Pilotversuch Halle testet ÖPNV-Tickets mit Abrechnung nach Luftlinie

Selber bei der Bahnfahrt per App aus- und einchecken, um Kosten zu sparen: Mit einem Pilotversuch geht die Hallesche Verkehrs-AG neue Wege. 3.000 Nutzende können seit 1. September an dem "Luftlinien"-Test teilnehmen.

Eine Straßenbahn steht in Halles Innenstadt an einer Haltestelle.
Ein neuer "Luftlinien"-Tarif soll Bus- und Bahnnutzende in Halle bei den Fahrtkosten entlasten. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Hallesche Verkehrs-AG (Havag) führt in einem Pilotversuch einen neuen Tarif ein. Wie das kommunale Verkehrsunternehmen MDR SACHSEN-ANHALT sagte, können Bus-und Straßenbahnnutzer im Stadtgebiet von Halle seit 1. September einen "Luftlinien-Tarif" buchen.

Havag: Ein- und Auschecken per App

Vor allem auf kurzen und mittleren Strecken sollen Havag-Kunden so Ticketkosten sparen können. Möglich sei das über die App "FTQ Lab" des Schweizer Unternehmens Fairtiq. Dazu checken Fahrgäste beim Einsteigen in den Bus oder die Bahn per App ein und beim Ausstieg wieder aus und bezahlen nur die Luftlinien-Entfernung zwischen Start- und Zielhaltestelle.

Fällig wird den Angaben zufolge ein Grundpreis von 1,50 Euro plus 15 Cent pro Kilometer. Dieses Tarifmodell lohne sich für Fahrgäste auf Strecken bis neun Kilometer im Stadtgebiet von Halle, sagte Andreas Völker, Projektleiter "StadtLand+" der Havag.

Tariflandschaft digitalisieren

Die Erkenntnisse des Pilotprojekts sollen Völker zufolge in ein Konzept einfließen, welches perspektivisch die Tariflandschaft des gesamten Gebietes des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) weiter digitalisieren und vereinfachen könnte. Derzeit gebe es noch etwa 200 verschiedene Tarife im MDV-Gebiet.

Bis Ende 2024 wird der "Luftlinien-Tarif" in Halle getestet. Über die Internetseite der Havag können sich insgesamt 3.000 Nutzerinnen und Nutzer für die Testphase registrieren.

Auch andere Landkreise und Städte dabei

Mit der App des Anbieters Fairtiq haben in der Vergangenheit bereits mehrere andere Städte und Landkreise in Mitteldeutschland Erfahrungen gesammelt. In Dresden etwa werden die App und ein dem halleschen "Luftlinien-Tarif" ähnliches System bereits seit Sommer 2020 angeboten.

In den Thüringer Landkreisen Hildburghausen und Nordhausen war mit dem Jahreswechsel eine sechsmonatige Testphase zu Ende gegangen – allerdings nach Angaben der zuständigen Behörden mit weniger Interesse als zu Beginn erwartet. In Magdeburg kann man die App Fairtiq ebenfalls nutzen, dabei wird nach Angaben der Macher immer das günstigste Ticket für die gefahrene Strecke abgerechnet.

MDR (Cornelia Müller, Moritz Arand, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. August 2022 | 15:30 Uhr

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