Angersdorfer Teiche Wie das Karlsbad nach der Corona-Zeit zum Ostseestrand von Halle werden will

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Lange wurde das Naturbad Angersdorfer Teiche in Halle vernachlässigt. Nun passend zum Neustart nach Corona ist es saniert und als Karlsbad wiedereröffnet. Es gibt ein neues Konzept und einen neuen Betreiber. Der will das Bad als Eventlocation etablieren – und sich einen Traum erfüllen.

Karlsbad Angersdorfer Teiche
Blick auf das Karlsbad in Halle. Dort wurde im Frühjahr ein neuer Strand aufgeschüttet. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Wer aus Halle-Neustadt kommend auf das Naturbad Angersdorfer Teiche zufährt, sieht schon von weitem, dass sich etwas verändert hat. Auf Werbeflächen am Eingang, genau wie an den Fahnenmasten daneben, ist immer wieder ein Logo zu sehen: Ein bärtiger Mann mit einer Krone. "Karlsbad" steht darunter. Karl als neuer König der Bäder in Halle also? "Nein, nein", wiegelt Lars Wilken ab.

Der 46-Jährige ist der neue Betreiber des traditionsreichen Freibades. Er sagt: "Ich wollte etwas Prägnantes – Neptun oder was Nordisches." Als gebürtiger Rostocker kommt Wilken selbst aus dem Norden. "Und so sind wir auf den Namen und das Logo gekommen."

"Leute sollen merken, dass sich was verändert hat"

Zugleich wollte er auch die alten Zöpfe abschneiden, erklärt Wilken die Umbenennung. In der Vergangenheit lief hier nicht alles glatt. Das Bad wurde von den vorherigen Pächtern teilweise vernachlässigt und war zuletzt spürbar heruntergekommen. 2020 wurde es von der Bäder-Gesellschaft der Stadtwerke Halle, formal die Besitzerin des Bades, gar nicht geöffnet. "Deswegen soll sich der Neuanfang auch im Namen ausdrücken" so Wilken. "Damit die Leute merken, es hat sich was verändert."

EIn Mann lehnt an einem Holzpavillon.
Lars Wilken ist der neue Betreiber des Karlsbades Angersdorfer Teiche, das jetzt auch eine eigene "Seebrücke" hat. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Es ist nicht der weite Horizont der Ostsee. Aber es ist blau-weiß, es ist Wasser. Wir haben hier ja sogar Salzwasser im See und Möwen. Wenn dann die Kinder – die Lütten – hier herumlaufen, ist es ein bisschen Heimat.

Lars Wilken

Dass sich etwas verändert hat, sehen die Besuchenden auch direkt hinter dem Kassenhäuschen. Dort wirbt eine LED-Wand für kommende Veranstaltungen. Und neben dem reinen Badebetrieb soll das Karlsbad in Zukunft eben auch dafür stehen, sagt Wilken: "Natürlich sollen sich die Leute, die zum Baden herkommen, wohlfühlen. Aber das ist nur noch ein kleinerer Teil des Konzepts. Wenn das Wetter schlecht ist, wollen wir trotzdem ein Naherholungsziel sein. Und wir wollen hier regelmäßig Events veranstalten." Dabei denkt der Badbetreiber an private Feiern – Grillpartys mit Freunden, Einschulungen, Hochzeiten – aber auch an große Familienfeste, Konzerte oder Weihnachtsmärkte. Soweit das unter Pandemiebedingungen möglich ist.

Seit vergangenem Wochenende hat das Naturbad Angerdorfer Teiche im Südwesten von Halle wieder geöffnet. Nun unter dem Namen Karlsbad. Betreiber Lars Wilken hat Pläne, die weit über den reinen Badebetrieb hinaus gehen:

Erste Erfahrungen im Friedrichsbad Zwintschöna

Ein ähnliches Ansinnen, allerdings in deutlich kleinerem Ausmaß, hatte Wilken auch schon, als er vergangenes Jahr das Friedrichsbad in Zwintschöna, östlich von Halle, übernahm. Das hatte bis dato sein Schwiegervater gepachtet. Zuvor war Wilken verantwortlich für ein Stadtmagazin in Halle. Als das eingestellt wurde, suchte er während der Corona-Pandemie eine neue Aufgabe. Und wurde so zum Bäderchef.

Nachdem im Friedsrichsbad vieles umgebaut und erneuert wurde, begann er hier im Sommer 2020 verschiedene Veranstaltungen zu organisieren. Dabei hat Wilken nach eigener Aussage viel gelernt und Konzepte entwickelt, wie man in der Corona-Zeit sicher, aber trotzdem schön feiern kann. Doch Wilken ahnte, dass größere Events pandemiebedingt wohl noch einige Zeit hauptsächlich im Freien stattfinden müssen. Wenn sie überhaupt möglich sind. Deswegen suchte er einen Ort, der ihm noch mehr Platz für seine Ideen bot – und fand diesen mit den Angersdorfer Teichen.

Geht es nach Betreiber Lars Wilken, wird das Bad künftig auch als Veranstaltungsort wahrgenommen. Schon zur Eröffnung vor einer Woche gab es eine kleine Tanzveranstaltung – halleweit die erste seit dem Lockdown. 50 Leute waren auf der Tanzfläche erlaubt. Sinken die Coronazahlen weiter, sollen es bald weitere Events folgen, erzählt Wilken.

Langfristiger Pachtvertrag

Mit der Stadt Halle wurde er sich schnell einig und unterschrieb einen langfristigen Pachtvertrag. Dann begann die Arbeit. Der Strand war vermüllt, der Badesee vollgewachsen mit Algen. Die Gebäude auf dem Gelände waren in die Jahre gekommen, zwischen den Gehwegplatten wuchs Unkraut, und manche Durchgänge waren inzwischen zugewachsen.

Mithilfe des Jobcenters fand Wilken Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Manche von ihnen waren inzwischen sehr lange ohne Job und sind froh über die neue Chance. Wilken freute sich über jede helfende Hand. Die boten ihm auch seine Freunde. 80 von ihnen packten bei zwei Arbeitseinsätzen mit an und kamen dafür sogar zum Teil aus Dresden oder Thüringen. Wilken wirkt stolz und glücklich, wenn er über all die Unterstützung erzählt. "Diesen Leuten bin ich ewig dankbar. Das kann man mit Geld gar nicht aufwiegen."

Eine Seebrücke für Halle

Die Spielplätze wurden saniert und Klettergeräte neu gestrichen. Die alte Kegelbahn verschwand. An ihre Stelle rückte ein Holzpavillon. "Unsere Seebrücke", erzählt Wilken lachend. Ein weiterer Baustein in seiner maritimen Welt. Die neuen Grillplätze hat er nach Städten seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern benannt. Binz oder Boltenhagen etwa. Am Strand wurden 400 Tonnen Sand neu aufgeschüttet.

Dort wachen jetzt Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft über die Sicherheit der Badegäste. Dafür kooperiert das Karlsbad mit einem lokalen Verein. Und bietet dessen Mitgliedern an, im See auch zu trainieren. Zudem wurde auch der FKK-Bereich des Bades wieder hergerichtet. Dieser hat im Naturbad eine lange Tradition. "Ich habe mich mit den Menschen aus der angrenzenden Gartenanlage ausgetauscht. Viele von ihnen haben sich gewünscht, dass es wieder einen "Effi" gibt", sagt Wilken. Ursprünglich war das nicht vorgesehen. Doch weil ihm die Nähe zu den Menschen aus der Umgebung wichtig ist, reagierte er auf diesen Wunsch.

Das Wave-Gotik-Treffen ist eines der bekanntesten Festivals in Mitteldeutschland. Dabei treffen sich zehntausende schwarz-gekleidete Menschen in Leipzig. Ein Teil der Szene soll nun nach Halle gelockt werden – ins Karlsbad, sagt Betreiber Lars Wilken.

Familie hilft mit

Beim Betrieb der beiden Bäder wird Wilken von seiner Familie unterstützt. Seine Frau Nadine hat sich wie er zur Rettungsschwimmerin ausbilden lassen. So können beide aushelfen, sollte doch mal Personal fehlen. Ihre ältere Tochter hat schon mal im Kassenhäuschen ausgeholfen. Ein Freibad für die ganze Familie also. Zunächst mal Wilkens eigene, in Zukunft vielleicht aber auch für viele andere.

Mit dem Karlsbad, so scheint es, hat sich Lars Wilken einen Traum erfüllt. "Das ist ein bisschen Heimat, die ich mir hierhergeholt habe", erzählt er stolz. "Es ist nicht der weite Horizont der Ostsee. Aber es ist blau-weiß, es ist Wasser. Wir haben hier ja sogar Salzwasser im See und Möwen. Wenn dann die Kinder – die Lütten – hier herumlaufen, ist es ein bisschen Heimat." Und er hofft, dass das viele Menschen aus Halle und Umgebung bald genauso sehen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Zudem ist er immer auf der Suche nach spannenden Geschichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Mehr zum Thema

Saline 1 min
Bildrechte: DRA

00:53 min

https://www.mdr.de/zeitreise-regio/staedte/halle/video201438.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Juni 2021 | 08:30 Uhr

3 Kommentare

Anni22 vor 6 Wochen

Sowas kann passieren, wenn das Wasser zu warm wird, gibt es auch immer mal an der Ostsee. Dürft momentan (zu kalt) aber kein Problem sein.(Ansonsten auch nur für Immungeschwächte gefährlich.) Also viel Spaß beim baden.

No Name vor 6 Wochen

Hää...musste der Angersdorfer Teich nicht schließen wegen diesem einen Bakterium?
Es hieß doch es sei zu gefährlich für Rentner und allen anderen welche eine Wunde hätten...!?!
Was ist aus dem Bakterium geworden??

Anni22 vor 6 Wochen

Schöner See und Sandstrand (teilweise). Kann man empfehlen.
Wenn jetzt noch werden Badesse bei Teutschenthal (Pappelgrund) wieder in Betrieb nehmen würde, das wär auch super ;-).

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt