Geplante Kürzungen Sparmaßnahmen an Uni Halle könnten Lehrermangel verschärfen

Die Sparmaßnahmen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stellen die Lehrerausbildung in Sachsen-Anhalt vor zusätzliche Probleme. Der Lehrermangel könnte sich durch die geplanten Kürzungen verschärfen. Auch die Ausbildung dringend benötigter Ärzte ist laut Vorsitzendem der Landes-Rektorenkonferenz mit geringeren Finanzen nicht zu schaffen.

Eine Jura-Studentin sitzt im Großen Hörsaal vom Auditorium maximum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
In den nächsten Jahren soll es Tausende Studenten weniger in Halles Hörsälen geben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

  • In Sachsen-Anhalt werden lediglich ein Drittel der hier benötigten Lehrer ausgebildet. Laut Vorsitzendem der Landes-Rektorenkonferenz darf es keine weiteren Sparmaßnahmen geben.
  • Die Martin-Luther-Universität in Halle muss jedoch drastisch sparen. Das würde sich auch auf die Ausbildung künftiger Ärzte auswirken.
  • Die Opposition im Landtag kritisiert finanzielle Situation an den Hochschulen.

Die am Mittwoch beschlossenen Sparmaßnahmen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) stellen die Ausbildung künftiger Lehrer in Sachsen-Anhalt vor weitere Probleme.

Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan - Rektor der Uni Magdeburg
Jens Strackeljan ist seit zehn Jahren Rektor der Magdeburger Universität. Bildrechte: Jana Dünnhaupt/Uni Magdeburg

Die Sparmaßnahmen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stellen die Ausbildung künftiger Lehrer in Sachsen-Anhalt vor weitere Probleme. Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz des Landes und Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Uni Halle sei die Universität im Land, an der Lehrer ausgebildet würden. Hier dürfe nicht gespart werden. "Wir bilden in Sachsen-Anhalt ungefähr ein Drittel von den Lehrerinnen und Lehrern aus, die wir bräuchten. Und wenn in Halle nochmal gekürzt wird, dann haben wir massiv ein Problem. Das darf nicht passieren", so Strackeljan. Bereits jetzt können Hunderte Lehrer-Stellen nicht besetzt werden.

Lehre leidet schon jetzt

Die 21-jährige Studentin Laura befürchtet, dass die Seminare in Halle größer werden, und dass die Kommunikation und die Qualität der Lehre leiden. "Was ich jetzt schon bemerke: In einigen Modulen werden nicht mehr so viele Übungen angeboten, weil viele studentische Mitarbeiter nur noch befristet arbeiten und viele befristete Verträge mittlerweile auch ausgelaufen sind", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT.

Die Kürzungen an der Martin-Luther-Universität An der halleschen Universität könnten laut Senatsbeschluss vom Mittwoch etwa 4.000 von rund 21.000 Studienplätzen – also knapp jeder fünfte Platz – gestrichen werden. Auch 25 von rund 355 Professuren könnten wegfallen, ebenso ganze Studiengänge. In den kommenden acht Jahren sollen damit insgesamt bis zu acht Millionen Euro an Personalkosten eingespart werden. Rektor Christian Tietje sagte, der Beschluss sei ein erster wichtiger Schritt, um finanziell wieder handlungsfähig zu werden.

Auch Ärztemangel wird sich verschärfen

Auch die Ausbildung dringend benötigter Ärzte ist laut dem Vorsitzendem der Landes-Rektorenkonferenz, Strackeljan, mit geringeren Finanzen nicht zu schaffen. Die Zahl der jetzt vorhandenen Studienplätze brauche es. "Wir haben eine Unterversorgung in den kommenden Jahren, das geht mit geringeren Finanzen nicht."

Strackeljan betonte, dass in Halle der Bestand umgebaut werden müsse. Die Hochschulen seien generell gefordert, agil zu sein und sich den Gegebenheiten anzupassen. "Das ist über Jahre nicht gemacht worden. Der MLU fehlt nun die Zeit. Jetzt kumulieren die Dinge. Wir haben Mehrausgaben für Energie usw. und das ist in der Tat schwierig", sagte Strackeljahn.

Uni-Rektor Prof. Dr. Christian Tietje stellte sich den Demonstranten auf der Kundgebung gegen das geplante Sparpaket an der Universität Halle.
Halles Uni-Rektor Christian Tietje bei Protesten im Februar 2022 Bildrechte: dpa

Proteste an der Uni Halle Schon 1999 gingen Studentinnen und Studenten in Halle auf die Straße, weil das Land die Gelder für alle Hochschulen kürzen wollte. Die halleschen Ingenieurswissenschaften wurden letztlich gestrichen. 2014 gab es erneut große Proteste, als das Land den Hochschulentwicklungsplan beschloss. Er legte fest, dass die Uni Halle 17 Millionen Euro einsparen muss. Bisher hat sie das nur unzureichend umgesetzt. Seitdem gibt es immer wieder Proteste, wenn neue Sparpläne auftauchen, wie beispielsweise massive Kürzungen bei der Agrar-Fakultät im Sommer 2021.

Folgen für die Stadt Halle

Auch für Halle hätte es spürbare Folgen, wenn tatsächlich 4.000 Studentinnen und Studenten weniger in der Stadt leben. Halle würde weniger Zweitwohnsitzsteuer einnehmen, die Kneipen und Klubs würden es spüren, ebenso Kinos, Theater und Museen. Außerdem würden dadurch auch weniger junge, innovative Menschen in der Stadt bleiben, um hier ihre berufliche Zukunft zu finden.

Opposition kritisiert Finanzausstattung der Hochschulen

Unterdessen haben die Oppositionsparteien im Landtag, Grüne und Linke, die finanzielle Situation an den Hochschulen Sachsen-Anhalts kritisiert. Grund ist, dass der Finanzausschuss zum Bereich Wissenschaft am Freitag den Antrag zur Verbesserung der Hochschulfinanzierung erneut abgelehnt habe, schreiben Vertreter der beiden Parteien. "Die Regierungskoalition von CDU-SPD-FDP zementiert auch im heutigen Finanzausschuss ihre ablehnende Position gegenüber den Bedarfen der Hochschulen im Land", sagte Olaf Meister, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Die Koalition solle die Grundfinanzierung aller Hochschulen um 22 Millionen Euro erhöhen.

"Die chronische Unterfinanzierung unserer Hochschulstandorte ist vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein fatales Signal", sagte der hochschulpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Hendrik Lange. Statt in die Zukunft von Wissenschaft und Bildung zu investieren, würde unter rein finanziellen Gesichtspunkten ein Kahlschlag an der Qualität und Diversität unserer Hochschulbildung vorgenommen, der "einzigartig ist in der Geschichte Sachsen-Anhalts".

MDR (Luise Kotulla, Karin Roxer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. April 2022 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Gotthelm Fugge vor 18 Wochen

#2:
Merkel - "60 Jahre Soziale Marktwirtschaft" - (20080612)
""Ich sage es in einem Satz:
Wir müssen die Bildungsrepublik DE werden.
Lehrer ist einer der wichtigsten Berufe in der Gesellschaft.
Wohlstand für alle heißt heute und morgen: Bildung ...
Ich selbst werde mich auch ganz persönlich dieser Sache annehmen, ... (weitere leere Worthülsen)""
Ihr zählbares Fazit nach 16 Jahren (nur auf diesem Sektor):
Nichts.
Im Gegenteil:
- Verschärfter Bildungsnotstand - Lehrermangel, eklatanter Bildungs-Quantitäts- & Qualitätsverfall [Pisa - "He-Alter-Fack-ju-Göhte-1&2&3"- 'Dichter & Denker' ?],
- atavistische Digitalisierung (Es lebe DAS Faxgerät!),
- et tutti quanti!
Schon Platon wußte um:
"Si vis pacem para bellum!"
- Nationale Verteidigung (2% BIP-NATO-Zusage ignoriert, Kardinalfehler: "Handel durch Wandel").
Ein Wumms-SPD-Scholz hat das im letzten Moment mit seiner 100-Milliarde-EUR-BW-Etat-Kehrtwende begriffen.
Wann begreift man diese gleiche Wertigkeit auch für Bildung & Forschung?

pwsksk vor 18 Wochen

Klingt für mich etwas hilflos, populistisch.
Erstens hat der Krieg viele "Väter", wenn wir ehrlich sind. Zweitens wurde in den Medien berichtet, dass wir alle sparen müssen, mit einem Augenzwinkern allerdings an Politiker gerichtet.
Und drittens habe ich von Studienrichtungen wie "Japanologie" gehört. Diese sind für mich auch überflüssig.

Soldaten Norbert vor 18 Wochen

Für Bildung fehlt das Geld in Deutschland, aber für Gott und die Welt werfen wir das Geld ( unser Geld) nur so aus dem Fenster. Und sie fordern immer mehr von uns.

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