Wegen Baustellen-Chaos Straßenbahnbrücke in Halle könnte für Autos freigegeben werden

Wegen Bauarbeiten kommt es jeden Tag zu langen Staus in Halle. Entlastung könnte die Freigabe der Elisabethbrücke bringen, die normalerweise für Autos gesperrt ist. Am Mittwochabend kommt das Thema im Stadtrat auf den Tisch. Mit der vorübergehenden Freigabe will die Fraktion Hauptsache Halle vor allem die Hochstraße von Halle-Neustadt in Richtung Innenstadt entlasten.

Luftaufnahme von einem Stau in der Hochstraße in Halle
Seit anderthalb Monaten staut es sich täglich auf der Hochstraße in Halle Richtung Hauptbahnhof (Foto vom 19.7.2021). Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Stau ist auf der Hochstraße, die Halle mit Halle-Neustadt verbindet, an der Tagesordnung. Stadteinwärts stehen die Autos Schlange – und das nicht nur im Berufsverkehr – seit eine wichtige Abfahrt durch Bauarbeiten am Glauchaer Platz gesperrt ist. Die Fraktion Hauptsache Halle & Freie Wähler fordert nun, eine Straßenbahnbrücke für den PKW-Verkehr stadteinwärts zu öffnen, um die Hochstraße zu entlasten. Am Mittwochabend wird der Stadtrat darüber in seiner Sondersitzung entscheiden.

Das spricht dafür

"Die momentane Baustellensituation in der Stadt Halle führt zu einem nicht mehr tragbaren Verkehrschaos", argumentiert die Fraktion Hauptsache Halle & Freie Wähler. Eine vorübergehende Öffnung der Elisabeth-Brücke sei bereits früher praktiziert worden. "So kann die Stadtverwaltung hierbei auf ein bewährtes Prinzip zurückgreifen", sagte Fraktionsmitglied Andreas Schachtschneider. Die Öffnung der Straßenbahnbrücke würde eine wichtige Entlastung des Verkehrs bringen, zumutbare Bedingungen für den Krankentransport wiederherstellen und die Umwelt schonen.

Für weitere Baustellen fordert er eine bessere Koordination – "damit sich eine unhaltbare Verkehrssituation, wie sie in diesen Sommerferien in unserer Stadt zu beobachten war, nicht wiederholt", so Schachtschneider weiter.

Das spricht dagegen

Hendrik Lange, der es zur letzten Oberbürgermeisterwahl bis in die Stichwahl geschafft hatte, findet den Vorschlag "kurzsichtig und gefährlich". Für seine Fraktion Die Linke sagte er: "Wir werden ihn ablehnen. Es ist bezeichnend, dass die Probleme des Autoverkehrs wieder einmal nur dadurch gelöst werden sollen, dass Straßenbahnen und vor allem Radfahrern Flächen entzogen werden. Wenn es Stau gibt, dann sollen Autos halt noch mehr Platz bekommen."

Die Freigabe würde lediglich dazu führen, dass es sich an der Straßenbahn-Strecke stauen würde und Bahnen bzw. Räder keine freie und sichere Fahrt hätten. Auch für Rettungsfahrzeuge wäre die Alternativroute so blockiert. Statt der Brücken-Freigabe sollten Langes Meinung nach "Park&Ride"-Angebote stärker beworben werden.

Die Stadtverwaltung lehnte die Öffnung der Brücke bisher ab, weil sich lediglich an anderer Stelle weitere Staus bilden würden.

Straßenbahn auf Brücke in Halle
Bildrechte: MDR/Steffen Lipsch

Die Elisabeth-Brücke Die Brücke über die Elisabeth-Saale wurde nach Angaben der Stadt Halle im Jahr 1977 in Betrieb genommen und ist 140 Meter lang. Sie ist vor allem für den Straßenbahnverkehr von und nach Halle-Neustadt wichtig. Auch Fußgänger und Fahrradfahrer, die von der Altstadt in die Neustadt wollen, nutzen die Brücke intensiv. Die Stahlbrücke ist "mit dem Ziel der maximalen Materialeinsparung", so die Stadt, aus relativ dünnen Stahlblechen zusammengefügt worden. Schon im Jahr 2001 hatte sie wegen Reparatur-Arbeiten gesperrt werden müssen. Autos dürfen nur als Anlieger oder, wie die Stadt MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte, im Rettungsverkehr über die Elisabeth-Brücke fahren.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. September 2021 | 07:30 Uhr

1 Kommentar

Ich nicht vor 13 Wochen

Da hat Die linke absolut Recht, Stau entsteht durch zuviel Fahrzeuge. Besserer ÖPNV, bessere Radwege usw sind hier die Lösung und nicht mehr Platz für Autos.

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