Bilanz Verbraucherschutz: Gefährliche Nikotin-Beutelchen und falsche Fische in Sachsen-Anhalt

Nikotin-Beutelchen, die man zwischen Lippe und Zähne schiebt, und falsch deklarierte Fische haben das Landesamt für Verbraucherschutz im vergangenen Jahr beschäftigt. Dazu kam die Corona-Pandemie. Am Montag zog die Behörde Bilanz für das Jahr 2020.

Ein Mann mit weißem Kittel beugt sich in einem Labor über eine Petrischale.
Das Landesamt für Verbraucherschutz hat Labore in Halle, Magdeburg und Stendal, in denen im Jahr 2020 unter anderem zehntausende PCR-Tests analysiert wurden. Der Inhalt von Nikotin-Beutelchen wurde hier auch untersucht. Bildrechte: Alexander Kühne

Sie sind klein, rechteckig und gefüllt mit einer Mischung aus Nikotin, Aroma und Süßungsmitteln: sogenannte Nicotin Pouches, die man sich zwischen Lippe und Zähne schiebt. Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) hat die Nikotin-Beutelchen intensiv untersucht und im Labor festgestellt, dass alle Proben eine hohe, jedoch unterschiedliche Konzentration an Nikotin aufwiesen.

Nicotin Pouches: "Diese Produkte sind gesundheitsschädlich"

"Dort ist Nikotin in einer Konzentration enthalten, die den Nikotin-Gehalt von Zigaretten überschreitet", sagte Professor Dietrich Mäde MDR SACHSEN-ANHALT. Er arbeitet seit fast 30 Jahren für das Landesamt für Verbraucherschutz und ist Leiter des Fachbereichs Lebensmittelsicherheit. "Diese Produkte sind gesundheitsschädlich", stellte er mit Blick auf die Grenzwerte fest.

Nikotin-Beutel dürfen nicht mehr verkauft werden

Am Montag zog das Landesamt für Verbraucherschutz Bilanz für das Jahr 2020. Es hat unter anderem erreicht, dass die Nikotin-Beutelchen nicht mehr verkauft werden dürfen – die Hersteller werden ihre Beutel vom deutschen Markt zurückziehen. Die Nicotin Pouches gelten hier als Lebensmittel. "Wenn sie als Lebensmittel eingestuft sind, dann dürfen sie nicht mit einem Giftstoff, und Nikotin ist ein Giftstoff, in den Verkehr gebracht werden", so Mäde.

Gesundheitsämter lassen Proben untersuchen

Zwei behandschuhte Hände schneiden mit einem Skalpell ein Nikotin-Beutelchen auf.
Im Labor in Halle wurden die Nikotin-Beutelchen untersucht. Bildrechte: Alexander Kühne

Von den Gesundheitsämtern in Sachsen-Anhalt bekommt das LAV jedes Jahr mehr als 10.000 Lebensmittel-Proben geschickt und muss sie überprüfen. Bei weniger als einem Prozent bestehe die Gefahr, dass Menschen erkranken oder anderweitig Schäden davon tragen. Die "Beanstandungsquote" liegt laut Mäde generell bei rund zehn Prozent. Oft seien die Lebensmittel "nur" falsch beschriftet.

Buttermakrele statt Butterfisch im Fischbrötchen

Ein Mann und eine Frau arbeiten in einem Labor.
Die DNA der Fische wird im Labor bestimmt. Bildrechte: Alexander Kühne

Beim Thema Lebensmittelbetrug liegt laut LAV Fisch unter den Top 3. Das heißt: Auf der Packung oder der Speisekarte steht ein Fisch, der nicht drin ist. Beispiel Butterfisch: "Butterfisch kommt in der Nordsee vor, ist sehr klein und wird quasi nicht gehandelt", erklärt Lebensmittelexperte Mäde.

"Buttermakrelen sind dagegen sehr große Speisefische, die vor den Küsten Afrikas und Südamerikas gefangen werden. Sie enthalten Stoffe, die bei den Verbrauchern Verdauungsprobleme verursachen können." Das Problem: Oft werde Butterfisch angeboten, der in Wahrheit Buttermakrele ist. Per DNA-Analyse und mit dem Abgleich in Datenbanken wird in den Laboren der Behörde die exakte Fischart bestimmt.

Anstieg der Probenzahl um fast 600 Prozent

Neben Lebensmittelsicherheit, Tier-Krankheiten oder Themen wie die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie hat vor allem die Corona-Pandemie die Arbeit des LAV im Jahr 2020 geprägt. Wo sonst jährlich etwa 15.000 Proben auf übertragbare Krankheiten beim Menschen analysiert werden mussten, waren es im Jahr 2020 den Angaben zufolge insgesamt 87.500 – davon vor allem PCR-Tests.

Um den Anstieg um fast 600 Prozent zu bewältigen, wurde für die Labore des Amts in Halle, Magdeburg und Stendal ein Schichtsystem eingeführt, es wurden moderne Geräte angeschafft und neue Mitarbeiter eingestellt. In etwa 5.500 der eingesendeten Proben wiesen die Experten tatsächlich SARS-CoV-2 nach.

Corona Pandemie als "gewaltige Herausforderung"

Ein Backsteingebäude mit einem Schild, auf dem "Landesamt für Verbraucherschutz" steht.
Ende August zog das LAV einen schlaglichtartigen Jahresrückblick für das Jahr 2020. Bildrechte: Alexander Kühne

Die Meldung der Corona-Zahlen aus Sachsen-Anhalt an das Robert Koch-Institut (RKI) übernimmt auch das Landesamt für Verbraucherschutz. Die Gesundheitsämter senden ihre Daten, sie werden beim LAV geprüft und dann gebündelt an das RKI weitergeleitet. "Auch wenn wir fachlich auf die Bewältigung von epidemischen Lagen vorbereitet sind, hat uns die Pandemie im vergangenen Jahr vor gewaltige Herausforderungen gestellt", fasste der Präsident des LAV, Alexander Nissle, das Jahr 2020 zusammen.

Was macht das Landesamt für Verbraucherschutz? Das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) unterstützt nach eigenen Angaben mit wissenschaftlichen Analysemethoden die Arbeit der Gesundheits- und Veterinärämter in Sachsen-Anhalt, berät Landesregierung und Ministerien zu epidemiologischen Fragen und generell zu Gesundheitsfragen für Mensch und Tier. Außerdem überwacht es die Einhaltung des Arbeitsschutzes in Sachsen-Anhalt in mehr als 86.000 Betrieben. Für die Behörde arbeiten rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter Fachärzte, Veterinäre, Biologen, Chemiker und Ingenieure. Das LAV hat seinen Sitz im Osten von Halle in der Freiimfelder Straße.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. August 2021 | 19:00 Uhr

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