Doppelmord auf Teneriffa Mann aus Sachsen-Anhalt droht lebenslange Haft

Vor einem Schwurgericht auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa beginnt der Prozess gegen einen Mann aus Halle. Er soll im Frühjahr 2019 seine Frau und seinen Sohn ermordet haben. Sein zweiter Sohn floh und überlebte. Dem Mann droht eine lange Haftstrafe.

Polizeibusse der Guardia Civil mit Schutzgitter und Rammschutz.
Fast drei Jahre nach einem mutmaßlichen Doppelmord muss sich ein Mann auf Teneriffa verantworten. Bildrechte: IMAGO / photosteinmaurer.com

Auf der Ferieninsel Teneriffa hat am Montag der Prozess gegen einen Mann aus Sachsen-Anhalt begonnen, der Ostern 2019 seine Frau und seinen Sohn ermordet haben soll. Sein jüngstes Kind konnte damals fliehen und informierte die Polizei.

Das Verfahren werde nicht wegen Corona verschoben und wie geplant vor dem Landgericht in Santa Cruz de Tenerife aufgenommen werden, teilte ein Sprecher der spanischen Justiz auf Anfrage mit. Am Montag sollte zunächst die neunköpfige Geschworenenjury ausgewählt werden, hieß es. Der Angeklagte habe bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.

Mann lockte seine Familie in Berghöhle

Dem aus Wittenberg stammenden Mann, der bis 2017 in Halle wohnte, wird vorgeworfen, seine Familie in eine Berghöhle auf der Kanaren-Insel gelockt zu haben. In dieser hatte er angeblich Geschenke versteckt. Dort soll er seine Frau und einen seiner beiden Söhne getötet haben. Die beiden Opfer waren 39 und zehn Jahre alt.

Der jüngere Sohn, damals sieben Jahre alt, konnte weglaufen und entkam so laut der Ermittlungsrichterin dem Tod. Er wurde von Passanten gefunden, nachdem er zuvor stundenlang umhergeirrt war, und informierte anschließend die Polizei. Die fand kurz darauf die beiden Leichen. Vor der Tat hatte die Frau mit den beiden Kindern in Halle gelebt.

Staatsanwaltschaft strebt maximale Haftstrafe an

Dem Deutschen wird zweifacher Mord sowie Mordversuch in einem Fall zur Last gelegt. Die spanische Staatsanwaltschaft fordert für ihn unter anderem eine lebenslange Freiheitsstrafe, die bis zu 51 Jahre betragen kann. Nach 25 Jahren könnte die Strafe, sollte sie tatsächlich in dieser Höhe zustande kommen, überprüft werden. Der Prozess soll nach insgesamt acht Verhandlungstagen am 3. Februar zu Ende gehen.

Die Geschworenen müssen über verschiedene Aspekte abstimmen – unter anderem den des Vorsatzes. Über das Strafmaß entscheidet bei einer Verurteilung der Richter. Neben einem spanischen Rechtsanwalt bekommt der Angeklagte auch aus Wittenberg juristische Unterstützung.

dpa, MDR (Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Januar 2022 | 08:30 Uhr

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