Umweltbelastung Ehemalige Giftgas-Fabrik in Halle: Boden wird untersucht

Auf dem Gelände der ehemaligen Kampfstofffabrik Orgacid GmbH in Halle-Ammendorf vermuten Anwohner noch immer Gift-Kampfstoffe im Boden oder im Grundwasser nachweisbar. Nun hat der Petitionsausschuss des Landtages das Gelände besucht, um den Druck auf die Behörden zu erhöhen.

In einem Reagenzglas schwimmen kleine Plastikteilchen.
Das Grundwasser rund um die ehemalige Giftgasfabrik in Halle soll untersucht werden. (Symbolbild) Bildrechte: MDR

Der Petitionsausschuss des Landtages hat am Donnerstag das Gelände der ehemaligen Orgacid-Werke in Halle-Ammendorf besucht. Die Ausschussvorsitzende Monika Hohmann (Linke) sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT über den Grund des Besuches, es gehe darum, ein Verständnis von der Größe des Geländes zu bekommen.

Außerdem sollen die Ministerien und sämtliche Behörden sensibilisiert werden, dass so schnell wie möglich dafür Sorge zu tragen, dass die Umweltschäden auf dem Grundstück beseitigt werden, so Hohmann. Seit Langem fordert die Bürgerinitiative Orgacid genauere Untersuchungen des Bodens. Sie befürchten dort noch immer Giftstoffe, die eine Gefahr für Anwohner und Trinkwasser sein könnten.

Ehemalige Giftgas-Fabrik in Halle-Ammendorf Die Orgacid GmbH produzierte von 1938 bis 1945 die chemischen Hautkampfstoffe Stickstoff- und Schwefel-Lost. Dabei lag die mögliche Produktionskapazität von Schwefel-Lost bei 700 Tonnen und für Stickstoff-Lost bei 100 Tonnen pro Monat. In den Zisternen konnte maximal 750 Tonnen Schwefel-Lost und 120 Tonnen Stickstoff-Lost gelagert werden. Bis 1942 wurden auf dem 116 000 Quadratmeter großen Gelände die Kampfstoffe auch in Granaten abgefüllt. Erst mit der Wende wurde der Standort überhaupt der Öffentlichkeit bekannt.

Bei einer Untersuchung im Jahr 1993 waren auf dem Gelände keine Giftkampfstoffe im Boden und im Grundwasser nachweisbar. Auch Abbau- und Zersetzungsprodukte von Giftkampfstoffen hätten nach umfangreichen Recherchen und Gutachten nicht festgestellt werden können, sagte damals Bürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD).

Allerdings seien in den Gebäudefundamenten Spuren des Kampfstoffes Lost nachgewiesen worden.

Bis Endes des Jahres will die Stadt Halle die Grundwasser-Belastung erneut untersuchen. Die Ergebnisse sollen dann im Petitionsausschuss ausgewertet werden.

Frühere Untersuchung wird wiederholt

Bei einer Untersuchung des Untergrundes im Jahr 1993 waren auf dem Gelände keine Gift-Kampfstoffe im Boden und im Grundwasser nachweisbar. Auch Abbau- und Zersetzungsprodukte von Gift-Kampfstoffen hätten nach umfangreichen Recherchen und Gutachten nicht festgestellt werden können, sagte damals Bürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD). Allerdings seien in den Gebäude-Fundamenten Spuren des Kampfstoffes Lost nachgewiesen worden, die sich allerdings schnell zersetzen würden.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 30. September 2022 | 06:30 Uhr

2 Kommentare

Basstian vor 9 Wochen

Da soll man bitte ganz gründlich suchen. Wie gefährlich dieses höchst toxische Teufelszeug ist, war bei Nawalni zu sehen. Eine Ampulle oder Granate, die 1990 übersehen worden ist, und die undicht oder mit dem Bagger beschädigt wird, kann schlimme Folgen haben.

hilflos vor 9 Wochen

Der Bund und das Land haben seit 1990 Zeit gehabt dort zu sichern. Irgendwie muß man jetzt nicht erstaunt sein

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