Impf-Affäre Halles Katastrophenschutz-Stab verteidigt vorzeitige Corona-Impfungen

In Halle haben Oberbürgermeister Bernd Wiegand, mehrere Stadträte sowie Mitglieder des Katastrophenschutz-Stabs vorzeitig eine Corona-Impfung erhalten. Der Stab hat das Vorgehen nun verteidigt, räumt aber auch Fehler ein.

Impfung
Nach Corona-Impfungen außerhalb der vorgesehenen Reihenfolge in Halle hat sich der Katastrophenschutz-Stab geäußert. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Political-Moments

In der Diskussion um die vorzeitige Impfung des Oberbürgermeisters Bernd Wiegand (parteilos) und mehrerer Stadträte in Halle hat sich der Katastrophenschutz-Stab der Stadt am Mittwoch per Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Auch Mitglieder dieses Gremiums sind demnach entgegen der eigentlich festgelegten Impf-Reihenfolge bereits geimpft worden. In der Meldung verteidigt das Gremium sein Vorgehen im Umgang mit Impfstoff-Resten. Ziel der vorzeitigen Impfungen sei gewesen, die Entsorgung übrig gebliebener Impfdosen zu vermeiden.

Der Stab habe Anfang Januar eine Liste mit Personen erstellt, die für Ad-hoc-Impfungen angerufen werden könnten. Darunter hätten sich auch die Stabsmitglieder befunden, um "ein wichtiges Entscheidungsgremium in der Stadt zu schützen und arbeitsfähig zu halten", wie es in der Mitteilung heißt.

#MDRklärt Nach diesem Plan wird gegen Corona in Sachsen-Anhalt geimpft

Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben.
Höchste Priorität haben Menschen ab 80 und alle, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege tätig sind. Dafür sind mobile Impfteams unterwegs. Zur ersten Gruppe gehört außerdem alle, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Die Impfstoffe werden dafür an die Krankenhäuser übergeben. Bildrechte: MDRklärt
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.
Die Impfzentren werden in der zweiten Stufe genutzt. Dann werden Personen geimpft, die älter als 70 Jahre oder bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Dazu gehören etwa Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegbedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Bildrechte: MDRklärt
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.
In einem dritten Schritt sollen die Menschen geimpft werden, bei denen das Risiko für einen tödlichen Verlauf der Erkrankung erhöht ist. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, stark Übergewichtige, Patienten mit Immundefizienz oder Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter. Bildrechte: MDRklärt
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (4) Bilder anzeigen

Fehlende Kommunikation eingeräumt

Der Stab räumt in der Mitteilung aber auch ein, das Vorgehen nicht ausreichend öffentlich erklärt zu haben. Das sei ein Fehler, den man bedauere. Der Mitteilung zufolge sind elf Mitglieder des 19-köpfigen Katastrophenschutz-Stabs außer der Reihe bereits einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Zudem gab es Impfungen von weiteren vier Stabsmitgliedern – diese sind allerdings aufgrund ihrer Tätigkeit, zum Beispiel als Ärzte, geimpft worden. Diese vier Personen hätten auch schon die zweite Impfdosis erhalten.

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unserer Newsletter

In unserem Newsletter zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Sondersitzung des halleschen Stadtrats beantragt

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand ist Chef des Katastrophenschutzstabes und ist ebenfalls geimpft worden. Er steht seit Tagen wegen seiner vorzeitigen Impfung in der Kritik. Am Montag sagte Wiegand, dass in Halle Mitglieder des Katastrophenschutz-Stabes und des Stadtrates nun nicht mehr bei der Vergabe von Impfstoff-Restdosen berücksichtigt würden.

Die Vorsitzende des halleschen Stadtrats, Katja Müller (Linke), hatte für Donnerstag eine Sondersitzung des Stadtrats beantragt. Dabei soll es um die vorgezogenen Impfungen gehen. Die geplante Sondersitzung findet am Donnerstag jedoch nicht statt: Das Landesverwaltungsamt hatte die Thematik zwar bestätigt, konnte aber keine Gründe für die besondere Dringlichkeit der Beratung erkennen.

Auch andere Personen in Sachsen-Anhalt sind vorgezogen gegen das Coronavirus geimpft worden, darunter Polizeikräfte im Landkreis Stendal, der Landrat Wittenbergs, Jürgen Dannenberg (Die Linke) sowie der Landrat des Saalekreises, Hartmut Handschak (parteilos).

MDR/Maria Hendrischke

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Februar 2021 | 09:00 Uhr

15 Kommentare

Volker.Halle66 vor 42 Wochen

Handvoll Impfdosen?...Mittlerweile sollen alleine in Halle ca. 600 Impfdosen zweckenfremdet und nicht nach Priorität verimpft wurden. Möchte nicht wissen, wieviel es in ganz Deutschland sind und dann immer unter dem Vorwand..."lieber ICH, bevor es entsorgt wird..." Es bedarf gesetzlicher Regelungen, damit die Vordrängler gerichtlich belangt werden! Jeder, der sich vordrängelt ist für den Tod älterer Mitbürger verantwortlich, welche bisher nicht geimpft wurden konnten aufgrund der derzeitigen Knappheit der Dosen. Haben Sie keine Eltern, Großeltern oder Verwandte, welche dringenst geschützt werden sollten? Unverständnis meinerseit für unüberlegte Kommentare.

klarimkopf vor 42 Wochen

Mein Gott, so ein tam-tam wegen der handvoll Spritzen. Die retten Deutschland auch nicht. Hier heute und jetzt fehlen zig Millionen! Und daran sind die Bürokraten in der EU schuld. Lasst mal die Kirche im Dorf.

na sowas 1 vor 42 Wochen

ich dachte immeres werden Ampüllen nacheinander verbrauchtund dann bleiben auf einmal 11 übrig? "Dann sind bei xundzwölfzig Heimen ruckizucki Restdosen in zweistelliger Zahl übrig.",iht Text,übrigens dürfen in "ihren xundzwöfzig",was für ein Wort, Hwimen aufgezogene Spritzen nicht mehr transportiert werden. Also doch lachhaft

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Sport

Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. mit Video
Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. Bildrechte: Pia Siemer

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Coronavirus mit Audio
In Deutschland wurden die ersten Omikron-Fälle am 27. und 28.11.2021 bei Reiserückkehrern aus Südafrika bekannt. Nun hat die Virusvariante auch Sachsen-Anhalt erreicht. Bildrechte: Colourbox.de
Auf der A9 zwischen Weißenfels und Naumburg hat es am Dienstagmorgen einen schweren Unfall gegeben. 1 min
Bildrechte: TNN
07.12.2021 | 10:38 Uhr

Auf der A9 zwischen Weißenfels und Naumburg hat es am Dienstagmorgen einen schweren Unfall gegeben. Ein Lastwagen war auf ein Streufahrzeug aufgefahren. Der Unfallfahrer kam ums Leben.

Di 07.12.2021 10:15Uhr 00:39 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/burgenland/video-579528.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video