Hilfe für Ukraine-Geflüchtete Drei Freundinnen aus Halle möblieren gemeinsam Wohnungen

Dirk Jacobs | Moderator und Redakteur
Bildrechte: MDR INFO/Jan Bräuer

Fürchterliche Bilder haben uns in den letzten Tagen aus dem Kiewer Vorort Butscha erreicht. Auf der ganzen Welt lösen diese Bilder entsetzen aus. Millionen Ukrainer sind vor dem Krieg geflohen. Tausende haben in Sachsen-Anhalt Zuflucht gesucht. In Halle gibt es die Aktion "Wohnungspaten": Hallenserinnen und Hallenser richten für Kriegsflüchtlinge Wohnungen komplett ein.

Sofa
Die 1-Raumwohnung in Halle-Trotha haben die drei Hallenserinnen innerhalb von zwei Wochen gemütlich eingerichtet. Bildrechte: (Dirk Jacobs)

Juliane, Anne und Peggy sind drei Hallenserinnen, die mitten im Leben stehen. Sie haben selbst eine Familie mit Kindern und als sie die ersten Bilder von den ukrainischen Flüchtlingen sahen, war ihnen klar, da müssen wir helfen. Peggy Arndt machte als Lehrerin in einer Sprachschule direkt Bekanntschaft mit dem Leid der Kriegsflüchtlinge. Sie sah in die traurigen Augen der Frauen, die sich und ihre Kinder zum Deutschkurs anmeldeten.

Da habe ich mir gedacht, wir müssen was machen. Und dann kam tatsächlich auch der Anruf von Juli, die mich genau das gefragt hat.

Peggy Arndt

Juli ist der Spitzname von Freundin Juliane. Die beiden Frauen waren sich einig, noch Anne mit ins Boot zu holen – eine weitere Freundin. Anne Kube ist zufällig die Tochter von dem Mann, der die Stadt Halle erst auf die Idee mit den Wohnungspaten gebracht hat.

Partner der Stadt Halle hat Vermittlungsportal freigeschaltet

Die Stadt Halle vermittelt Wohnungen nicht alleine. Es gibt noch das Portal SPI von der Arbeiterwohlfahrt, über das Unterkünfte angeboten und gesucht werden können. Anne erzählt, "wir haben ein Netzwerk, wir haben Freunde. Wir können einfach herumfragen, wer was dazu beisteuern kann, zu den Wohnungseinrichtungen oder wer auch Geld dazu geben kann. Und so haben wir dann innerhalb von zehn oder 14 Tagen die Wohnung eingerichtet und alles beschafft."

Die kleine Einraumwohnung im Halle-Trotha sieht recht behaglich aus. Auf der linken Seite gleich hinter der Miniküche steht eine blaues Schlafsofa, auf der rechten Seite ein Bett und dahinter ein Tisch mit Stühlen. Sogar an ein paar Pflanzen und einen Ostergruß für die künftigen Bewohner aus der Ukraine haben Anne, Peggy und Juliane gedacht.

Osterdekoration auf einem Esstisch
Sogar an einen Ostergruß für die künftigen Bewohner aus der Ukraine haben Anne, Peggy und Juliane gedacht Bildrechte: Dirk Jacobs

Einrichtungsliste für Wohnungen

Es gab eine richtige Liste, die abgearbeitet werden musste, erzählt Juliane die Dritte im Bunde: "Da gab es so ein dreiseitiges Pamphlet mit einer Abhak-Liste, vom Quirl über den Büchsenöffner bis zum Duschvorhang, was so alles drin zu sein hat".

Hygieneartikel in einem Bad
Selbst Hygieneartikel müssen von den Wohnungspaten bereitgestellt werden. Bildrechte: Dirk Jacobs

Rund 600 Euro haben die drei Hallenserinnen aufgebracht, um die Wohnung einzurichten. Diese werden übrigens über die kommunalen Wohnungsgesellschaften zur Verfügung gestellt. Die Miete übernimmt vorerst die Stadt. Immerhin knapp 30 Wohnungen haben Hallenserinnen und Hallenser inzwischen auf eigene Kosten eingerichtet. Die will die Stadt Halle noch in dieser Woche an ukrainische Flüchtlinge übergeben.

Wohnungspaten sind nicht bei der Übergabe dabei

Die Wohnungspaten selbst sind bei Übergabe nicht dabei. Aber Peggy, Anne und Juliane hoffen trotzdem, mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.

Sie haben neben ihrem Ostergruß in Ukrainisch auch ihre Handy-Nummern hinterlassen.

MDR (Dirk Jacobs)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - DAS RADIO WIE WIR | 06. April 2022 | 16:40 Uhr

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