Erster Monat mit Präsenzveranstaltungen Universität Halle: Nur mit 3G-Nachweis in die Vorlesung

Luise Kotulla
Bildrechte: Alexander Kühne

Seit vier Wochen läuft das Wintersemester und zum ersten Mal seit vielen Monaten Corona-Maßnahmen dürfen die Studierenden der Uni Halle wieder vor Ort lernen. Sie müssen allerdings 3G erfüllen, also getestet, geimpft oder genesen sein. Es gibt Stichproben und wer schummelt, muss nach Hause. Das passiert immer wieder. Wie die Uni Halle Präsenzunterricht ermöglicht.

Junge Männer und Frauen schauen auf ihre Smartphones.
Diese Jura-Studierenden wollen zur Vorlesung. Bevor sie hinein dürfen, müssen sie sich mit ihren Smartphones digital einloggen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

  • Wer an der halleschen Universität zur Vorlesung oder zum Seminar will, muss sich per App einloggen.
  • Rektor Christian Tietje ist froh darüber, wie verantwortungsvoll die Studierenden sind.
  • Aber nicht jeder hält sich an die Regeln.

Es sind nur noch wenige Minuten bis zum Beginn der Strafrechts-Vorlesung. Vor dem Hörsaal am Audimax der Martin-Luther-Universität in Halle bildet sich ein Pulk. "Hast du den 3G-Nachweis?", fragt die studentische Mitarbeiterin Anna jeden, der zur Tür hinein will. Sie trägt eine grüne FFP2-Maske, die schulterlangen Haare offen, ihr Smartphone hält sie in der Hand. Die meisten zeigen ihr im Vorbeigehen schnell ihr Smartphone mit Impf-Nachweis. Eine Studentin bleibt jedoch stehen und sagt: "Ich habe vorhin einen Selbsttest gemacht, aber den Zettel auf dem Schreibtisch liegen lassen."

Selbst falls Anna ihr glaubt – die Studentin lässt sie nicht zur Vorlesung. "Sorry", sagt Anna, die im 5. Semester Jura studiert, "geht leider nicht, das sind die Vorgaben. Aber es wird auf jeden Fall aufgezeichnet."

Über Stichproben entscheiden die Dozenten

Anderthalb Jahre lang mussten die mehr als 20.000 Studierenden der halleschen Universität wegen der Corona-Pandemie von zu Hause aus lernen. Seit Anfang Oktober, mit Beginn des Wintersemesters, dürfen sie wieder Präsenzveranstaltungen besuchen. Die Uni-Leitung hat allerdings festgelegt, dass dafür jeder getestet, geimpft oder genesen sein muss – und das auch nachzuweisen hat. Stichproben gibt es – und die können die Kolleginnen und Kollegen handhaben, wie sie es für richtig halten. Manche kontrollieren nie, andere immer.

Meine Leute haben beschlossen: Wir kontrollieren, und zwar alles. Das finde ich toll, sie beschützen mich ja dadurch.

Joachim Renzikowski Jura-Professor
Ein Hörsaal voller Studierender mit Maske.
Alle tragen in der Strafrechts-Vorlesung Maske, auch wenn das laut Uni-Regeln nicht nötig wäre – schließlich wurde 3G vorher überprüft. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

So streng wie bei Jura wird nicht überall kontrolliert. Strafrechts-Professor Joachim Renzikowski sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das findet nicht in allen Veranstaltungen so statt, aber meine Leute haben beschlossen: Wir kontrollieren, und zwar alles. Das finde ich toll, sie beschützen mich ja dadurch", sagt er und lächelt unter der Maske. Der Jüngste sei er schließlich nicht mehr.

Er habe in diesem Semester auch große Vorlesungen mit 360 Leuten. "Da bilden sich teilweise lange Schlangen vorher, das ist natürlich ein Aufwand, vor allem früh. Heute hatte ich schon eine Vorlesung um 8 Uhr, die haben um 7:30 Uhr angefangen, zu kontrollieren", erzählt er. Und wenn er 8 Uhr sagt, meint er auch 8 Uhr – und nicht 8:15 Uhr, wie es mit dem akademischen Viertel eigentlich üblich ist. Die Zeiten für den Beginn der Lehrveranstaltungen haben sich wegen Corona verschoben, sodass jeweils eine Stunde Pause und genügend Zeit zum Lüften bleibt.

Einloggen per "Löwen App"

Student Carl, 9. Semester, war der erste im Raum und sitzt schon in seiner Bank. Er hatte den QR-Code an der Tür zum Hörsaal mit der Uni-eigenen "Löwen App" gescannt und sich damit eingeloggt. Mit Scannen der App erklärt man, dass 3G erfüllt ist. Das muss jeder machen, der an einer der 4.000 Lehrveranstaltungen der Uni pro Woche teilnehmen will. Auch dann, wenn nicht kontrolliert wird. Alternativ kann man sich auch händisch in eine Liste eintragen.

Ein Student sitzt mit Maske in einem Hörsaal.
Carl studiert im 9. Semester Jura und ist zweifach geimpft. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

"Es gibt Veranstaltungen, da wird 3G nicht nochmal überprüft, da wird gesagt: 'Wir vertrauen euch'. Dann gibt es Veranstaltungen so wie hier, da wird nochmal geguckt. Prinzipiell läuft das ganz gut, es ist jetzt kein großer Aufwand", sagt Carl. Die Maske sei aber zumindest für ihn Pflicht, auch wenn er doppelt geimpft ist. "Wir sitzen mit Maske, insbesondere bei größeren Veranstaltungen."

Anderthalb Jahre digitale Lehre

Der hallesche Uni-Platz im Morgenlicht.
Lange war der Uniplatz so leer wie auf dem Bild. Jetzt füllt er sich wieder. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ist laut Rektor Christian Tietje am 13. März 2020 in den Lockdown gegangen. Das Sommersemester 2020 wurde um wenige Wochen verschoben und fand gänzlich digital statt.

Für anderthalb Jahre war die MLU beinah eine rein digitale Universität. Nach einer kurzen Präsenz-Phase im November/Dezember 2020 von ungefähr vier Wochen ging es in den nächsten Lockdown und zurück zur digitalen Lehre. Anfang Oktober 2021 startete dann das Wintersemester 2021/2022 mit Präsenzunterricht.

Rektor Christian Tietje ist dankbar, dass die meisten Studierenden sich an die Regeln halten, auch wenn es hin und wieder technische Probleme beim Einloggen mit der App gäbe. "Es ist ein System, das stark auf Selbstverantwortung beruht und ich habe gerade bei den jungen Studierenden den Eindruck, dass sie sehr verantwortungsvoll damit umgehen", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

Mit einem Kontrollregime könne und wolle man nicht arbeiten. "Die Verpflichtung liegt bei den Studierenden, zu versichern, dass sie den 3G-Status erfüllen. Erfolgt das wahrheitswidrig, ist das eine Verletzung des Hausrechts mit den entsprechenden Sanktionsmöglichkeiten", so der Rektor.

"Impfausweis liegt zu Hause"

Eine Studentin scannt einen QR-Code mit ihrem Handy.
Einloggen per App ist Pflicht. Bei Jura wird dann auch direkt geprüft, ob eines der 3G's wirklich erfüllt ist. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Das merkt auch ein Student, der noch in den Vorlesungssaal möchte, als der Vortrag schon begonnen hat. Er hält Lederhandschuhe in den Händen, trägt eine weiße Hose, die Haare sind gegelt. Doch der studentische Mitarbeiter an der Tür lässt ihn nicht hinein. "Oh schade", sagt der Student. Er sei doppelt geimpft, sein gelber Impfausweis liege aber zu Hause. "Den wollte noch nie jemand sehen", sagt er.

Er wäre mit fünf Freunden gekommen, die jetzt alle drinnen seien, und auch nichts nachweisen könnten. Die Vorlesung wird er sich später von zu Hause aus ansehen müssen – sie wird zu seinem Glück aufgezeichnet, wie viele große Vorlesungen.

Bei jeder Jura-Veranstaltung würden im Schnitt zwei Leute weggeschickt, erzählt der studentische Mitarbeiter. Darunter sei auch schon jemand mit gefälschtem Test gewesen – und das bei angehenden Juristen.

Aufbruchstimmung

An der halleschen Universität herrscht laut Rektor Tietje aber eine regelrechte Aufbruchstimmung, seit wieder vor Ort diskutiert und gelehrt werden kann. Das sagen auch die Studierenden und das spüren die Dozenten.

"Wir sind alle froh, auch die Kollegen, dass wir wieder Präsenz-Vorlesungen haben. Reine Online-Lehre ist langweilig", fasst es Jura-Professor Joachim Renzikowski zusammen. Sie alle würden jedoch hoffen, dass kein Superspreader für einen Ausbruch sorgt. "Denn dann würden wir wahrscheinlich im großen Stil wieder dicht gemacht und keiner hat jetzt Lust auf Online."

Antworten auf die wichtigsten Fragen der Studierenden der Uni Halle zum Thema Corona gibt es hier.

Luise Kotulla
Bildrechte: Alexander Kühne

Über die Autorin Luise Kotulla arbeitet seit 2016 als freie Mitarbeiterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Schwerpunkte der gebürtigen Hallenserin sind Themen aus dem Süden Sachsen-Anhalts, rund um engagierte Menschen und Probleme vor Ort. Außerdem ist sie für MDR um 4 als Fernsehredakteurin unterwegs. Bevor sie zum MDR kam, hat sie beim Stadtfernsehen TV Halle gearbeitet. Sie studierte Geschichte, Medienwissenschaft und Online-Journalismus in Halle und Großbritannien. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt liegen in und um Halle, im Burgenlandkreis und im Harz.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 30. Oktober 2021 | 08:30 Uhr

20 Kommentare

Fakt vor 48 Wochen

@wo geht es hin:

Erstens unterstelle ich nichts, sondern vermute etwas, wie die Formulierung "Könnte durchaus sein" vermittelt, so man der deutschen Sprache mächtig ist.
Und wer sich hier selbst entlarvt, lasse ich mal lieber dahingestellt - der MDR ist es jedenfalls nicht.

Sachsin vor 48 Wochen

"Bei jeder Jura-Veranstaltung würden im Schnitt zwei Leute weggeschickt, erzählt der studentische Mitarbeiter. Darunter sei auch schon jemand mit gefälschtem Test gewesen – und das bei angehenden Juristen."

Üben die mit krimineller Energie oder sind es Alu-Hut-Verschwörungs-Verblendete?
Realisten sind mit Präsenz-Vorlesungen glücklich. 2-G sollte bundes- und EU-weit gelten, damit wieder länderübergreifend Austausch gelernt werden kann

Fakt vor 48 Wochen

@wo geht es hin:

Komisch nur, dass das Cottbusser Carl-Thiem-Klinikum auf seiner Internetseite gar keine Zahlen veröffentlicht, sondern dazu auf die Seite der Stadt Cottbus verweist, wo ich meine vorher genannten Zahlen her habe. Irgedwas kann an Ihrem Beitrag so nicht ganz stimmen!

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