Krieg in der Ukraine Wie David Strübing aus Halle Geflüchteten hilft

Das Engagement, den Menschen in der Ukraine zu helfen, ist derzeit enorm groß. In Halle gibt es einen Mann, der sich seit Jahren für diejenigen einsetzt, die in Not geraten sind: Mit seinem Vier-Jahreszeiten-Bus hilft er normalerweise Obdachlosen. Nun hilft er auch Menschen in der Ukraine.

Ukrainische Flüchtlinge im Dorf Kviv (Ukraine) auf dem Weg zum polnischen Dorf Korczowa.
Vor allem in der Grenzregion zwischen der Ukraine und Polen warten viele Geflüchtete auf Hilfe. Bildrechte: imago images/Agencia EFE

David Strübing ist jemand, der anpackt. Mit seinem Bus für Menschen in Not hilft der Betreiber einer Container-Firma in Halle-Ammendorf sonst nach der Arbeit Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben.

David, der auf keinen Fall mit "Sie" angesprochen werden möchte, und sein Team, sind für ihr soziales Engagement bekannt. Als wir uns auf seinem Firmengelände am Stadtrand von Halle treffen, steigt er lächelnd und mit Headset am Ohr aus einem Lkw aus.

Erst vor wenigen Tagen war er mit einer Hilfslieferung in die Ukraine gefahren.

Hilfe für einen Freund

Vor wenigen Tagen, erzählt David, fragte ihn ein Freund, ob er eine Frau und ihren sieben Jahre alten Sohn aus der Ukraine nach Deutschland holen könnte. Als er sich mit seinen Helfern zusammensetzte, mussten sie nicht lange überlegen.

Ein Mann steht an einem Transporter.
David Strübing Bildrechte: MDR/Paula Kautz

Das haben wir morgens um 7 Uhr so beim Kaffee besprochen und haben gesagt: 'Komm, wir machen das jetzt.'

David Strübing engagierter Hallenser

Dann folgte ein Rundruf bei Organisationen, mit denen David häufig zusammenarbeitet: dem Streetmobil in Leipzig, das den Kältebus für Obdachlose betreibt und der Barber Angel Brotherhood, bei der sich Friseure sozial engagieren.

Alle hätten noch viele Spenden gehabt, sodass er schließlich nur noch die Hilfsgüter in Autos verladen musste.

Lange Fahrt bis zur ukrainischen Grenze

Für die Schlafsäcke, Kleidung und Lebensmittel nutzte David seinen privaten Kleinbus und den Kleintransporter seines Bruders. Zwei Freunde, darunter eine Ukrainerin, kamen ebenfalls in ihrem Privatauto mit. Das Ziel sollte die polnisch-ukrainische Grenze sein.

Zehn Stunden dauerte die Fahrt, erzählt David und muss auf einmal laut lachen: An jeder Tankstelle an der ukrainischen Grenze habe er geschaut, ob es Diesel gebe. "Das ist rationiert, der Kraftstoff. Da kannst du nicht einfach tanken fahren", sagte er und wirkt immer noch ungläubig.

Das Ziel der Fahrt war schließlich das Dorf Medyka an der polnisch-ukrainischen Grenze. Dort wollten sie sich mit der befreundeten Mutter und ihrem kleinen Sohn treffen.

Gespenstische Stimmung vor Ort

An der Grenze angekommen erwartete das Helferteam ein Durcheinander. Es seien Menschenmassen unterwegs gewesen und viele Autos hätten überall geparkt, erzählt David: "Viele warten und suchen nach ihren Angehörigen oder nach Freunden."

Telefonverbindungen zur ukrainischer Seite seien zum Teil nicht möglich gewesen, auch die Internetverbindung sei schwierig. Viele würden auf ukrainischer und auf polnischer Seite warten, um eine Antwort zu bekommen. David beschreibt die Situation als "gespenstisch". Vor allem die Ruhe habe ihn überrascht.

Es wurde kaum ein Ton gesagt. (…) Man hörte viele Menschen telefonieren, aber das eben auch leise. Es war keine Panik, kein Stress – was mich echt verwundert hat.

David Strübing

Sein Eindruck war, dass die Menschen vor Ort vor allem schockiert gewesen sind.

Eindrücke hallen noch nach

Die Mutter und ihren Sohn sowie zwei weitere Mütter mit Kindern konnten Davids Freunde mit nach Deutschland bringen. Er selbst blieb mit seinen Hilfslieferungen noch eine Nacht länger, um die Hilfsgüter verteilen zu können.

Das, was er erlebt habe, müsse er noch verarbeiten, sagt er. Und plötzlich schaut der voller Lebensfreude strahlende David auf den Boden und spielt nervös an seinem Schlüsselring. Als er tief Luft holt, sind seine Augen glasig: "Ich gucke mir Bilder an, die ich gemacht habe und da laufen mir auch die Tränen. Es ist schon wirklich krass."

Schon in zwei Wochen soll ein nächster Hilfskonvoi starten. Eine Speditionsfirma aus dem Saalekreis stellt einen Lkw zur Verfügung. Darin können David und seine Mitstreiter wieder Hilfsgüter zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren.

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MDR (Paula Kautz, ThomasTasler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 01. März 2022 | 17:00 Uhr

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