Seniorenheim geplant Abriss der "Schorre" bewegt die Hallenser

Der Veranstaltungsort "Schorre" in Halle wird abgerissen. Die Nachricht darüber wird viel kommentiert – auf dem Facebook-Kanal von MDR SACHSEN-ANHALT, aber auch auf Instagram und in den Kommentarspalten der Homepage. Dort, wo der Club steht, sollen in Zukunft nicht mehr junge Menschen feiern, sondern Senioren ruhig wohnen. Das Vorhaben stößt auf große Kritik.

Menschen feiern in der Disko Schorre in Halle
Abendruhe statt ausgelassener Party – auf dem Gelände der "Schorre" soll eine Seniorenresidenz entstehen. Bildrechte: Schorre Halle

In der Kälte Schlange stehen in der Hoffnung reinzukommen, ausgelassene Partynächte bis weit nach Mitternacht, unvergessene Veranstaltungen, wie der jährliche Medizinerfasching oder das legendäre Nirvana-Konzert – dafür steht die "Schorre" in Halle. Jetzt soll sie abgerissen werden und eine Seniorenresidenz auf dem Gelände entstehen. Der Grund: ein Wechsel des Immobilien- und Grundstücksbesitzers.

Userin fragt, wo Jugendliche feiern sollen

Ein beiges Gebäude mit tanzenden Figuren auf dem Dach.
Das Gebäude der "Schorre" in Halle Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Schließung führt zu Unverständnis in der MDR-SACHSEN-ANHALT-Community. Auch wenn in Halle in einigen Diskotheken wie der Palette, dem Turm, der Drushba oder im Charles Bronson getanzt werden kann, wird die "Schorre" eine Lücke hinterlassen, die schwer zu schließen ist. Mit einem Platzaufgebot für mehr als 1.000 Gäste zählt sie zu den größten Veranstaltungsorten der Stadt und ist besonders bei jüngeren Partygästen, auch den unter 18-Jährigen, beliebt. Ein Klientel, an das sich die anderen Clubs nicht vorrangig richten.

Die Userin Sandra Gollnack schreibt auf Facebook von MDR SACHSEN-ANHALT:

Geld regiert die Welt! Wo soll die Jugend denn am Wochenende noch hin? Und die Schorre wurde im Lockdown noch aufwändig renoviert. Da muss sich keiner wundern, dass sich die Jugendlichen andere Plätze zum Feiern suchen wie den Platz vorm Landesmuseum oder den Unicampus.

Sandra Gollnack auf Facebook

Kultort für Legenden und Legendäres mit Denkmalschutz-Charakter

Kleine Tanzfläche im Obergeschoss der Schorre Halle
Die "Schorre"-Betreiber hatten die Zeit der corona-bedingten Schließung für Umbauarbeiten genutzt. So wurde zum Beispiel einer der Fußböden erneuert. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Auch andere Facebook-Nutzer und Nutzerinnen reagieren kritisch. Die "Schorre" hätte auch einen kulturellen Wert, hier gab sich die Partei SPD 1890 ihren Namen und Musiker wie Kurt Cobain und Rammstein standen schon auf der Bühne. Außerdem war der Club einer der ersten, der Veranstaltungen für die homosexuelle Partyszene in Mitteldeutschland ausrichtete. Es wird gefordert, dass das Gebäue unter Denkmalschutz gestellt werden solle.

Bedauern über die Schließung, die Frage wo junge Menschen in Zukunft noch feiern können, und das Schwelgen in eigenen "Schorre"-Erinnerungen beherrschen die Kommentare.

So schreibt der Account Blumenwurm auf dem Instagram von MDR SACHSEN-ANHALT:

Es wird sich gefragt, warum die Jugend aus Sachsen-Anhalt abwandert? Hier ein Grund von vielen.

Der Account von Willy Marek stellt gar die politische Entscheidungskompetenz in Frage:

Es ist eine Schande. Wieder ein Stück Kulturgut, was in Halle stirbt. Es geht ja auch um Geschichte. Da fehlt allen politischen Fraktionen der Instinkt. So treibt man die Jugendlichen nochmals zusätzlich nach Leipzig. Peinlich. Hat Halle das wirklich nötig?

Die Userin mit dem Account Tina Li äußert in ihrem Kommentar unter anderem auch Verständins für den Bau von Seniorenheimen, aber mit der Absicht Kulturgut verschwinden zu lassen, denke sich die Stadt ins Aus.

Seniorenheime zu bauen, finde ich grundsätzlich sehr gut, aber dafür ein Gebäude dem Erdboden gleich zu machen, das fast jeder kennt, die andere Seite.... Ich wüsste jetzt nicht, wo die Jugend dann noch feiern kann, außer an öffentlichen Plätzen. Aber darüber hat man sich sicherlich auch Gedanken gemacht

Tina Li auf Facebook

Sein Baudauern über den Abriss hat auch "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel geäußert. Er kritisiert besonders den Kulturverlust, der seiner Meinung nach mit dem Abriss einhergeht.

MDR/Lucy Marie Schmidt, Susanne Ahrens

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Oktober 2021 | 09:30 Uhr

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