Testpflicht wird zum Zankapfel Halles Gastronomen wehren sich gegen Corona-Auflagen

Die Gastronomen im Land könnten sich eigentlich freuen. In vielen Kreisen und kreisfreien Städten dürfen Innen- und Außengastronomie unter bestimmten Auflagen wieder öffnen. Doch zumindest in Halle regt sich Widerstand. Eine Gruppe von um die 50 Gastronomen hat deswegen jetzt einen Brief an Wirtschaftsminister Willingmann geschrieben.

Menschen sitzen in einem gastronomischen Außenbereich.
Für viele Gastronomen sind die Corona-Auflagen - vor allem die Testpflicht - nach eigenen Angaben kaum zu erfüllen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weil sich die Corona-Inzidenzzahlen in Sachsen-Anhalt weiter im Sinkflug befinden, können viele Gastronomen des Landes ihre Läden wieder öffnen. Neben einer weitgehenden Freigabe der Außengastronomie soll damit auch unter bestimmten Voraussetzungen die Innengastronomie möglich werden. Dabei gilt immer die sogenannte 3-G-Regel. In den Genuss der Lockerungen kommen also vorerst nur auf Corona-Getestete (der Test darf nicht älter als 48 Stunden sein), Geimpfte mit einer Zweitimpfung, die mindestens 14 Tage her sein muss, sowie Genesene.

Gastronomen sehen Testpflicht als unverhältnismäßig an

Und genau an der Testpflicht entzündet sich der Unmut vieler Gastronomen. In einem Brief an Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) beschweren sich nun um die 50 Kneiper, Cafébetreiber und Restaurantbesitzer aus Halle, die nach eigenen Angaben fast 100 Gastronomie-Betriebe in der Saalestadt führen, über die Unverhältnismäßigkeit dieser Forderung.

Steffen Hansen, Sprecher der Gruppe und Besitzer von vier Gastronomie-Betrieben in Halle mit ca. 50 Mitarbeitern, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Für einige Restaurants mag sich der Aufwand lohnen. Doch für die meisten meiner Kollegen übersteigt die Testpflicht in Freisitzen das Maß des Möglichen."

Wer lässt sich denn für einen Cappuccino extra testen?

Steffen Hansen Gastronom aus Halle

Dass trotz strikter Hygieneauflagen immer noch Corona-Tests verlangt würden, verursache aber nicht nur einen großen logistischen Aufwand, sondern "übersteige auch jede Norm, die bei anderen Branchen angesetzt" werde. In dem Brief, der MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, heißt es weiter, dass somit der "Geschäftsbetrieb wirtschaftlich sehr schwierig und in vielen Fällen sogar sinnlos" sei.

Sie verhindern so keine Hotspots, sondern sie schaffen diese!

Aus dem Brief hallescher Gastronomen an den Wirtschaftsminister

Die Gastronomen schreiben außerdem: "Unsere Gäste stehen in der Testschlange ohne Test mit max 1,5 Metern Abstand, fahren im Bus oder der Bahn ohne Test und Abstand zu uns und müssen vor unserem Lokal warten, bis wir die Maßnahmen bei jedem geprüft haben." Und erheben in der Folge einen schweren Vorwurf an die Politik: "Sie verhindern so keine Hotspots, sondern sie schaffen diese!"

Sogar in Leipzig entfalle bei einer Inzidenz unter 50 die Testpflicht auf den Freiflächen. In Sachsen-Anhalt hingegen müsse "auch noch bei null Fällen getestet werden, obwohl sich an dieser Stelle niemand mehr anstecken kann." Dies sei nicht nachvollziehbar.

Die Gastronomen bitten Willingmann um "vernünftige und nachvollziehbare Regeln, mit denen wir planen und agieren können". In dem Brief gehen sie auch gleich in die Offensive und machen eigene Vorschläge:

  • Bei einer Inzidenz von unter 100:
  • Außenbereiche ohne Test und 1,5 Meter Abstand, Innenbereiche mit Test und Abstand
  • Bei einer Inzidenz von unter 50:
  • Außenbereiche ohne Test und 1,5m Abstand Innenbereiche ohne Test und 1,5m Abstand
  • Bei einer Inzidenz von unter 35:
  • keine Auflagen

WIE MDR SACHSEN-ANHALT erfuhr, könnte sich eine ähnliche Gastronomen-Gruppe aus Magdeburg den Forderungen aus Halle bald anschließen.

MDR/Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 25. Mai 2021 | 13:00 Uhr

15 Kommentare

Molly vor 27 Wochen

Ich denke, dass die Maßnahmen schon sehr ausreichend bzw überzogen sind und sie besser zu Hause aufgehoben sind. Da Leben einfach lebensgefährlich ist, weitere Mutationen kommen werden und man Millionen von Menschen nicht auf Jahre einsperren kann... Vielleicht sind sie dann kein Kunde mehr, aber wir auf jeden Fall

schmitti94 vor 27 Wochen

Wir liegen in unseren Landkreis ABI mit der uns täglich von Früh bis Abend zigmal zitierten magischen Inzidenzzahl konstant schon seit 9 Tagen teils weit unter 50. Heute sind wir bei 9!!! angekommen und trotzdem keine weiteren Lockerungen in nächster Zukunft in Aussicht! Absolut unveständlich, aber zum Wahltag nicht vergessen: Jeder sein eigenes Schreibgerät mirbringen!!!

Critica vor 27 Wochen

Die Beweise für GGG müssen weg! Ich war heute in einem Einkaufscenter und beobachtete Folgendes:
Die Modekette C&A nahm alles sehr genau und die Kunden machten brav mit und zeigten Ihren Gesundheitspass und gaben ihre Kontaktdaten an - ohne Abstand. Wer wollte, konnte schnell fotografieren...
Die Zahl der Kunden hielt sich allerdings in Grenzen.
Nebenan in einer Drogerie, wo es eher "leger" zuging, war alles ziemlich entspannt, die Kunden kauften ein, der Umsatz florierte - ohne GGG.
Und ich glaube nicht, dass sich in der Drogerie irgendjemand mit Corona infiziert hat. Bei C&A natürlich auch nicht. Aber solch einen Aufwand für nix halte ich schon für übertrieben.
Und warum es in einem Geschäft so ist und im anderen so, das kann niemand erklären und auch niemand verstehen.

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