Stadtteil Silberhöhe Bomben-Sondierer in Halle: Den Blindgängern auf der Spur

14 Weltkriegsbomben wurden bislang auf der Baustelle des neuen Fußballnachwuchszentrums im halleschen Stadtteil Silberhöhe gefunden. Sogenannte Kampfmittelerkunder suchen das Areal nach ihnen ab. Erst wenn sie etwas gefunden, freigelegt und identifiziert haben, kommt der Kampfmittelbeseitigungsdienst zum Einsatz. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Spezialisten bei ihrer Arbeit begleitet.

Ein Mann schiebt pflugähnliches Gerät (eine Mehrkanalsonde) über eine Baustelle.
Frank Engelmann sucht den Boden mit einem Fünf-Kanal-Gerät ab. Mit GPS und moderner Technik wird so das Gelände kartiert. Auffälligkeiten lassen sich so im Boden lokalisieren. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

"Weltkriegsbombe gefunden", "Fliegerbombe entschärft" oder gar "Blindgänger gesprengt" – das wurde in der letzten Zeit häufiger aus dem Stadtteil Silberhöhe in Halle gemeldet. Auf insgesamt 14 Weltkriegsbomben ist man dort auf der Großbaustelle für das neue HFC-Nachwuchsleistungszentrum gestoßen. Und es könnten noch mehr werden, denn noch ist die Suche nicht beendet.

Bis Mitte September sind die Kampfmittelerkunder Denny Bernhardt und Frank Engelmann noch mit ihren Eisen-Detektoren auf dem Areal unterwegs. Die beiden Sachsen haben ihre Ausbildung an der Dresdner Sprengschule absolviert und untersuchen derzeit die künftigen Fußballfelder drei und vier auf Blindgänger.

Digitale Karte mit Anomalien wird erstellt

Zwei Männer stehen neben einem Handpflugähnlichen Gerät – eine sogenannte Mehrkanalsonde
Frank Engelmann (l.) und Denny Bernhardt schauen sich vor dem Sondengang die Karte der Baustelle an. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Dafür suchen sie das Gelände mit einem besonderen Gerät ab. Was aussieht, als würden sie einen Pflug vor sich herschieben, ist eine sogenannte Fünf-Kanal-Sonde, erklärt Engelmann: "Eine Mehrkanalanlage mit fünf Sonden, damit können wir quasi eine Breite von zwei Metern aufnehmen und schaffen mehr Quadratmeter in kürzerer Zeit. In dem Fall ist es noch mit GPS ausgestattet, das heißt, wir können alles georeferenzieren." So entsteht eine digitale Karte, die Anomalien im Boden anzeigt.

Nach der groben Ortung geht es an die Feinarbeit, wie der Experte weiter sagt. An den ausgemachten Verdachtsstellen kommt dann vorsichtig eine Handsonde zum Einsatz, um herauszufinden, wie tief der Störkörper im Boden liegt. Schließlich wird mit dem Bagger das obere Erdreich abgetragen, bis – 10 bis 30 Zentimeter vor dem Körper – zum Spaten gegriffen wird.

Eine sogenannte Mehrkanalsonde – ein Handpflugähnliches Gerät – auf einer Baustelle.
Die Fünf-Kanal-Sonde wird eine digitale Karte erstellt, die Anomalien aufzeigt. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller

Jeder Störkörper muss identifiziert werden

Freigelegt werden müsse zunächst jeder entdeckte Störkörper, sagt Denny Bernhardt. Erst dann wisse man, ob es sich um Kampfmittel handele oder nicht. "Wir können aufgrund des Messsystems nicht vorher unterscheiden, ob es ein großer Stahlträger ist – oder eine alte, nicht verzeichnete Wasserleitung oder ein Kampfmittel. Das können wir nicht sehen." Rund 90 Prozent der entdeckten Anomalien seien Schrott.

Doch die Kampfmittelerkunder haben auf der Baustelle auf der Silberhöhe bereits 14 Bomben gefunden. Haben sie eine ausgemacht, kommt der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst zum Entschärfen ins Spiel. Zwei Mal mussten mehr als 2.700 Anwohner ihrer Wohnungen verlassen, weil die gefundenen Blindgänger gesprengt werden mussten.

Wir können aufgrund des Messsystems nicht vorher unterscheiden, ob es ein großer Stahlträger ist – oder eine alte, nicht verzeichnete Wasserleitung oder ein Kampfmittel.

Denny Bernhardt, Kampfmittelerkunder

Mehr als "nur" Bomben

Auch für Kampfmittel-Erprobte wie Denny Bernhardt ist die derzeitige Baustelle in Halle-Silberhöhe eine besondere. "Gerade durch die große Anzahl an Bomben, die hier gefunden wurden. Und es sind ja nicht nur die 14 Bomben, sondern wir haben auch noch Panzerfäuste und Reste von anderen Kampfmitteln gefunden." Die Bomben seien im Zweiten Weltkrieg vermutlich auf eine Flakstellung abgeworfen worden, die die Chemiebetriebe in Leuna schützen sollte.

Ein rostiges Metallstück auf dem Bodem
Bombensplitter gehören ebenfalls zu den Funden der sächsischen Spezialisten. Bildrechte: MDR/Cornelia Müller


Prinzipiell sind den Spezialisten zufolge zwei Drittel der Baustellenfläche sogenanntes Kampfmittelverdachtsgebiet. Mitte September wollen die Männer nach 15 Monaten mit ihrer Arbeit auf dem Areal fertig sein, – wenn kein neuer Blindgänger mehr gefunden wird. Doch darauf wetten wolle hier niemand mehr, gesteht Bernhardt: "Ich habe zehn Bomben geschätzt und wir sind jetzt schon bei Nummer 14. Da die Fläche noch nicht komplett absolviert ist, kann es auch noch mehr werden."

MDR/Cornelia Müller, Tanja Ries, Cornelia Winkler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. August 2021 | 08:10 Uhr

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