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Das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur in Halle ist Opfer eines Hackerangriffs geworden (Symbolbild). Bildrechte: imago images / STPP

DatendiebstahlFraunhofer-Institut in Halle Ziel von Hackerangriff

Das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle ist gehackt worden. Dabei wurden offenbar Daten gestohlen.

Das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle (IMWS) ist kürzlich Opfer eines Hackerangriffs geworden. Das bestätigte das Landeskriminalamt (LKA) in Magdeburg auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Der Sprecher der Fraunhofer-Gesellschaft in München, Roman Möhlmann, teilt auf Nachfrage mit: "Alle Systeme vor Ort wurden umgehend vorsorglich vom Netz genommen und heruntergefahren." Fraunhofer habe auf den Vorfall umfassend reagiert und Vorkehrungen zur maximalen Schadensbegrenzung getroffen, die Lage sei unter Kontrolle. Zuerst hatte das Schweizer Nachrichtenportal "Watson" über den Angriff berichtet.

Kaufangebot wirkt plausibel

Bildrechte: MDR

Inzwischen werden angebliche Fraunhofer-Daten auf einer Handelsplattform im Darknet angeboten, wie eine MDR-Recherche bestätigte. Das Angebot auf dem Darknet-Marktplatz scheint plausibel. Allerdings zeigen die Kriminellen anders als in anderen Fällen nicht, welche Daten sie tatsächlich haben. Normalerweise würden potenzielle Käufer zumindest Datei-Verzeichnisse sehen können, aus denen sich auf die Art und Qualität der Daten schließen lasse. Dies ist in diesem Fall nicht so.

Fraunhofer will Daten nicht zurückkaufen

Vorab haben offenbar die Hacker versucht, Geld von der Fraunhofer-Gesellschaft zu erzwingen. "Mit der Cyberattacke einher ging eine erpresserseitige Lösegeldforderung", teilt LKA-Sprecher Michael Klocke mit. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist darauf allerdings nicht eingegangen.

Der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft hat in enger Abstimmung mit dem Fraunhofer-Senat entschieden, organisierte Kriminalität nicht durch Geldzahlungen zu unterstützen.

Roman Möhlmann | Fraunhofer-Gesellschaft

Der Kaufpreis für die Daten soll rund zwei Millionen Euro betragen.

Cyberagentur rechnet mit vermehrten Hacker-Angriffen

Die neugegründete Cyberagentur des Bundes mit Sitz in Halle rechnet nach dem Angriff damit, dass solche Attacken in Zukunft häufiger passieren. Agentur-Geschäftsführer und früherer Analyst beim LKA Thüringen, Christian Hummert, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gebe einen sehr großen Angriffsdruck durch Kriminelle aber auch durch staatliche Institutionen.

Fraunhofer arbeitet eng mit Wirtschaft zusammen

Die Fraunhofer-Institute bieten nach eigenen Angaben Forschungs-Dienstleistungen an. Sie arbeiten für Auftraggeber aus Wirtschaft und öffentlicher Hand. Das IMWS in Halle ist methodisch auf die Fachdisziplinen Material-Wissenschaft und Werkstoff-Technik ausgerichtet. Es gilt als Ansprechpartner für die Industrie und öffentliche Auftraggeber für alle Fragestellungen, die die Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen betreffen.

Die Arbeiten des Fraunhofer IMWS zielen darauf ab, Fehler und Schwachstellen in Werkstoffen, Bauteilen und Systemen auf der Mikro- und Nano-Skala zu identifizieren, deren Ursachen aufzuklären und darauf aufbauend Lösungen für die Kunden anzubieten.

Mehr zum Thema: Cyberangriffe

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2022 | 13:00 Uhr

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