Burgenlandkreis Leopard verletzt Model in Nebra schwer: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nachdem ein Leopard auf einem Gnadenhof für Showtiere in Nebra eine Frau angefallen und schwer verletzt hat, bezieht der Burgenlandkreis Stellung und beantwortet die offenen Fragen. Das sind die Antworten.

Ein Leopard liegt in einem Gehege.
Ein Leopard liegt in seinem Gehege in Nebra im Burgenlandkreis. Auf dem Gelände einer "Seniorenresidenz für Showtiere" hat ein Raubtier eine Frau angegriffen und schwer verletzt. Bildrechte: dpa

Wieso gab es eine KAT-Warnmeldung?

Wie die Pressestelle des Burgenlandkreises erklärt, ist zu Beginn unklar gewesen, ob der Leopard ausgebrochen ist. Deshalb löste das Amt für Brand und Katastrophenschutz im Abstimmung mit der Polizei in Halle um 16:35 Uhr eine KAT-Warnmeldung aus. Darin wurden die Einwohnerinnen und Einwohner aufgerufen, Zuhause zu bleiben, Fenster und Türen zu schließen. Bereits 15 Minuten später wurde Entwarnung gegeben: Das Tier war nie freilaufend außerhalb des Geheges.

Wie ist der Stand der polizeilichen Ermittlungen?

Laut dem Polizeirevier Burgenlandkreis hat ein Leopard eine 36-jährige Frau aus Thüringen, die nicht die Besitzerin des Tieres ist, bei einem Fotoshooting schwer verletzt. Der Leopard habe sie im Kopfbereich gebissen. Die Frau wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik gebracht. Weitere Angaben zu ihrem Gesundheitszustand machte die Polizei bislang nicht. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurde die Frau schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt.

Die polizeilichen Ermittlungen gegen die 48-jährige Halterin gehen weiter, da der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung bestehe. Die Halterin hat sich zum Vorfall bisher nicht geäußert. Das Opfer hat bei MDR SACHSEN-ANHALT betont, weder die Halterin noch das Tier könnten etwas für den Vorfall.

Dürfen Privatpersonen Leoparden halten?

Eine Haltung von Leoparden ist generell in Sachsen-Anhalt nicht genehmigungspflichtig. "Die Haltung von Leoparden wird durch das Land Sachsen-Anhalt rechtlich nicht begrenzt", sagte ein Sprecher des Burgenlandkreises der Deutschen Presse-Agentur. Tierschutzrechtliche Bedenken und Sicherheitsrisiken könnten dem aber entgegenstehen. Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD, kritisiert laut der "Mitteldeutschen Zeitung": "In Sachsen-Anhalt ist jeder Hund registriert, aber wir wissen nicht, wer zu Hause einen Leoparden oder eine Schlange hält."

Wie der Burgenlandkreis weiter ausführt, muss das Veterinäramt die tierrechtlichen Voraussetzungen der Unterbringung prüfen – also, ob die Leoparden zum Beispiel art- und altersgerecht gehalten werden. Diese Prüfung sei in Nebra erfolgt und es habe keine Gründe gegeben, die Haltung zu verbieten. Am 3. August habe es zuletzt eine Kontrolle gegeben, bei der die Tiere sich unauffällig verhalten haben und gesund waren.

Wofür die Halterin eine Genehmigung benötigt habe: den Bau des Geheges. Die sei, so der Burgenlandkreis weiter, am 11. Juli 2019 mit bestimmten Sicherungsmaßnahmen erfolgt. Der Bauzustand sei am 18. August kontrolliert worden – es wurden keine baulichen Mängel am Tiergehege festgestellt.

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Di 06.08.2019 15:16Uhr 00:48 min

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Wie geht es mit den Leoparden weiter?

Das Veterinäramt habe mehrmals versucht, die beiden Leoparden an zoologische Parks zu vermitteln – auch in anderen Ländern sei nachgefragt worden. Alle Versuche blieben bisher erfolglos. Wären die Tiere nicht in Nebra untergekommen, hätten sie eingeschläfert werden müssen, heißt es seitens des Burgenlandkreises. Und Amtstierärztin Andrea Krüger-Roethe betont: "Die Haltung und der Umgang mit Raubkatzen ist und bleibt gefährlich. Ein Raubtier bleibt ein Raubtier. Der sehr bedauerliche Zwischenfall führt die Gefahr vor Augen, die von solchen Tieren in privater Tierhaltung ausgehen kann."

Wird der private Gnadenhof jetzt geschlossen?

Das sei bisher nicht geplant, da der Gnadenhof alle Auflagen, die vor kurzem erst kontrolliert wurden, erfüllt. Die Amtstierärztin hat sich die Tiere am Mittwochnachmittag erneut angeschaut – das Ergebnis ist noch nicht bekannt.

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MDR/Johanna Daher, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. August 2021 | 05:00 Uhr

8 Kommentare

Harka2 vor 7 Wochen

@Critica
Stopp! Das Model kritisiert nicht die Halterin. Bisher habe ich dazu kein Wort gelesen. Das "Model" ist selber Tierschützerin und es sollten dahingehende Bilder gemacht werden, was gründlich schief ging.

Critica vor 7 Wochen

Trotzdem ist es Leichtsinn von der Dame (Model). Jetzt auf der Halterin herumzuhacken, finde ich schon blöd.
Ein jeder kann selbst sagen, was er will oder nicht will.

Harka2 vor 7 Wochen

@Critica
Wenn dem Model der Leopard quasi als großes Kuscheltier vorgestellt wird und sie keine Ahnung von der Sprache der Katzen hat, dann liegt die Schuld gewiss nicht beim Model. Die Halterin hingegen hätte wissen müssen, das ein Leopard von der Gewichtsklasse eines ausgewachsenen Menschen über gewaltige Kräfte und äußerst starke Waffen verfügt. Katzen haben eine sehr umfangreiche und deutliche Körpersprache, wer die nicht versteht, sollte keine Katzen halten.

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