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Erzieherinnen und Erzieher in Halle fordern einen besseren Betreuungsschlüssel. Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

WarnstreikKita-Personal streikt in Halle – nicht nur für mehr Geld

von Hannes Leonard, MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter

Stand: 08. März 2022, 17:43 Uhr

In Halle haben sich mehrere Hundert Menschen an der Kundgebung zum Kita-Warnstreik in Sachsen-Anhalt beteiligt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi versammelten sich mehr als 300 Menschen am Dienstagmittag in der Innenstadt.

Etwas verloren steht eine ältere Frau vor der Scheibe des nt-Cafés in der halleschen Innenstadt. Dort, wo normalerweise um diese Zeit Frühstücksteller serviert werden, wehen jetzt Fahnen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Innenraum ist sehr gut gefüllt, knapp 50 Erzieherinnen und Erzieher sitzen an den Tischen, alle tragen Warnwesten mit GEW-Aufdruck, im Eingangsbereich steht ein Tisch mit Aufklebern, Trillerpfeifen und weiteren Westen. Unschlüssig, was sie davon halten soll, ruft die Frau ihre Freundin an, mit der sie hier offenbar verabredet war und klärt sie über das Streiklokal auf.

Inzwischen kommt eine Kellnerin heraus, erklärt dass das Lokal heute geschlossen habe, aber ab morgen wieder alles ganz normal laufe.

Malte Gerken von der GEW: Wir wollen die Sorgen und Nöte der Kollegen hören. Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Sinn und Zweck der Veranstaltung hier ist, dass wir mit unseren Kollegen und Kolleginnen ins Gespräch kommen. Und vor allem auch deren Wünsche, Anregungen oder Ängste und auch deren Vorstellungen für eine lohnenswerte Kitaarbeit mitnehmen.

Malte Gerken | GEW Halle

Mit der Aktion wollen die Gewerkschaften in der laufenden Tarifrunde für die sozialen Dienste den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erhöhen. Die Tarifverhandlungen waren eigentlich für das Frühjahr 2020 geplant, nach dem Beginn der Corona-Pandemie jedoch auf Eis gelegt worden. Verdi fordert keine prozentuale Lohnerhöhung, sondern höhere Eingruppierungen der sozialen Berufe in den Besoldungsstufen. Die kommunalen Arbeitgeber hingegen argumentieren, dass Erzieherinnen und Erzieher bereits jetzt besser verdienten als vergleichbare Berufe.

Am Nachmittag gibt es in Halles Innenstadt noch eine Abschlusskundgebung, gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi. Bei strahlendem Sonnenschein sind schätzungsweise knapp 300 Menschen gekommen. Die Stimmung ist gut, viele haben selbst gebastelte Transparente mitgebracht. "Endlich eine Ausbildung mit Niveau" ist zu lesen, und "Wir brauchen gesellschaftliche Anerkennung" oder "Mehr Förderung - Mehr Personal". Für Erzieherin Andrea Maschke ist wichtig, den Betreuungsschlüssel anzupassen.

Erzieherin Andrea Maschke aus Halle: Brauchen einen besseren Betreuungsschlüssel. Bildrechte: MDR/Hannes Leonrad

Wir haben in Sachsen-Anhalt den schlechtesten Betreuungsschlüssel. Außerdem haben Nachwuchssorgen, viel Personal fällt aus weil die Anfoderungen immer größer werden.

Andrea Maschke | Erzieherin

Im Land gelte ein Betreuungsschlüssel von 1 zu 12, also eine Erzieherin betreut zwölf Kinder. Die Empfehlung sei aber ein Schlüssel von 1 zu 8, erklärt Maschke. Das beeinflusse nicht nur die direkte Betreuung, sondern auch den Aufwand danach. Während andere Kindergärtnerinnen nur acht Kinder Berichte schreiben müsse, müsse Maschke das für deutlich mehr Kinder tun. Die Zeit fehle an anderer Stelle.

Inzwischen füllt sich der Platz vor dem Leipziger Turm in Halle immer weiter. Großen Applaus gibt es, als die Demoleitung per Megafon verkündet, dass es Eis für alle gibt.

Später vereinigt sich die Demo der Erzieherinnen mit Demonstrationszug eines Bündnisses zum Frauentag. Gemeinsam zieht man nun noch durch die Stadt zum Steintor. Dort ist die große Abschlusskundgebung. Die Bilanz des Tages: Von den 51 Kindertagesstätten, die die Stadt betreibt, sind 14 Einrichtungen geschlossen geblieben, hat ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mitgeteilt.

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MDR (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 08. März 2022 | 14:30 Uhr

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