Regionaler Anbau Solidarische Landwirtschaft Langendorf: "Sauerkraut für alle!"

Gemeinsam Gemüse anbauen, gemeinsam ernten und dann gerecht aufteilen: Das ist das Prinzip einer Solidarischen Landwirtschaft. Diese Agrarform boomt. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer hat sich die Zahl der Betriebe allein zwischen 2015 und 2017 verdoppelt. Eine Solidarische Landwirtschaft gibt es seit zwei Jahren auch in Langendorf südlich von Weißenfels. Ein Projekt mit viel Licht, aber auch ein wenig Schatten.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit geht Karolin Dube ans Werk. In ihrer rechten Hand hält sie ein Stück Weißkohl und lässt diesen rhythmisch über ein Reibeisen gleiten. Karolin Dube hobelt routiniert und plaudert dabei munter drauf los: "Wir machen hier Sauerkraut für Alle! Ich hobele den Weißkohl, später kommt noch Salz hinzu und dann wird alles gestampft", erzählt sie.

Am Ende des Tages wird jedes Vereinsmitglied der Solidarischen Landwirtschaft Langendorf ein paar Sauerkrautgläser mit nach Hause bekommen. Das ist das Prinzip hier. Alle packen mit an und bekommen ihren Teil der Ernte.

Gemeinsames Projekt Solidarische Landwirtschaft: Zu Besuch in Langendorf

Sie bauen gemeinsam Gemüse an, ernten es und verteilen es dann gerecht: die Mitglieder eines Vereins für Solidarische Landwirtschaft in Langendorf. Ein Besuch auf ihrem Hof in Bildern.

Diese Gewächshäuser stehen in Langendorf und werden von allen Mitgliedern des Vereins gepflegt. Denn sie leben dort Solidarische Landwirtschaft.
Diese Gewächshäuser stehen in Langendorf und werden von allen Mitgliedern des Vereins dort gepflegt. Denn sie leben Solidarische Landwirtschaft. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Diese Gewächshäuser stehen in Langendorf und werden von allen Mitgliedern des Vereins gepflegt. Denn sie leben dort Solidarische Landwirtschaft.
Diese Gewächshäuser stehen in Langendorf und werden von allen Mitgliedern des Vereins dort gepflegt. Denn sie leben Solidarische Landwirtschaft. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Zwei Vereinsmitglieder: Nina Mielke und Karolin Dube
Über 40 Mitglieder sind es mittlerweile bereits – mit dabei: Nina Mielke (links) und Karolin Dube. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Emilia, vorn und Lara, hinten bei der Tomatenernte
Jeder packt hier mit an, denn es ist ein Gemeinschaftsprojekt: Gemeinsam pflanzen, ernten und dann auf alle gerecht aufteilen. Auch die Schülerinnen Emilia und Lara sind mit dabei. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Ein Garten mit Beeten
Die Fläche, die die Mitglieder zum Anbauen zur Verfügung haben, ist so groß wie ein Fußballfeld. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Vereinschef Jens Mielke
Jens Mielke ist der Chef des Vereins. Er erklärt: "Man kann das Gemüse hier nicht kaufen, man muss Mitglied werden." Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Weißkohl-Ernte – daraus wird Sauerkraut gemacht
In diesem Jahr ist einiges an Weißkohl zusammengekommen. Daraus macht der Verein Sauerkraut. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
Karolin Dube beim Reiben des Weißkohls für das Sauerkraut
Damit fängt Karolin Dube direkt an und reibt den Weißkohl. Am Ende der Aktion bekommen alle Vereinsmitglieder ein paar Sauerkrautgläser mit nach Hause. Bildrechte: MDR/Stephan Weidling
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Frisches Gemüse aus der Region

Ob Sauerkraut, Kartoffeln, Möhren, Tomaten oder beispielsweise Rote Beete. Seit zwei Jahren bauen die mittlerweile rund 40 Vereinsmitglieder Gemüse an. Auf einer fußballfeldgroßen Fläche stehen Beete und zwei riesige Gewächshäuser.

"Man kann das Gemüse hier nicht kaufen, man muss Mitglied werden", erzählt Vereins-Chef Jens Mielke. In Langendorf zahlt jeder, der mitmachen will, einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von zehn Euro, dazu kommen 40 Euro Erntebeitrag im Monat. Obendrauf kommt dann noch die Arbeitszeit von rund 60 Stunden im Jahr. "Tendenz steigend", schiebt Jens Mielke gleich hinterher.

Viel ehrenamtliche Arbeit

Die Mitglieder organisieren sich in mehreren Arbeitsgruppen. So kümmert sich zum Beispiel die "AG Gartenbau" um den Anbau des Gemüses. Dienstags, freitags und samstags heißt es generell: Arbeitseinsatz! "Allerdings", erklärt Jens Mielke, "versuchen wir es so zu organisieren, dass nur eine minimale Anzahl von Leuten da ist."

Denn der 37-Jährige weiß auch: In den letzten zwei Jahren sind immer wieder Mitglieder ausgetreten. "Die meisten sagen, es ist uns zu viel Arbeit. Wir schaffen das nicht", erklärt Mielke. Seine Frau Nina Mielke fügt hinzu, dass immer jemand da sein müsse, der sich kümmere. "Das geht an die Substanz", sagt sie. Schließlich hätten die meisten noch Familie und einen Job.

Gemeinsame Aktionen schweißen zusammen

Dass es in Langendorf trotzdem immer weitergeht, liegt vor allem an solchen gemeinsamen Aktionen wie dem Sauerkrautmachen. Außerdem freuen sie sich hier, dass sie regional produzieren und alles ökologisch anbauen.

Die Kartoffelernte in diesem Jahr fiel jedoch durchwachsen aus. Rund 40 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr: "Wir hatten Probleme mit dem Kartoffelkäfer", erzählt der Vereinschef.

In Zukunft auch Projekte mit Schulen und Kitas

Dafür hatten die Kinder ihren Spaß. Die sechsjährige Emilia und ihre zehn Jahre alte Schwester Lara lieben ihren "großen Garten", wie sie ihn nennen. Herumtollen und frei sein, das ist ihr Motto. Und hin und wieder packen sie auch mit an. "Die Kartoffelernte hat Spaß gemacht, wir haben sogar Regenwurm-Eier gefunden", berichtet die Viertklässlerin stolz.

In naher Zukunft wollen die Langendorfer ihr Projekt der Solidarischen Landwirtschaft noch weiter ausbauen. Enten und Hühner sollen kommen. Dazu planen sie auch Projekte mit Kindergärten und Schulen.

MDR/Stephan Weidling, Sarah Peinelt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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