Elisabeth-Krankenhaus Klinikmitarbeiterin in Halle soll Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben

Eine Krankenhausmitarbeiterin aus Halle soll gezielt Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben. Nach Angaben der Klinik hat sie mindestens elf Mal nicht das Blut von Kindern, sondern von Erwachsenen ins Labor geschickt. Die Motive der Frau sind noch unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die gläserne Fassade eines Krankenhauses.
Im Elisabeth-Krankenhaus in Halle soll eine Mitarbeiterin Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben. Bildrechte: MDR/Matthias Schliesing

Muskelschwund, Mukoviszidose oder Gendefekte – viele seltene Erkrankungen kann man mit einer Blutprobe kurz nach der Geburt frühzeitig erkennen. Auch am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle wird die wichtige Untersuchung seit Jahrzehnten durchgeführt – zuletzt allerdings mit schwerwiegenden Auffälligkeiten.

Das teilte der ärztliche Direktor Hendrik Liedtke auf einer Pressekonferenz mit: "Soweit wir wissen, hat eine Mitarbeiterin vorsätzlich, mit ganz klarer Absicht, Erwachsenenblut verwendet, um die Proben zu manipulieren." Das Motiv der Mitarbeiterin sei nicht bekannt.

Von der Geburtsstation sind also falsche Blutproben zur Untersuchung ins Labor nach Magdeburg geschickt worden. Dort fiel der Fehler laut Krankenhausleitung Anfang Oktober auf – einzig ermöglicht durch ein neues Untersuchungsverfahren.

Mitarbeiterin betreute 800 Neugeborene

Ein Mann mit Brille vor gelbem Hintergrund
Dr. Hendrik Liedtke ist Ärztlicher Direktor am Elisabeth-Krankenhaus in Halle. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Wie lange die Mitarbeiterin bereits manipuliert hat, ist also unklar. Im schlimmsten Fall müsse man davon ausgehen, dass sie über die gesamte Zeit der Anstellung Blutproben gefälscht habe, sagte Hendrik Liedtke vom Elisabeth-Krankenhaus. Und das seien acht Jahre: "Dann müssten wir jetzt gezielt 800 Familien anschreiben und eine Nachkontrolle anfordern." Die zurückgestellten Proben der letzten sechs Monate seien bereits untersucht worden. In elf Fällen wurden Fälschungen festgestellt. 

Für viele der betroffenen Familien käme auch eine Nachkontrolle allerdings zu spät. Denn durch das Screening sollen angeborene Gen- und Stoffwechselerkrankungen frühzeitig erkannt werden, um sie rechtzeitig therapieren zu können. Das bestätigt Skadi Beblo, die Oberärztin Kinderheilkunde an der Uniklinik Leipzig. Wenn man die Erkrankungen bereits an der Symptomatik erkenne, sei es für die Kinder zu spät.

"Das Neugeborenen-Screening ermöglicht es, präventiv die Therapie einzuleiten und den Kindern dadurch zu ermöglichen, dass sie sich entwickeln wie jedes andere Kind auch", so Beblo weiter. Aus medizinischer Sicht sei die Untersuchung eine "Revolution" gewesen.

An der Uniklinik Leipzig wurden bislang etwa eine Million Kinder auf diese Weise untersucht – 700 von ihnen konnte durch eine frühzeitige Erkennung einer Erkrankung geholfen werden.

Staatsanwaltschaft und LKA ermitteln

Am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara bemüht man sich indes um die externe wie interne Aufarbeitung des Falls. "Wir werden (...) jegliche Maßnahmen prüfen und umsetzen, die erforderlich sind, um zukünftig eine Manipulation der Proben bestmöglich auszuschließen", schreibt die Krankenhausleitung in einem offenen Brief an die Mitarbeitenden. Man wolle aber nicht zulassen, dass die Arbeit aller Kolleginnen und Kollegen durch die Verfehlungen einer Einzelperson in Frage gestellt würden.

Die entsprechende Mitarbeiterin ist von der Krankenhausleitung umgehend entlassen und angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft Halle und das Landeskriminalamt haben die Ermittlungen übernommen. Gegen die Frau werde wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und der Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt, teilte Oberstaatsanwalt Ulf Lenzner am Mittwoch mit.

Die Klinik will nun Kontakt zu den Familien aufnehmen, deren Neugeborene durch die entsprechende Mitarbeiterin betreut wurden. Nachkontrollen solle es dann zunächst für die Kinder geben, die seit Oktober 2020 geboren wurden. Mit rund 2.000 Geburten pro Jahr ist das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara die größte Geburtsklinik in Sachsen-Anhalt.

MDR/Fabian Brenner, Fabienne von der Eltz, Frank Rugullis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Oktober 2021 | 15:00 Uhr

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