehr gut", sagt Helmut Schache. Doch dann schiebt der Sprecher der Kösener Spielzeug-Manufaktur das "Aber" hinterher: "Nur mit Einschränkungen, weil uns ein Hauptlieferant für Fasern pleite gegangen ist."

Es könne zwar geliefert und produziert werden, sagt Schache, "wenn auch nicht alles, so wie wir es brauchen." Heißt: Das Sortiment ist zeitweise kleiner geworden. Von insgesamt 400 verschiedenen Tieren können derzeit 80 nicht geliefert werden.

Orang-Utan, Mäuschen und Eisbären

Helmut Schache zufolge werden pro Tag rund 200 Tiere produziert. Nach wie vor laufe der Orang-Utan bestens, ebenso die Mäuschen und die Eisbären.

Marketing-Chef und Firmensprecher Helmut Schache steht im Werksverkauf der Bad Kösener Spielzeug Manufaktur GmbH
Firmensprecher Helmut Schache mit einem der Kassenschlager: dem Plüsch-Eisbären. Bildrechte: dpa

Doch nicht nur Lieferengpässe, auch der Fachkräftemangel machen dem Unternehmen in Bad Kösen zu schaffen: 32 Menschen sind derzeit dort beschäftigt. Die Firma würde zwölf weitere Mitarbeiter einstellen, aber der Markt sei leer gefegt, sagt Schache: "Ich weiß nicht, an was das liegt, die meisten wollen sich wohl dieser schon sehr anspruchsvollen Handarbeit nicht aussetzen."

Vor Corona lag der Umsatz bei 2,5 Millionen Euro pro Jahr und 2021 bei 2,1 Millionen Euro. "Der Onlineverkauf und der Werksverkauf haben stark zugelegt", sagt Schache. Die Plüschtiere würden zum Teil für Kinder gekauft, aber auch Sammler zählten zu den Kunden.

In der Bad Kösener Spielzeug Manufaktur GmbH untersucht Yvonne Himmel die Plüsch-Henne Isolde vor dem Versand mit einem Handdetektor nach Nadeln
So sieht das aus, wenn eine Plüsch-Henne vor dem Versand mit einem Handdetektor nach Nadeln durchsucht wird. Bildrechte: dpa

Investitionen in moderne Technik

Trotz der Unwägbarkeiten durch Corona rüstet sich das Unternehmen für die Zukunft. Investiert wurde den Angaben nach etwa in eine Laserschneidmaschine und eine selbst entwickelte Druckmaschine. So könne flexibler auf Kundenwünsche reagiert werden. Zudem ermögliche das große Lager, dass bei Lieferengpässen neun Monate weiter produziert werden kann.

Der größte Teil des Exports gehe derzeit nach Japan, aber auch England, die Schweiz, die USA, Australien, Südkorea und China werden beliefert. In Bad Kösen produzierte die Puppengestalterin Käthe Kruse (1883-1968) von 1912 bis 1949 ihre weltberühmten Puppen. In der DDR wurden am Standort zunächst auch weiter Puppen hergestellt. Die Familie Schache übernahm 1992 den Betrieb.

Geschichte

Vor 50 Jahren gestorben Käthe Kruse - Die Puppenmacherin und ihre große Liebe

Käthe Kruse Puppenausstellung.
Es sind diese unvervechselbaren, lebendigen Gesichter, die Käthe Kruses Puppen bekannt machten. Jahrzehntelang wurden sie in Bad Kösen hergestellt. Vor 50 Jahren, am 19. Juli 1968, starb die berühmte Puppenmacherin. Bildrechte: imago/Köhn
Käthe Kruse Puppenausstellung.
Es sind diese unvervechselbaren, lebendigen Gesichter, die Käthe Kruses Puppen bekannt machten. Jahrzehntelang wurden sie in Bad Kösen hergestellt. Vor 50 Jahren, am 19. Juli 1968, starb die berühmte Puppenmacherin. Bildrechte: imago/Köhn
Käthe Kruse
Ihr unzufriedener Lebensgefährte bringt ungeahnt Kruses Karriere ins Rollen: Zu Weihnachten 1904 wollte Max Kruse der ältesten Tochter eine Puppe aus Berlin mitbringen. Doch die handelsüblichen Exemplare gefielen ihm nicht. So musste Kähte ran und selbst eine Puppe für die Tochter nähen. Bildrechte: IMAGO
Käthe Kruse
Nach und nach sprach es sich herum, dass die junge Frau für ihre Kinder Puppen herstellte. Kruse nähte nun auch für andere. Doch bereits 1910 war die Nachfrage so groß, dass sie mit der Einzelanfertigung in ihrer Berliner Wohnung nicht mehr nachkam ... Bildrechte: IMAGO
Käthe Kruse und Familie und Puppen in Bad Kösen
So zog die Familie nach Bad Kösen, mietete dort ein Wohnhaus und eine Werkstatt. Schon bald beschäftigte Käthe 100 Angestellte. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Puppenproduktion als Privatunternehmen in der DDR kaum mehr möglich. So verließ die Familie Bad Kösen 1954 Richtung Westen. Bildrechte: IMAGO
Das Romanische Haus in Bad Kösen
Der Betrieb wurde in der noch jungen DDR verstaatlicht und das Markenzeichen Käthe Kruse kurzerhand in "Kösener Künstlerpuppen" umbenannt. Seit der Wende erinnert dieses Museum in Bad Kösen an die Sternstunde der Puppenindustrie vor Ort. Bildrechte: imago/Köhn
Käthe Kruse
Während in dem Volkseigenen Betrieb "Puppenwerk Bad Kösen" noch bis 1967 Puppen hergestellt wurden, hatten Kruses Söhne Max und Michael längst im westdeutschen Donauwörth (im Bild) eine neue Produktionsstätte gegründet. Bildrechte: IMAGO
Verschiedene Puppen.
Käthe Kruse, 1883 geboren, muss sich aus gesundheitlichen Gründen bald aus der Firma zurückziehen. Die von ihr entworfenen Modelle produzieren ihre Söhne weiter. Noch immer wird die Puppe von Hand gefertigt. Bildrechte: imago/teutopress
Käthe Kruse
Am 19. Juli 1968 starb Käthe Kruse. Doch in ihren Puppen, die bis heute noch in Handarbeit in Donauwörth gefertigt werden, lebt sie weiter.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR vor Ort - Beim Teddybären- und Plüschtierfestival in Bad Kösen | 26.11.2016 | 16:00 Uhr.)
Bildrechte: imago/Köhn
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dpa, MDR (Daniel George)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Dezember 2021 | 11:00 Uhr

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