650 Haftplätze Beschwerden aus der JVA Halle: Ratten, schlechtes Wasser und unfaires Personal?

Gut 650 Haftplätze gibt es in Halle. Bekannt ist die Justizvollzugsanstalt I als Roter Ochse. Aber auch ihre Nebenstelle im Stadtteil "Frohe Zukunft" kennen viele. Von hier hat die MDR-AKTUELL-Redaktion der Beschwerdebrief eines Häftlings erreicht. Die Rede ist von Ungeziefer im Abfluss und schlechtem Wasser.

Piepen, Schließen, Tür auf, durch, Tür zu, weiter zur nächsten Tür und von vorn. Fast keine Tür geht einfach auf, fast keine fällt nur ins Schloss, ohne abgeschlossen zu werden. So ist das im Gefängnis. 

Thomas Naumann ist der Leiter der JVA in Halle. So wie die ständig verschlossenen Türen gehören auch Beschwerden dazu, sagt er: "Gefangenenbeschwerden sind unser täglich Brot. Die Gefangenen die in ihrer Situation nicht sehr glücklich sind, die ja auch nur mehr oder weniger freiwillig in einer Justizvollzugsanstalt sind, versuchen natürlich, sich das Leben hier angenehm zu gestalten und das Bestmögliche für sich rauszuholen."

Beschwerden an Zeitung, Radio und Fernsehen, an Abgeordnete von Land- oder Bundestag und Ministerinnen und Minister. Sie würden sich oft gleichen, sagt der Leiter der JVA. Schlechtes Essen, schädliches Wasser, Ungeziefer, unfaire Bedienstete. 

Regelmäßige Wasser- und Ungezieferkontrollen

Und auch im Brief, der MDR AKTUELL vorliegt, geht es um einige dieser Punkte. Der Gefangene schreibt mit Tinte auf kariertem Papier und in gleichmäßiger Schreibschrift von katastrophalen Zuständen. Dazu zählen "das mehrfache Auftreten von Ratten in den Abwasserrohren, Hauterkrankungen durch das Duschwasser hervorgerufen, aber auch der allgemeine Umgang mit den inhaftierten Menschen".

Sauber abgeheftet liegt ein Stapel Protokolle auf dem Tisch. Einmal im Monat kommt eine Firma, bekämpft Ungeziefer wie Ratten und Schaben. Aus Sicht der Hausleitung: alles im Griff. Und auch zu den Beschwerden über schlechtes Wasser gibt es Protokolle von regelmäßigen Beprobungen. Außerdem würden die Bediensteten Kaffee mit dem selben Wasser wie die Gefangenen kochen, sagt Naumann: "Die Bediensteten können hier Essen erwerben, das selbe wie die Gefangenen bekommen; die Bediensteten gehen hier auf die Toilette, verbringen hier einen großen Teil des Tages, sind also auch nicht daran interessiert, dass Schadstoffe in der Luft sind, dass Baumaterialien verwendet werden, die nicht in Ordnung sind."

Die Großküche aus Edelstahl ist auf Hochglanz poliert. Hier kochen Gefangene unter Anleitung und Aufsicht für die Nebenstelle vor Ort und die Hauptstelle "Roter Ochse". Auch das Essen wird kontrolliert.

Corona schränkt Aktivitäten der Inhaftierten ein

Wieder öffnen und schließen sich Türen. Matthias Huschka steht hinter einem Gitter, tut seinen Dienst im Gefängnis. Er ist Gewerkschafter für die Strafvollzugsbediensteten und Vorsitzender des Ortsverbands Halle. Zur angespannten Stimmung, von der im Brief die Rede ist, gehörten zwei sagt er. Gefangene und Bedienstete. Aber angespannte Stimmung könne er sich zur Zeit nur unter der Maßgabe der Pandemie vorstellen. "Wir sind gereizt, und auch der Gefangene ist sicherlich in seiner Behandlungsgrundlage ein bisschen eingeschränkt. Das ist mit Sport so, das ist mit der Freistunde so, das ist in den Arbeitsbereichen so."

Alles werde heruntergefahren, um die Gesundheit der Gefangenen und die der Bediensteten zu gewährleisten. Beschwerden hin oder her, man sei hier nicht im Hotel, sagt Huscka: "Wir sind hier im Strafvollzug, und die Gefangenen sind hier drin, weil sie draußen Straftaten begangen haben. Und die müssen hier drinnen ihre Zeit irgendwie rumkriegen, und das versuchen wir mit unseren Kollegen in dem Maße soweit zu klären, dass es vernünftig abläuft", erklärt Huschka und setzt seinen Dienst fort.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 22. März 2021 | 06:00 Uhr

26 Kommentare

Magdeburg1963 vor 31 Wochen

....wenn du unschuldig warst, hast du sicher eine Haftentschädigung bekommen und musstest die Strafe nicht voll absitzen oder hast nur du deine Unschuld festgestellt? Dass du tatsächlich arbeiten musstest, tut mir wahnsinnig leid. Ich finde der Steuerzahler hat es verdient, für die Kosten von Straftätern aufzukommen! Die 160 € pro Hafttag an Haftkosten sind Peanuts und schließlich hat ja kein Straftäter den Aufenthalt selber gebucht. Dein Beitrag macht mich richtig traurig.

Sozialberuflerin vor 31 Wochen

Die jenigen ohne "Hafterfahrung" sorgen auch selbst dafür, dass sie diese nicht machen müssen!
Entweder, weil sie sich nichts zu Schulden kommen lassen, oder weil sie (noch) nicht erwischt worden sind.

Ohne Frage, hat jeder Mensch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit!

Aber dass hatten auch die meisten Opfer derer, die "drin sind"

Ich habe einige Jahre beruflich jugendliche Straftäter begleitet.

Und erst nachdem sie im knast bewusst erfahren haben, was es bedeutet, dir seine Tat dort zu büßen, erst dann hat es bei einigen "Klick gemacht"
Und nicht jedes Strafmaß war verhältnismäßig!

Gelitten, an den im Artikel beschriebenen Zuständen, hat jedoch keiner.
Eher als "Opfer" anderer Insassen.

Aber auch hier gilt, meines Erachtens, "jeder ist seines Glückes Schmied"



Ichebend vor 31 Wochen

Habe selber drei Jahre in der jva frohe Zukunft gesessen, und eins muss ich echt mal klar stellen....vor allen für die Leute die keinen Plan haben. Erst einmal zu den beamten es gibt solche und solche, aber die meisten sind okay. Man darf ja auch nicht vergessen das der knast eine Strafe sein soll und kein ferienlager. Zu den hygienischen Zuständen muss ich sagen das sie für einen knast ganz okay sind, zumal jeder selber für die Reinigung zuständig ist... Aber viele nehmen das nicht so genau. Natürlich wird es auch Ungeziefer geben, zumal sämtliche essenreste in der Toilette landen und ungeziefer findet man auch draußen überall wo mit Lebensmittel gearbeitet wird.... Also völlig normal.
Und zum essen muss ich sagen das es eigentlich ganz okay ist, auch zu Hause schmeckt es nicht immer. Also Leute hört auf die jva so schlecht hinzustellen...Oder lasst euch nach Russland verlegen, dann könnt ihr euch ein urteil erlauben was wirklich ein schlechter knast ist.

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https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/video-567488.html

Rechte: Matthias Strauss

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