Drohende Personalnot wegen Corona Situation in den Kliniken im Süden des Landes spitzt sich zu

In Halle werden aktuell mehr als 200 Corona-Patienten stationär behandelt, im Burgenlandkreis vermeldet der Landrat nur noch ein freies Intensivbett. Wegen drohender Personal-Engpässe suchen Kliniken dringend Helfer.

Die Uniklinik in Halle von außen
Die Uniklinik in Halle: Lage angespannt, aber unter Kontrolle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Lage in den Kliniken im Süden des Landes ist prekär, insbesondere in der Stadt Halle und im Burgenlandkreis. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sagte am Dienstag zur täglichen Pressekonferenz der Stadt, die Ampel stehe für vier von sieben Kliniken der Stadt (plus Merseburg) auf Rot. Mit den Kliniken sei er in Kontakt: "Es wird ein rechtzeitiges Signal an mich erfolgen, wenn keine Kapazitäten, sowohl personeller als auch sächlicher Art, mehr vorhanden sind."

Ein Mann gibt ein Interview.
Haben erhöhten Pflegeaufwand - Prof. Michael Gekle vom Uniklinikum Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie die Uniklinik in Halle MDR SACHSEN-ANHALT sagte, sei die Situation angespannt, aber unter Kontrolle. Prof. Michael Gekle sagte, dadurch dass alle Patienten mit bestätigten Corona-Infektionen isoliert untergebracht und versorgt werden müssten, enstehe ein erhöhter Pflegeaufwand. Zusätzlich sei das Klinikum mit Infektionen im eigenen Personal konfrontiert und es gebe Quarantäneanordnungen nach Kontakt mit Infizierten. Gekle: "Dadurch kommen wir in eine Situation, in der wir nicht so effizient wie sonst Patienten versorgen können. Beziehungsweise mit weniger Personal."

Trotzdem sei sichergestellt, dass auch alle anderen, die nicht aufgrund einer Sars-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert würden, versorgt seien, sagte Gekle. Jeden Tag treffe sich ein Pandemiestab von mehr als 15 Personen im Haus, um die Lage ständig neu zu bewerten.

Vorsorgliche Suche nach Helfern in einigen Kliniken

Inzwischen haben die Kliniken in Halle begonnen, vorsorglich Helfer zu suchen. Denn, sobald sich die Lage weiter zuspitzt, drohen Engpäse beim Personal. Das macht zum Beispiel das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in einem Aufruf besonders deutlich. Aktuell zählt die Stadt Halle 242,83 neue Infektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Von Montag auf Dienstag gab es 79 Neuinfektionen. Mehr als 200 Menschen werden aktuell im Krankenhaus behandelt.

Gesucht: Hilfe für Kliniken in Halle und fürs Impfzentrum in Zorbau

Zahlreiche Medizinstudierende wollen in der aktuell angespannten Pandemie-Lage im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara aushelfen. Einem Aufruf des Hauses sind binnen einer Woche rund 40 junge Menschen gefolgt. Das bestätigte ein Sprecher MDR SACHSEN-ANHALT.

Mit einigen seien bereits Verträge geschlossen worden, hieß es. Der Aufruf der Klinik gelte weiterhin, sagte der Sprecher – und er klingt dramatisch: "Bei einer weiteren Verschärfung der Pandemielage droht jedoch trotz modernster Ausstattung und flexibler Organisation auch unserem Haus die Personalknappheit." Die Ärzte und Pfleger seien bereit, an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Doch ohne Unterstützung würden sich die zusätzlichen Belastungen, die in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten seien, nicht bewältigen lassen. Gezielt werden Medizinstudierende gesucht. Interessen sollen sich melden bei: angela.bergmann​@krankenhaus-halle-saale.de

An der Uniklinik in Halle sind helfende Hände ebenfalls gesucht. Interessenten, egal, ob Arzt/Ärztin im Ruhestand oder Medizinstudiernde, jede helfende Hand sei im Moment gefragt. Kontakt über die Mailadresse aushilfe.covid@uk-halle.de melden.

Auch die Stadt Halle bietet einen Anlaufpunkt. In der Mitteilung der Stadt dazu heißt es, melden könnten sich "Ärzte und medizinisches Personal im Ruhestand, Medizinstudenten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Katastrophenfall". Oberbürgermeister Wiegand führte weiter aus, dass die Interessenten durch den Leiter der Abteilung Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, Dr. Robert Pulz, verteilt würden. Mail: ob@halle.de.

Im Burgenlandkreis braucht es Personal am Impfzentrum Zorbau, wie Landrat Götz Ulrich sagte. Aufgerufen sind alle, die im medizinischen Bereich oder im Verwaltungsbereich tätig sind, sich zu melden. Bisher habe es 34 Bewerbungen gegeben.

Im Burgenlandkreis zeigt sich Landrat Götz Urich, der im September selbst eine Corona-Infektion durchgemacht hat, besorgt über die aktuellen Zahlen – und darüber, wie es an den Kliniken aussieht an den drei Standorten Naumburg, Zeitz und Weißenfels. "Die Lage ist äußerst angespannt." Bei den 7-Tage-Inzidenzen steche besonders Zeitz heraus, mit der höchsten Zahl im Landkreis von 471. Dr. Irina Schmidt, Amtsärztin beim Burgenlandkreis, sagte, die Intensivbetten im Kreis seien ausgereizt. "An ITS-Betten steht aktuell nur eins in Weißenfels zur Verfügung."

Auch fehlten allein in den Kliniken in Naumburg und Zeitz 90 Personen bei Pflegern, Pflegerinnen und Medizinern, entweder weil sie selbst erkrankt seien oder weil Quarantäne bestünde. "Insofern ist es im Moment nicht möglich, weitere Patienten in großer Anzahl zu betreuen." Noch aber sei es möglich, auf freie Betten in anderen Teilen Sachsen-Anhalts auszuweichen, allerdings weniger im Süden, sondern vor allem im Norden, so dass Verlegungen von Patienten weiter möglich seien. Das koordinierten die Kliniken untereinander über die Uniklinik Halle, sagte Schmidt.

Am Schlachthof in Weißenfels – lange Zeit ein Hotspot im Burgendlandkreis – entspanne sich die Lage im Moment wieder, sagte Landrat Ulrich. "Die Fallzahlen gehen stetig zurück. Es gibt jetzt noch 70 Fälle, die im Kreis der am Schlachthof Beschäftigten als infiziert gelten." Ulrich sieht streng durchgehaltene Quarantäne und die regelmäßigen Reihentestungen als wirksam an.

Wiegand und Ulrich appellieren, aufs Böllern zu Silvester zu verzichten

Sowohl Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand als auch Götz Ulrich blickten bereits auf Silvester voraus und baten mit Blick auf die prekäre Lage an den Kliniken alle, die sonst gern knallen, Raketen steigen lassen und böllern, in diesem Jahr darauf zu verzichten. Götz Ulrich sagte, so könne eine Überlastung der Krankenhäuser im Burgenlandkreis verhindert werden. "Nicht auszudenken, wenn zu den vielen Covid-Patienten noch Patienten kämen, die dringende chirurgische Bedarfe haben oder auf die Intensivstation müssten." In Sachsen-Anhalt gilt ein Feuerwerksverkaufsverbot. Sofern noch gebrauchsfähige Vorräte vorhanden sind, wäre Böllern aber theoretisch erlaubt.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Dezember 2020 | 06:30 Uhr

7 Kommentare

No Name vor 29 Wochen

Und dann soll das pflegepersonal such noch 1500€ Coronaprämie bekommen und bis ende 2022 8,5% extragehalt.
Ähm ich glaube das ist nicht fair...die arbeiten jeden tag an ihren selben fleck der nahezu steril ist und haben schutzkleidung an.
Ich fahre jeden tag 30 werkstätten und autohäuser an lecke quasi jede Türklinge ab und habe schmutzhände, esse damit weil ich sie nicht wasche...will mir die regierung sagen das ich nicht gefährlich(er) lebe!??
Wieso bekomme ich keine coronazahlungen??
Normal müsste man aus protest seine arbeit niederlegen, dann können die werkstätten ihre autos nicht reparieren und es kommt keiner mehr auf arbeit ohne ihr auto.
Ich will damit sagen das jeder von jedem abhängig ist und nicht nur Krankenhäuser extrazahlungen erhalten sollten.

No Name vor 29 Wochen

Bei riesen Firmen wie der Post oder Amazon infiziert sich komischer Weise niemand....es sind immer die Altersheime oder Fleischmanufakturen, einfach nicht nachvollziehbar für mich.
Wo haben die sich angesteckt??

Ritter Runkel vor 29 Wochen

@ElBuffo
Wenn traditionelle Medien nicht mal in der Lage sind, ihre ureigenen Aufgaben wie Recherche und Überprüfen von Aussagen zu erledigen, teilweise sogar Zeitungsenten publizieren, warum soll der Leser ihnen dann Vertrauen schenken?
Genau dieser Vertrauensverlust ist mit ein Grund, warum Leute selbst den wildesten, unsinnigsten Quark auf Social Media Plattformen glauben, solange er dann auch schön mit dem eigenen Weltbild vereinbar ist.

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