Bauarbeiten für Schutzwall laufen Gimritzer Damm in Halle-Neustadt: Keine Sorge bei Hochwasser vor Ende der Bauarbeiten

In Halle wird am maroden Gimritzer Damm bis Ende Juni 2022 eine Hochwasserschutzwand gebaut. Sie soll etwa 15.000 Menschen in Halle-Neustadt vor einem Hochwasser wie im Jahr 2013 schützen. Doch was passiert, wenn ein Saale-Hochwasser kommt, bevor der Bau fertig ist?

Plattenbauten, Straßen und eine schnurgerade Baustelle.
Rechts neben Straße und Straßenbahn befindet sich die schnurgerade Baustelle für die Hochwasserschutzwand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es geht voran am Gimritzer Damm in Halle-Neustadt: Anfang Juli wurde mit den ersten Betonierungsarbeiten begonnen – eine 1,2 Kilometer lange Hochwasserschutzwand aus Stahlbeton soll bis Ende Juni 2022 entstehen. Sie wird direkt am alten Deich, dem Gimritzer Damm, verlaufen und inklusive Planungen und Vorarbeiten rund vier Millionen Euro kosten.

Die Hochwasserschutzwand am Gimritzer Damm im Entstehen, im Hintergrund ein Betonmischfahrzeug
Die Hochwasserschutzwand kann jetzt schon erahnt werden. Bildrechte: Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt

Sollte während der verbleibenden elf Monate Bauzeit die Saale über die Ufer treten, wäre das für Halle-Neustadt laut Landesbetrieb für Hochwasserschutz unproblematisch. "Der Hochwasserschutz für Halle-Neustadt ist während der Bauzeit gesichert", sagte Direktor Burkhard Henning MDR SACHSEN-ANHALT. Die Baufirmen hätten Notfallpläne für unterschiedliche Pegelstände einreichen müssen. Im schlimmsten Fall würde es provisorische Aufschüttungen von Sand oder Erde geben.

Schutzwand wird recht unauffällig sein

Momentan wird laut Burkhard Henning vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz begonnen, die Spundwand, angefangen am nördlichen Ende beim Weinbergweg, zu errichten. Auf der Seite hin zur Saale wurde der Deich abgebaggert, dort wird die Konstruktion hineingebaut. Der Teil des alten Deichs zur Straßenbahn hin bleibt bestehen. Am Ende soll demnach nur eine kleine Betonmauer aus der Erde herausschauen. Unterbrochen wird die bis zu einem Meter hohe Hochwasserschutzwand durch Fluttore, die zum Ende der Bauarbeiten eingebaut werden sollen.

Der alte Deich war beim Saale-Hochwasser im Juni 2013 beinahe gebrochen und hatte nur unter großen Anstrengungen mit Hilfe der Bundeswehr gehalten werden können. Ein großer Teil von Halle-Neustadt drohte überflutet zu werden. Laut Stadt Halle wurden am Gimritzer Damm damals mehr als 330.000 Sandsäcke verbaut.

Der Sandsackwall am Gimritzer Damm im Jahr 2013.
Nur knapp hatte der Gimritzer Damm in Halle den Wassermassen beim Saale-Hochwasser 2013 standgehalten. Bildrechte: IMAGO

Aktuell kann der marode Deich am Gimritzer Damm die Menschen in Halle-Neustadt kaum noch schützen. Von etwa 45.000 Einwohnern wäre etwa ein Drittel von einem Hochwasser wie im Jahr 2013 betroffen, sei es direkt durch das Hochwasser oder indirekt über Stromabschaltungen.

2013 bis heute: Der lange Weg zum Hochwasserschutz für Halle-Neustadt

Nach dem Saale-Hochwasser vom Juni 2013 hatte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) die Arbeiten für den neuen Deich eigenmächtig ausgelöst und sein Vorgehen mit Eilkompetenz begründet. Entlang der Halle-Saale-Schleife und damit näher an der Saale sollte der neue Deich entstehen, im Juli 2013 wurde bereits mit den Arbeiten begonnen. Der Oberbürgermeister hatte aber weder den Stadtrat noch das Landesverwaltungsamt als Genehmigungsbehörde informiert. Am Ende hatte das Oberverwaltungsgericht entschieden, dass die Stadt Halle nicht zuständig sei, einen Deich zu errichten. Das sei vielmehr eine Angelegenheit der Landesbehörden. Der Bau war gestoppt.

Anfang 2015 war erneut mit dem Bau begonnen worden, diesmal vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, doch nach wenigen Wochen wurde auch er gerichtlich gestoppt. Anwohner zwischen Deich und Saale hatten geklagt und verhinderten so, dass der Deich auf veränderter Linienführung gebaut werden konnte. Sie hatten Angst, dass bei ihnen das Hochwasser noch höher steigen könnte.

Im Jahr 2015 hatten dann die Planungen von vorne begonnen. Darauf hatten sich Sachsen-Anhalts damaliger Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU), Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand und Bürgerinitiativen geeinigt, weil es Streit um den Umweltschutz gab.

2017 lag dann die Vorzugsvariante des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt für den neuen Hochwasserschutz vor. Umweltverträglichkeitsprüfung und Artenschutzgutachten hatte die Behörde zur Prüfung an das Landesverwaltungsamt übergeben. Die Erstellung hatte ein Jahr gedauert, da die Gutachten über die Dauer einer Vegetationsperiode angefertigt werden mussten.

Im Mai 2020 entschied letztlich das Oberverwaltungsgericht: Es darf gebaut werden.

MDR/Mathias Kessel, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Juli 2021 | 17:00 Uhr

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