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Vorzeigeprojekt der EUEuropa fördert hochinnovative Medienkunst von Halle aus

05. Juni 2024, 16:47 Uhr

Mit der Europawahl steht auch die europäische Kulturpolitik auf dem Prüfstand. Wie erfrischend unbürokratisch die EU Kunstprojekte unterstützen kann, zeigt ein Beispiel aus Halle. Hier konnte die Werkleitz Gesellschaft eine internationale Medienkunst-Plattform aufbauen. Zu finden sind dort u.a. Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die mit KI, Robotik und DNA experimentieren. Die EU fördert das Vorzeigeprojekt mit mehreren Millionen Euro.

Vor dem Hintergrund der Europawahl stellt sich mal wieder die Frage nach dem Sinn dieser Union. Was kann diese beispielsweise kulturpolitisch leisten? Da geht so einiges, wie ein Beispiel aus Halle zeigt. Hier ist der Sitz der Werkleitz Gesellschaft. Diese betreut ein europäisches Stipendiatenprogramm für Medienkunst und vergibt dafür mehrere Millionen Euro.

Vom Dorf Werkleitz in die Welt

Angefangen hat alles bereits mit der Gründung der Werkleitz Gesellschaft in den 90er-Jahren im kleinen sachsen-anhaltischen Dorf Werkleitz. Einer der Mitbegründer war Peter Zorn, der bereits vor mehr als 30 Jahren von einem "Global Village" träumte – davon, dass Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt mit Hilfe des Vereins Kunst realisieren können würden.

Die Werkleitz Gesellschaft hat ihren Sitz in Halle (Saale). Bildrechte: Anne Sailer

Zorns Idee war es außerdem, Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt zu vernetzen. Dafür knüpfte er unermüdlich Kontakte. Mittlerweile verwaltet er die größte europäische Plattform für Medienkunst. Auf dieser tummeln sich Medienkünstler aus der ganzen Welt. Ihre Kunst entsteht oft in Halle im Rahmen so genannter Künstlerresidenzen. Später wird diese hier, aber auch in anderen europäischen Städten, gezeigt oder tourt durch die ganze Welt. Mehr als 50 Preise hat die Werkleitz Gesellschaft mit den so entstandenen Werken schon eingeheimst.

Peter Zorn ist einer der Mitbegründer der Werkleitz Gesellschaft. Bildrechte: Werkleitz Gesellschaft

Wir sind die wichtigste Einrichtung für digitale Kultur, digitale Kunst und Medienkunst.

Peter Zorn, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Werkleitz Gesellschaft

"Wir sind die wichtigste Einrichtung für digitale Kultur, digitale Kunst und Medienkunst", sagte Zorn MDR KULTUR. Dafür hat er einiges getan: Bereits seit 1995 ist Zorn der Initiator und Manager des European Media Artists in Residence Exchange (EMARE)-Programmes und der "European Media Art Platform" (EMAP). Es wurde also zunächst ein Netzwerk zur Förderung von Medienkunst geknüpft, mit der europäischen Plattform gibt es darüber hinaus einen virtuellen Raum für die Medienkunstschaffenden.

Von KI und Robotik bis zu DNA-Experimenten

In den 90er-Jahren experimentierten Medienkünstler noch mit klassischen Filmen. Sie erforschten das Internet künstlerisch, zum Beispiel indem sie Hackerangriffe simulierten, denn auch das kann Kunst sein. Mittlerweile ist so viel mehr möglich: Mit der künstlichen Intelligenz (KI), der Robotik und der Bio-Art experiementieren Künstlerinnen und Künstler bereits in einem Graubereich zur wissenschaftlichen Forschung.

Medienkünstler werden immer mehr zu Forschern. Bildrechte: MeandOtherMe, Be my Guest! / Remko Dekker

Kunst, Technologie, Medien und Wissenschaft verschmelzen.

Peter Zorn, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Werkleitz Gesellschaft

In so genannten Bio-Labs wird mit DNA gespielt, die Erhebung unzähliger Daten führt zu etwas, was Zorn "künstlerische Forschung" nennt. "Kunst, Technologie, Medien und Wissenschaft verschmelzen", sagt Zorn, der die Nähe zur wissenschaftlichen Forschung ganz bewusst gesucht hat, denn in der Kunst könne man noch unabhängig vom Ergebnis mit Daten hantieren.

"Hochinnovative Plattform" mit Partnern in 38 Ländern

Insgesamt 16 europäische Organisationen in 15 Ländern arbeiten für die Plattform zusammen, stellen Ausstellungsräume zur Verfügung, veranstalten Festivals. Mit der Medienkunst aus dem Hause Werkleitz befassen sich darüber hinaus knapp 140 Partner in 38 Ländern weltweit.

"Die 'European Media Art Plattform' hat sich zu einer riesigen künstlerischen wie auch wissenschaftlichen Plattform entwickelt", bestätigt Barbara Gessler als Vertreterin der EU-Kommission in Deutschland. Gessler nennt diese hochinnovativ.

Eins der Projekte befasst sich mit der Auswirkung von schadstoffbelastetem Wasser auf die Biodiversität im Meer. Bildrechte: Marco Barotti, CLAMS

Die 'European Media Art Plattform' hat sich zu einer riesigen künstlerischen wie auch wissenschaftlichen Plattform entwickelt.

Barbara Gessler, Vertreterin der EU-Kommission in Deutschland

"Revolutionär" unbürokratisches EU-Programm

Finanziell abgesichert sei das Projekt außerdem, so Gessler: Noch bis 2025 fließen 2,1 Millionen Euro nach Halle, um von da aus an die Künstlerinnen und Künstler verteilt zu werden. Danach beginne ein neuer Förderzeitraum.

Das Programm ist zudem so unbürokratisch wie nur möglich: Das Geld landet auf einem Konto, Werkleitz gibt es an die Bewerberinnen und Bewerber aus der ganzen Welt weiter. Peter Zorn nennt dieses Modell "revolutionär". Er sei total begeistert von dem System, da es Ärger und Arbeit spare. Zudem lasse es mehr Zeit und Raum für die Kunst.

Quellen: Peter Zorn (Werkleitz Gesellschaft), Barbara Gessler (EU-Kommission); redaktionelle Bearbeitung: sg

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juni 2024 | 07:10 Uhr