Projekt von jungen Hallensern Interaktiver Stadtrundgang zum jüdischen Halle – gestern und heute

Junge Hallenserinnen und Hallenser haben einen Stadtrundgang mit digitalen Elementen zum jüdischen Leben in ihrer Heimatstadt erstellt. Per App kann sich jeder kostenfrei zu bedeutenden Orten führen lassen und beispielsweise die Synagoge in 360-Grad-Aufnahmen von innen ansehen. Der Rundgang ist seit Montag für jeden verfügbar, der ein Smartphone hat.

Eine Gruppe von jungen Männern und Frauen.
Die jungen Frauen und Männer haben geforscht, recherchiert, Interviews geführt und mit Historikern gesprochen. Seit Montag ist ihr interaktiver Stadtrundgang online. Bildrechte: Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.

Er dauert etwa 180 Minuten und ist rund 3,5 Kilometer lang – der Stadtrundgang zum jüdischen Leben in Halle, erstellt von jungen Leuten aus der Stadt. Per App kann sich jeder, der ein Smartphone hat, seit Montag kostenlos zu Orten wie der Synagoge oder dem Universitäts-Platz führen lassen und passende multimediale Inhalte angezeigt bekommen.

"Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass die Jugendlichen ins Stadtarchiv gegangen sind und Briefe von Zeitzeugen gefunden haben", sagte Projektleiterin Lina Wunderlich von der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis MDR SACHSEN-ANHALT. "Und sie haben die Zeitzeugen-Briefe eingelesen, so dass man sie sich anhören kann." Sie freue sich besonders, wie jung, kreativ und ansprechend die Gruppe ihre Recherche-Ergebnisse aufbereitet hat.

Mach-mit-App

In den App-Rundgang sind auch kleine Aufgaben integriert wie – "Mach ein Foto" – oder kurze Fragen, zum Beispiel zum Thema Bücherverbrennung. "Von welchen Autoren denkst du, wurden Bücher verbrannt?" Der interaktive Rundgang deckt aber nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus ab, sondern beginnt im Mittelalter und endet im Heute – beispielsweise mit Beschreibungen, was das jüdische Gemeindeleben heute ausmacht. Auch die für Außenstehende meist verschlossene Synagoge kann besichtigt werden – mit 360°-Aufnahmen.

Ein Flyer der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis.
Der Flyer zum Rundgang: Startpunkt ist die heutige Synagoge, Endpunkt der Gedenkort für die ehemalige. Bildrechte: Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.

16 bis 27 Jahre alt

Die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener hat sich auf Anregung der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. dem Thema gewidmet. Manche gehen noch zur Schule, andere studieren, alle sind zwischen 16 und 27 Jahren alt. Die Freiwilligen-Agentur hatte das Projekt unter anderem über Social Media beworben und auch per Mund-zu-Mund-Propaganda Freiwillige gefunden. Insgesamt haben rund 15 junge Leute den Rundgang in ihrer Freizeit erstellt und etwa ein halbes Jahr daran gearbeitet. Anlass war das Themenjahr "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland", das in diesem Jahr stattfindet.

Ein Handy, auf dem "Jüdisches Leben gestern und heute" steht.
So sieht die App auf dem Smartphone aus. Bildrechte: Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.

Die digitale, interaktive Tour kann in der kostenfreien App "Actionbound" gefunden werden – unter dem Titel "Jüdisches Halle". Sie ist für Privatpersonen, aber auch für Schulklassen gedacht, so die Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis. Am Projekt beteiligt war unter anderem auch der Zeit-Geschichte(n) e.V., der sich beispielsweise um die Stolpersteine in der Stadt kümmert.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. November 2021 | 13:40 Uhr

1 Kommentar

ule vor 31 Wochen

@ "360-Grad-Aufnahmen. . . für jeden verfügbar, der ein Smartphone hat."

Es sei die Frage erlaubt, warum man sich nur auf eine ausgewählte Klientel als Empfänger jüdisch gezeichneter, interaktiver Botschaften bemüht. Da muß man erst über ein Smartphone verfügen, um in den Genuß der vorgehaltenen Informationen zu gelangen.
Warum macht man den Informationsfluß von der Technik abhängig und nicht vom Bedürfnis der Menschen ?

Ehrlich wäre es, wenn man in die Arbeitskollektive, zu den Menschen in den Wohnungengebieten, oder auch in die Senoirenheime gehen würde und diese, sofern ein Interesse daran besteht, über die Wiederbelebung und Neuaufstellung des Judentums in Halle informiert.

Wie erklärt sich die Zielstellung und wie wirkt sich diese auf das gesamte gesellschaftliche Dasein aus ?
Wird es Veränderungen in der Heimat geben, wenn das Judentum in der Stadt an Dominanz zunimmt ?
Wie erklärt sich der aktuelle Bedarf oder gar die Notwendigkeit, interaktiver Botschaften ?

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