Podcast "Corona ist Neu(stadt)" Theorie versus Corona-Realität: Schüler konfrontieren Bildungsminister Tullner

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Corona-Pandemie hat auch den Schulalltag erheblich verändert. Schülerinnen und Schüler aus Halle erzählen im gemeinsamen Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT und dem Christian-Wolff-Gymnasium von ihren Erlebnissen. In Folge 4 ist Bildungsminister Marco Tullner zu Gast. Er spricht über Bildungsgerechtigkeit und Abiprüfungen.

Corona ist Neu(stadt) – eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen

Zwei Schüler des Christian-Wolff-Gymnasiums vor einer Tafel
Bildrechte: MDR/ Franz Wagner
Zeichnung des Christian-Wolff-Gymnasiums in Halle auf einer Schultafel.
"Corona ist Neu(stadt) - eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen" – zu finden bei MDR, apple, spotify, und fast überall wo es Podcasts gibt. Bildrechte: MDR/ Schörm
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Die Schulen in Sachsen-Anhalt sind, außer für Abschlussklassen, weitgehend geschlossen. Doch wie fühlt es sich an, alleine im Schulhaus zu sein. Darüber berichtet Schülerin Anne Dudacy im Podcast. Sie und ihre Mitschüler haben noch drei Monate bis zu den Abiturprüfungen Zeit. Wie diese konkret aussehen und durchgeführt werden sollen, ist aber wegen der Corona-Pandemie noch gar nicht klar. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner, der diesmal im Podcast zu Gast ist, erklärt, welche Möglichkeiten es dafür gibt.

Im Podcast stellen Anne Dudacy, Leon Niendorf, Hannes Wagner und Til Gerloff ganz viele Fragen an den Minister. Es geht um die Gefahren durch Präsenzunterricht, um Homeschooling und um die technische Ausstattung der Schulen. Und auch um die Frage, warum vieles in der Pandemie gefühlt viel zu lange dauert. Mehr als anderthalb Stunden steht Marco Tullner den Jugendlichen Rede und Antwort.

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Folge 4 in der Übersicht:

… die Nähe zur Basis – ab Minute 4:20

Marco Tullner hat in den Neunzigern in Halle Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Anschließend war er in verschiedenen politischen Positionen tätig, bevor er 2016 zum Bildungsminister von Sachsen-Anhalt ernannt wurde. Selbst an Schulen unterrichtet hat er nie. Was qualifiziert ihn also für sein Ministeramt. Und wie läuft der Austausch mit Schulen, Schülerinnen und Schülern oder den Lehrkräften? Darüber spricht Tullner im ersten Teil des Podcasts. Er erklärt dabei auch, dass bei den verschiedenen Akteuren im Schulumfeld ganz verschiedene Realitäten und Interessen gäbe, die er im Blick behalten muss.

… Präsenzunterricht – ab Minute 9:00

Viele Schüler, darunter Leon, können nicht verstehen, dass trotz hoher Corona-Infektionszahlen so lange am Präsenzunterricht festgehalten wurde. Auch die derzeitige Regelung, die Präsenzunterricht für Abschlussklassen vorsieht, missfällt dem Jugendlichen. 

Tullner erklärt die Hintergründe: "Es geht um Vergleichbarkeit und um Gerechtigkeit. Das mag im Einzelfall schwer nachvollziehbar sein. Nehmen wir das Beispiel Medizinstudienplätze. Dort trefft ihr auf Abiturienten des Jahres 2020. Die könnten sagen, dass sie viel mehr Aufwand betreiben mussten, um einen Studienplatz zu erkämpfen. Dann kommt der 21er Jahrgang, der das Abitur vielleicht mit Homeschooling und ganz vielen Erleichterungen hinterher geworfen bekommt. Übertrieben gesagt. Und dann beklagt sich vielleicht der 22er Jahrgang, dass er benachteiligt wird. Es steht die Gefahr im Raum, dass der Jahrgang 2021 einen Notabitur-Stempel aufgedrückt bekommt. 

Wir machen das also nicht, um Leute Gefahren auszusetzen. Sondern es geht darum, Vergleichbarkeit mit den Jahren davor und danach und auch innerhalb von Deutschland zu gewährleisten. Bildung ist ein sozialer Prozess. Solange ich nicht sicher sein kann, dass alle Schülerinnen und Schüler auch aus der Distanz gleichberechtigten und niedrigschwelligen Zugang zu Bildung haben, muss ich am Ende Prioritäten setzen."

Im weiteren Verlauf erklärt Tullner, was die Kriterien sind, um wieder flächendeckend Präsenz- oder zumindest Wechselunterricht zuzulassen.

… digitale Ausstattung der Schulen – ab Minute  18:00

Die technische Ausstattung von Schulen, Schülerinnen und Schülern ist seit Beginn der Pandemie ein großes Thema. Immer wieder sorgen fehlende oder nicht funktionierende Technik für Aufsehen. Im Podcast erklärt Tullner, woran das seiner Meinung nach liegt:

"Wir reden von Digitalisierung als Corona-Notmaßnahme, als Ersatz. Niemand hat Server geplant, die den Schulbetrieb ersetzen. Sie waren immer als Ergänzung zum analogen Schulbetrieb gedacht. Wenn wir in den normalen Unterricht zurückkehren, sollen die digitalen Möglichkeiten mehr mit einbezogen werden – auch in der Praxis und nicht nur in der Theorie." Tullner erläutert selbstkritisch, warum Deutschland zu Beginn der Pandemie überhaupt nicht auf Homeschooling vorbereitet war. Er erzählt außerdem, was das Land seitdem getan hat, um die Situation zu verbessern und warum manche Schritte, etwa die Serveraufrüstung für die Moodle-Plattform, trotzdem vergleichsweise lange dauern. 

Geht es nach ihm, kann die Pandemie dazu beitragen, dass das deutsche Schulsystem langfristig modernisiert wird. "Weil wir uns jetzt alle damit beschäftigen mussten, gerade auch die, die vielleicht Berührungsängste hatten. Am Ende kann man Digitalisierung nicht verordnen. Sie muss gelebt werden."

… Abitur – ab Minute 47:00

Geht es nach Marco Tullner, muss Ende Januar klar sein, wohin die Reise beim Abitur 2021 geht. Dazu will er in den kommenden Tagen noch Gespräche führen – mit Bildungspolitikern anderer Bundesländer, mit den Schulen, aber auch mit dem Landesschülerrat. 

"Ich garantiere euch, dass ihr die gleichen Chancen auf einen vergleichbaren Abschluss bekommt", verspricht er im Podcast. Ein Notabitur möchte der Minister unbedingt vermeiden. "Das wäre die allerletzte Möglichkeit", sagt er.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT und ist immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Zudem begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Januar 2021 | 07:50 Uhr

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