Schlachthof in Weißenfels Tönnies-Beschäftigte protestieren für mehr Lohn

Nur wenige Mitarbeiter von Tönnies haben am Freitag zusammen mit Gewerkschaftern für mehr Lohn vor dem Schlachthof in Weißenfels protestiert. Sie fordern einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde. Von der Gewerkschaft hieß es, im Betrieb in Weißenfels herrsche ein Regime der Angst.

Etwa 20 Menschen protestieren im Freien. Alle tragen einen Mundschutz
Vor dem Werkstor der Tönnies Zerlegungs GmbH haben am Freitag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen mit Gewerkschaftern für einen höheren Mindestlohn protestiert. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Mitarbeiter von Tönnies Weißenfels und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) haben am Freitag vor dem Werkstor der Firma Tönnies in Weißenfels protestiert. Sie forderten für die körperlich schwere Arbeit in der Fleischzerlegung einen Mindestlohn von 12,50 Euro. Das Unternehmen bietet 10,50 Euro an.

An den Protesten beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter nur wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Etwa 40 der mehr als 2.000 Beschäftigten hätten protestiert, sagte ein Sprecher der NGG. Die geringe Beteiligung begründete der Sprecher mit der Angst der Beschäftigten, ihren Job zu verlieren.

Ehemalige Mitarbeiterin kritisiert Arbeitsbedingungen

Von der Gewerkschaft heißt es weiterhin, bei Tönnies herrsche ein Regime der Angst. "Die Menschen werden unter Druck gesetzt. Sobald jemand krank ist, wird er sehr häufig gekündigt", so der Sprecher der NGG.

Eine junge Frau mit dunklem Haar und Lederjacke
Karolina Grochowska spricht von schlechten Arbeitsbedingungen bei Tönnies. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Karolina Grochowska, ehemalige Mitarbeiterin bei Tönnis, sagte auf der Kundgebung, dass sie nach drei Monaten bei Tönnies entlassen worden sei. Die Gründe kennt die Polin nicht, sie vermutet, dass es wegen ihrer Gesundheit ist. "Es muss immer schneller und schneller gehen. Als es mir einmal nicht gut ging, sollte ich trotzdem zur Arbeit kommen." Auf Arbeit sei sie dann ohnmächtig geworden. "Die Reaktion des Vorarbeiters war: 'Das soll nicht wieder vorkommen'."

Zudem sei Mobbing unter den Kolleginnen und Kollegen ein großes Problem. Die Vorarbeiter hätten die Beschwerden nicht ernst genommen, so die ehemalige Mitarbeiterin.

Etwa 1.100 Mitarbeiter übernommen

Tönnies ist nach eigenen Angaben einer der größten Schlachtbetriebe weltweit und größter Deutschlands. Seit Januar 2021 gilt für das Unternehmen das neue deutsches Gesetz, nachdem Subunternehmer und Leiharbeit in der Fleischindustrie verboten sind. Die Betriebe müssen die Mitarbeiter selbst anstellen. Tönnies hat deshalb in Weißenfels laut einem Bericht von mdr Exakt etwa die Hälfte der 2.200 Mitarbeiter übernommen. In dem Bericht war ebenfalls von schlechten Arbeitsbedingungen die Rede.

MDR/Luise Kotulla, Marie-Luise Luther

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. April 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

maheba vor 2 Wochen

Nur wenige Mitarbeiter beteiligten sich am Streik. Klar, die meisten Beschäftigten kommen ja als Niedriglohntouristen aus Osteuropa und sind sehr zufrieden mit dem was gezahlt wird. Das man davon aber in Deutschland normal nicht leben kann ist ihnen egal. Sie schicken ihren Lohn nach Hause zu ihren Familien und dort kann man gut damit leben.
Wenn noch mehr Arbeitskräfte kommen wird das nie was mit der Angleichung der Löhne an Westniveau. Selbst Frau Wagenknecht von den Linken hat das erkannt und publiziert.

eeee vor 2 Wochen

Das ist das Wesen des Kapitalismus. Es zählt nur der Profit.

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