Außenansicht eines historischen Fabrikgebäudes
Im historischen Zekiwa-Hauptgebäude in Zeitz sind weitere Ausbaumaßnahmen geplant. (Archiv-Foto). Bildrechte: IMAGO / wrongside pictures

Kinderwagen-Werk DDR-Brache: Zeitz will Zekiwa-Gelände reaktivieren

25. Juni 2024, 18:42 Uhr

Mit Kohlemitteln will die Stadt Zeitz die Industrie-Brache der ehemaligen DDR-Kinderwagenproduktion reaktivieren und einen städtebaulichen Missstand beseitigen. Das Projekt soll sich an den Ideen des Neuen Europäischen Bauhauses orientieren. Der Stadtrat hat nun zunächst den Weg für einen Fördermittelantrag freigemacht.

Die Stadt Zeitz will die Industriebrache der ehemaligen Kinderwagen-Produktion aus DDR-Zeiten reaktivieren und umnutzen. Nach der Sanierung des ehemaligen Zekiwa-Hauptgebäudes, das bereits durch das Zeitzer Stadtarchiv genutzt wird, seien jetzt Folgemaßnahmen geplant, um den städtebaulichen Missstand in der Zeitzer Unterstadt zu beseitigen, teilte die Stadt am Dienstag per Pressemitteilung mit.

Zekiwa-Brachfläche soll erschlossen werden

Das drei Hektar große Projektgebiet umfasse städtische Grundstücke zwischen Badstubenvorstadt und Brückenweg. Konkret soll das denkmalgeschützte und seit langem ungenutzte Zekiwa-Verwaltungsgebäude gesichert und eine Brachfläche erschlossen, genutzt und gestaltet werden, auf der sich bis in die 1990er Jahre Produktionsanlagen, Werkstätten und Lager für die Kinderwagenproduktion befanden.

Zudem seien im Erdgeschoss des ehemaligen Hauptgebäudes Ausbaumaßnahmen geplant, damit der Raum zunächst durch die Projektpartner und langfristig durch andere Interessenten genutzt werden könne.

Stichwort: Kinderwagen aus Zeitz 1846 gründete Ernst Albert Naether das Unternehmen "E. A. Naether" und begann, Kinderwagen herzustellen. Er gilt als Begründer der Kinderwagenindustrie. 100 Jahre später wurde aus seiner Firma der "VEB Zekiwa", nach der Wende die "Zekiwa GmbH". Sie produziert bis heute Kinderwagen. Zekiwa steht für Zeitzer Kinderwagen.

Neues Europäisches Bauhaus als Rahmen

Die Reaktivierung des Areals soll laut Stadt im Rahmen der EU-Initiative "Neues Europäisches Bauhaus" (NEB) auf die Beine gestellt werden. Entsprechend werde das Projekt als "Reallabor" konzipiert. "Neue Wege für den Einsatz regenerativer Energien und wiederverwendbarer Baustoffe sollen hier entwickelt und umgesetzt, aber auch innovative digitale Werkzeuge für das Planen, die Öffentlichkeitsbeteiligung und die Projektkommunikation angewandt werden", schreibt die Stadt.

Was ist das Neue Europäische Bauhaus?

Die Europäische Kommission hat mit dem Neuen Europäischen Bauhaus (NEB) eine Vision für die Zukunft Europas formuliert. Mit diesem Konzept soll ein neues Zeitalter des Bauens, der Gestaltung der Lebenswelt und des gesellschaftlichen Miteinanders vorgedacht werden. Nachhaltigkeit, Ästhetik, Inklusion und soziale Gerechtigkeit sollen miteinander verbunden werden. 

Das NEB wird von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als „Seele des Europäischen Grünen Deals“  bezeichnet, mit dem die Europäische Union bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden will. Quelle: Bundesregierung

Der Zeitzer Stadtrat habe am 13. Juni "mit überwältigender Mehrheit" den Weg für die Beantragung von Fördermitteln bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt freigemacht. Werde der Förderantrag bewilligt, könne die Finanzierung aus dem EU-Programm für einen gerechten Übergang in den Kohlerevieren (JTF) erfolgen.

Zekiwa-Projekt soll bis zu 25 Millionen Euro kosten

Die Landesregierung habe in diesem Programm 38 Millionen Euro reserviert, um Vorhaben zu fördern, mit denen die Initiative Neues Europäisches Bauhaus verwirklicht werden könne. Zeitz werde für den Zeitraum bis 2027 elf Millionen Euro daraus beantragen. Das Gesamtvolumen des Zeitzer Projekts betrage allerdings bis zu 25 Millionen Euro.

Projektpartner sind den Angaben zufolge die Hochschulen in Dessau, Bernburg und Halle (Saale), die Stiftung Bauhaus Dessau und Partner aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Diese würden eigene Förderanträge für ihre Vorhaben in Zeitz stellen. So entwickle etwa die Stiftung Bauhaus Dessau kulturelle Bildungsangebote für Schulen in der Stadt.

MDR (Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Juni 2024 | 09:30 Uhr

1 Kommentar

Harka2 vor 3 Wochen

Und gibt es auch schon ein realistisches Nutzungskonzept oder nur Fördergelder?

Mehr aus Burgenlandkreis und Saalekreis

Mehr aus Sachsen-Anhalt