Haftprüfung IS-Rückkehrerin Leonora M. aus Gefängnis in Halle entlassen

IS-Rückkehrerin Leonora M. aus Sangerhausen ist am Freitag unter Auflagen aus der Haft in Halle entlassen worden. Sie hatte sich 2015 dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen. Die vergangenen zwei Jahre war sie bereits in einem syrischen Gefangenenlager.

Leonora aus Breitenbach in Syrien
Nach einer Haftprüfung ist IS-Rückkehrerin Leonora M. nun frei. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die IS-Rückkehrerin Leonora M. aus Sangerhausen ist unter Auflagen aus einem Gefängnis in Halle freigelassen worden. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe am Freitag bei einem Haftprüfungstermin entschieden. Wie der Pressesprecher des Generalbundesanwalts MDR SACHSEN-ANHALT sagte, ist der Haftbefehl am Freitag außer Vollzug gesetzt worden. Leonora M. dürfe wieder zu ihrer Familie. Allerdings liefen die Ermittlungen weiter, eine Anklage werde geprüft.

Leonora M. war im Dezember 2020 mit ihren zwei Kindern nach Deutschland zurückgekehrt. Seitdem saß sie in Halle in Untersuchungshaft.

Freilassung unter Auflagen

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT muss Leonora M. als Auflage an einem Deradiaklisierungprogramm teilnehmen. Dabei geht es um die psychologische Aufbereitung dessen, was die junge Frau damals zum IS führte. Leonora M. musste zudem ihren Ausweis abgeben und ist verpflichtet, sich dreimal in der Woche bei der Polizei zu melden. Sollte sie sich nicht an diese Auflagen halten, könnte der Haftbefehl wieder in Vollzug gesetzt werden. Der dringende Tatverdacht gegen sie bleibt demnach bestehen.

Nach der Haftprüfung am Bundesgerichtshof sagte der Anwalt von Leonora M. dem SWR, die Entscheidung des Gerichts sei gut vertretbar. Fluchtgefahr bestehe nicht. Die Bundesanwaltschaft wirft Leonora M. vor, gemeinsam mit ihrem Mann in Syrien eine Jesidin als Sklavin gehalten und sie weiterverkauft zu haben.

Zwei Jahre in syrischem Gefangenenlager

Leonora M. hatte sich 2015 der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen und hat die vergangenen zwei Jahre in einem syrischen Gefangenenlager verbracht. Der Leipziger Anwalt Jan Siebenhüner sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Vorfeld der Haftprüfung, diese Jahre könnten auf eine zu erwartende Haftstrafe in Deutschland angerechnet werden. In Deutschland gelte das sogenannte Doppelbestrafungsverbot. Das würde greifen, wenn Leonora M. in Syrien dasselbe vorgeworfen worden ist wie hier in Deutschland – und zwar Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Journalist Volkmar Kabisch, der den Fall Leonora M. schon jahrelang begleitet, sagte MDR SACHSEN-ANHALT vor der Haftprüfung, dass die Ermittlungen gegen die Frau weitergingen. Entscheidend dafür, wie es mit Leonora M. weitergehe, sei aber nicht nur das Juristische, sondern auch das Soziale – die Deradikalisierung und Wiederintegration in die Gesellschaft.

Im Dezember 2020 nach Deutschland zurückgekehrt

Leonora M. war vor etwa fünf Jahren als damals 15-Jährige nach Syrien gereist, hatte dort einen deutschen IS-Kämpfer geheiratet und zwei Kinder bekommen. Die junge Frau war im Dezember 2020, kurz vor Weihnachten, direkt bei ihrer Rückkehr nach Deutschland auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Januar 2021 | 14:00 Uhr

35 Kommentare

Tacitus vor 40 Wochen

Eluenspiegel, Heimatloser:
Ich wende mal Ihre Argumentation auf einen (fiktiven) KZ-Aufseher an:
Ein Mann, war noch sehr jung, nichts anderes gehört, hat nur seine Pflicht getan; auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung; er hat keinem etwas getan- andernfalls, viel Spass beim Beweisen.--
Noch etwas zu diesem Fall:
So wenig Verständnis ich für die Tochter habe (nach ihren beiden Medienauftritten denke ich, sie ist klar eine Islamistin), soviel Respekt, Hochachtung und Mitgefühl habe ich für den Vater.
Wie er um seine Tochter gekämpft hat, es noch tut und sich um eine Lösung bemüht hat- er ist für mich ein wahrer Held! Vielleicht gelingt es ihm, Leonara und ihre Kinder in unsere Gesellschaft zurückzuholen.

Ekkehard Kohfeld vor 40 Wochen

Hallo Eule.

"Bei uns gilt die Unschuldsvermutung für jeder Mann."

Da werde ich sie bei passender Gelegenheit dran erinnern wette.😈😈😈

" Viel Spaß beim beweisen."

Ich habe nichts zu beweise sonder sie,den sie haben das geschrieben.😱😱😱

Eulenspiegel vor 40 Wochen

Hallo Ecki
Bei uns gilt die Unschuldsvermutung für jeder Mann. Also auch für die Personen die in der Justiz arbeiten.
Daraus ergibt sich klar und eindeutig das sie ja wohl erst einmal belegen müssen das es da begründete Zweifel daran gibt das die Justiz nicht mit dem gleichen Maß misst.
Viel Spaß beim beweisen.

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