Trotz Straßenfesten und kostenlosem Nahverkehr Viel Verkehr beim "Autofreien Tag" in Halle

Der autofreie Tag am Mittwoch hat Halle nicht weniger Autoverkehr als an einem normalen Wochentag gebracht. Einige Autofahrer hatten das Angebot der HAVAG aber doch angenommen und an diesem Tag kostenlos Busse und Bahnen genutzt. Die Straßenfeste, die teilweise schon 12 Uhr begonnen hatten, hatten überschaubare Resonanz.

Eine rot-weiße Straßensperrung.
Der autofreie Tag war eher symbolisch gemeint und kam mit wenigen Straßensperrungen aus. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Die Stadt Halle hatte am Mittwoch zum ersten Mal einen autofreien Tag ausgerufen, doch die Resonanz darauf war eher verhalten. In der gesamten Stadt waren sechs kleinere Straßenbereiche abgesperrt. Vereine, Initiativen und Bürger feierten dort beispielsweise Stadtteilfeste, jedoch teilweise mit nicht so vielen Menschen wie erhofft.

Schriftzug "Halle macht autofrei" auf roten Untergrund
Zulassung zeigen anstatt Fahrkarte – das war am Mittwoch in Halle möglich. Bildrechte: HAVAG

Die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) hatte für den Tag allen Autofahrern angeboten, kostenlos den Nahverkehr in Halle zu nutzen. Auf MDR-Nachfrage teilte das Unternehmen mit, dass am Mittwoch mehr Menschen mit Bus und Bahn gefahren wären als sonst. Genaue Zahlen könne man aber erst in der nächsten Woche vorlegen. HAVAG-Vorstand Vinzenz Schwarz sagte optimistisch: "Es ist ein Prozess. Die Menschen werden ihre Gewohnheiten nicht sofort ändern, sondern sukzessive auf den ÖPNV umsteigen. Das gibt uns die Zeit, die wir brauchen, um uns an die dann erheblich steigenden Anforderungen anzupassen."

So reagierten die Hallenser

Die Reaktionen der Hallenserinnen und Hallenser am autofreien Mittwoch in Halle reichten von: "Ich habe jahrelang Autos verkauft, ich habe davon gelebt, ich bin 'Pro Auto'", bis zu: "Finde ich sehr gut. Man muss die Leute darauf stoßen. Viele kommen da nicht drauf, die haben ihr Auto festgewachsen".

Warum ein autofreier Tag?

Jedes Jahr nimmt Halle an der Aktionswoche der Europäischen Union zur Mobilität vom 16. bis 22. September teil. Nun hat die Stadt zum ersten Mal einen autofreien Tag organisiert, der auch in anderen Städten Deutschlands und Europas am 22. September stattfand – so beispielsweise in Berlin. Es geht nicht darum, Autos an dem Tag generell zu verbieten, sondern einzelne Straßen zu sperren und die Abschnitte der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Zwei junge Leute sitzen an einem Tisch mit verschiedensten Kuchen.
Ein ungewohnter Anblick: Kuchen essen auf der Straße. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Laut Stadt war das Ziel des autofreien Tages nicht Straßensperrungen als Selbstzweck zu errichten, "sondern das Aufzeigen einer Nutzung des öffentlichen Raums jenseits von Autoverkehr und Parken."

So verstanden es auch die Menschen, die zu einem abgesperrten Stück Straße in Halles Altstadt gekommen waren – samt Kuchenbasar, Bänken, Spielzeug und Kreide für Kinder. Einer Frau mit Kinderwagen gefiel die alternative Nutzung, wie sie MDR SACHSEN-ANHALT sagte: "Angenehmer würde ich es schon immer so finden, aber ich verstehe auch die Leute, die damit nicht zurecht kommen. Hier ist gerade jemand langgefahren, der kein Verständnis dafür hatte."

"Es ist ein Experiment"

Es ging jedoch nicht nur um fahrende Autos, sondern auch um parkende, über die sich Fußgänger, wie zum Beispiel Christine Fuhrmann, ärgern. Sie und die Initiative "Grüne Oase" wollen mehr Grün in Halles Innenstadt. "Das ist ehrlich gesagt heute ein Experiment. Und es ist auch ein kleiner Probelauf, inwiefern sich die Nachbarschaft hier findet. Insofern können wir mit dem Straßenfest zeigen, wie die Altstadt aussehen könnte, wenn hier weniger Autos stehen würden und wenn es einfach grüner wäre", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT.

Sie denkt, dass an einem Wochenende mehr Menschen gekommen wären und ihr Auto hätten stehen lassen. "Es ist aber gerade der Werktag, wo die Menschen mobil sein müssen. Und sich dann überlegen, könnte ich nicht heute einmal umsteigen auf die Öffentlichen oder auf’s Fahrrad".

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MDR/Mathias Kessel, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. September 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Anni22 vor 4 Wochen

Das wird so einfach nichtklappen. Der ÖPNV kann eben nicht jede Ecke anfahren und halten. Für Ältere schon ein Problem, da lässt man sich lieber direkt beim Arzt absetzen. Für Einkäufe (zumal mit Famile) ist ÖPNV auch nicht gerade so praktisch. Der Weg zur Arbeit führt oft auch Hallenser nach außerhalb, mit schlechter oder gar keiner Anbindung vorallem bei Schichtbetrieb. Also man muss halt Städte viel großzügiger planen, auch mit Individualverkehr, denn verschwinden wird der vorläufig nicht. Vielleicht wenn es vollautomatisch fahrende "Taxis"zum kleinen Preis gibt, die ich bei Bedarf ordenern kann.

lk2001 vor 4 Wochen

Das Problem ist aber die Anbindung muss da sein bevor man umsteigt. Ansonsten kommt man nirgends hin. Und solange der ÖPNV völlig überteuert ist klappt es eh nicht.

SusiB. vor 4 Wochen

Das war doch wohl logisch, in der Woche müssen die Leute zur Arbeit und viele darunter Pendler. Da kann keiner aufs Rad, Bus und Bahn umsteigen. Dann muss ich @Bernd recht geben wer hat mitten in der Woche und dann noch Mittags Zeit für Straßenfeste.

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