Eineinhalb Jahre Elektroroller in Halle E-Scooter-Bilanz für Halle: Neuer Anbieter und wenige Unfälle

Seit anderthalb Jahren gibt es in Halle einen E-Scooter-Anbieter, im Juni ist ein weiterer dazu gekommen. Laut Zahlen ist das Fahren mit den Scootern weniger gefährlich als gedacht, im gesamten Jahr 2020 gab es in Sachsen-Anhalt nur 21 polizeilich vermerkte E-Scooter-Unfälle mit fünf Schwerverletzten. Weitaus mehr Menschen werden aber in den Krankenhäusern behandelt.

Ein grüner E-Scooter steht an einem Kreisverkehr, im Hintergrund führt eine Straßenbahn.
Seit Juni stehen und fahren E-Scooter vom Anbieter Bolt in Halle, wie hier am Rannischen Platz. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Vor anderthalb Jahren ist der erste E-Scooter-Anbieter in Halle mit 200 Rollern gestartet, mittlerweile sind 450 im Einsatz. Außerdem gibt es seit Kurzem auch einen zweiten Anbieter in der Saalestadt. Immer mehr Hallenserinnen und Hallenser sind mit E-Scootern unterwegs – das merken allerdings auch die Krankenhäuser.

Unfallchirurg Christian Dumbies ist Leiter des Notfallzentrums im halleschen Klinikum Bergmannstrost und kennt die Folgen von Unfällen mit einem E-Scooter. Die größte Verletzungsgefahr bestehe für den Kopf, sagte er MDR SACHSEN-ANHALT. "Der typische E-Scooter-Verletzte hat einen dicken Verband am Kopf, meistens eine große Kopf-Platzwunde oder vielleicht eine Gesichtswunde. Und er kann einen oder beide Arme nicht mehr gut bewegen, weil Verletzungen am Kopf, an den oberen Extremitäten und am Schultergürtel am häufigsten sind."

Der typische E-Scooter-Verletzte hat einen dicken Verband am Kopf, meistens eine große Kopf-Platzwunde.

Christian Dumbies Unfallchirurg

Fünf Schwerverletzte im Jahr 2020

In Sachsen-Anhalt hat es im vergangenen Jahr 21 polizeilich vermerkte Unfälle mit E-Scootern gegeben, wie aus der offiziellen Statistik des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Das ist gemessen an der Gesamtzahl der Unfälle sehr wenig. Allein im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Halle ereigneten sich in der gleichen Zeit insgesamt 21.182 Verkehrsunfälle. Allerdings sind in der Statistik nur Unfälle mit E-Scootern erfasst, zu denen auch die Polizei gerufen wurde. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Laut Statistik gab es 2020 in ganz Sachsen-Anhalt fünf Schwerverletzte bei Unfällen mit E-Scootern.

Innenstadt von Halle mit der Unteren Leipziger Straße und Blick auf den Markt und die fünf Türme von Marktkirche, Unser Lieben Frauen und Roter Turm
Halles Boulevard ist für E-Scooter tabu. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Wo darf man fahren? E-Scooter dürfen auf dem Fahrradweg oder auf der Straße fahren – nicht aber auf dem Fußgängerweg. In Halle dürfen die Roller außerdem nicht in Fußgängerzonen fahren, also auf dem Marktplatz und auf dem Boulevard, der Leipziger Straße. Um das Verbot zu unterstreichen, sind die Scooter in diesen Zonen auf fünf Kilometer pro Stunde gedrosselt. Normalerweise können sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Stunde fahren.

Bordsteinkanten und Gullideckel sind Stolperfallen

Ein Helm kann schlimme Verletzungen vermeiden, doch eine Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer gibt es bislang nicht. Jörg Kubitzki, Unfallforscher am Allianz-Zentrum für Technik in Bayern, rät jedem E-Scooter-Fahrer, zunächst eine paar Runden zu üben, um sich an den Roller zu gewöhnen. "Es ist eine Gewöhnungssache. Man muss es ernst nehmen", sagte Kubitzki MDR SACHSEN-ANHALT.

Bordsteinkanten und Gullideckel zum Beispiel sind Stolperfallen. Außerdem sind auch immer wieder zwei Personen auf einem Scooter zu sehen oder Fahrer, die einen Bierkasten mit dem Roller transportieren. Zwei Nutzer in Halle erzählten MDR SACHSEN-ANHALT, dass sie immer allein fahren und sich sicher fühlen. "Den Roller benutze ich, seit ich ihn das erste Mal ausprobiert habe, jeden Tag. Es hilft, man kann sie fast überall finden und es ist super", sagte eine junge Frau. Ein Mann, der als Immobilienmakler arbeitet, erklärte: "Als Makler ist es sehr vorteilhaft, weil du in der Innenstadt von Halle sehr schnell zu den Wohnungen kommst und keinen Sprit verbrauchen musst, du kannst Zeit sparen."

Ein junger Mann fährt mit einem türkisen E-Scooter, neben ihm fährt eine junge Frau
Tier-Scooter sind seit Ende 2019 in Halle unterwegs (Symbolbild). Bildrechte: TIER Mobility

Tier und Bolt sind die Anbieter in Halle Seit Dezember 2019 bietet Tier in Halle E-Scooter an, was von Anfang an sehr gut angenommen wurde, besonders im Sommer, so Tier gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Gestartet war der Anbieter mit 200 E-Scootern, jetzt sind es 450. Ein Euro kostet die Freischaltgebühr, jede Fahr-Minute dann 19 Cent. Tier würde laufend Anfragen von Firmen und Privatleuten erhalten, die nach einer Erweiterung des Geschäftsgebietes fragen. Für die Lebensdauer eines E-Scooters gibt das Unternehmen drei Jahre an.

Der Anbieter Bolt ist seit Juni in Halle im Geschäft und bietet die E-Scooter momentan ohne Entsperrgebühr zu einem Preis von fünf Cent pro Minute an. Zur Anzahl der Scooter will der Anbieter keine Auskunft geben. MDR SACHSEN-ANHALT teilte das Unternehmen nur mit, dass die Größe der E-Scooter Flotte in jeder Stadt im Verhältnis zur Nachfrage stehe. In 16 anderen deutschen Städten fahren auch Bolt-Scooter.

MDR/Stephan Weidling, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Juni 2021 | 06:10 Uhr

4 Kommentare

Kurt Knispel vor 6 Wochen

Eine der sinnlosesten Erfindungen, die die Menschheit je herausgebracht hat.

jackblack vor 6 Wochen

Die Roller können in Halle bleiben, da gab es doch mal einen Spruch : In Halle werden.........

Anni22 vor 6 Wochen

Auf keinen Fall zu Fuß gehen, es könnte gesund sein....

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