Ermittlungen gehen weiter Nach Blutmanipulation in Halle: LKA will hunderte Proben kontrollieren

Nachdem eine Klinikmitarbeiterin in Halle gezielt Blutproben von Neugeborenen manipuliert hat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen sie. Außerdem sollen hunderte Proben kontrolliert werden.

Die gläserne Fassade eines Krankenhauses.
Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen eine ehemalige Klinikmitarbeiterin, die gezielt Blutproben manipuliert haben soll. Bildrechte: MDR/Matthias Schliesing

Nachdem in dieser Woche bekannt wurde, dass in einem halleschen Krankenhaus Blutproben Neugeborener manipuliert worden sind, will das Landeskriminalamt nun hunderte Proben untersuchen, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Die Klinik geht davon aus, dass insgesamt rund 800 Proben verfälscht worden sein könnten.

Währenddessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Halle gegen die mittlerweile entlassene Pflegerin des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara. Ihr wird gefährliche Körperverletzung und die Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Sie soll Blutproben von Neugeborenen entnommen, sie aber nicht ausgewertet haben. Stattdessen soll sie das Blut von Erwachsenen ins Labor geschickt haben. Ihr Motiv ist weiter unklar.

Klinikinterne Aufklärung

Parallel will die Klinik den Vorfall intern aufarbeiten. In einem offenen Brief an die Mitarbeitenden schrieb die Klinikleitung, man wolle nicht zulassen, dass die Arbeit aller Kolleginnen und Kollegen durch die Verfehlungen einer Einzelperson in Frage gestellt würden.

Ein Mann mit Brille vor gelbem Hintergrund
Hendrik Liedtke ist ärztlicher Direktor des Krankenhauses St. Elisabeth. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Wir werden (...) jegliche Maßnahmen prüfen und umsetzen, die erforderlich sind, um zukünftig eine Manipulation der Proben bestmöglich auszuschließen.

Krankenhausleitung in einem offenen Brief an die Mitarbeitenden

Der Fehler war laut Krankenhausleitung Anfang Oktober aufgefallen. Wie lange die ehemalige Mitarbeiterin manipuliert hat, ist unklar. Im schlimmsten Fall müsse man davon ausgehen, dass sie über die gesamte Zeit der Anstellung Blutproben gefälscht habe, sagte der ärztliche Direktor, Hendrik Liedtke. Das seien acht Jahre: "Dann müssten wir jetzt gezielt 800 Familien anschreiben und eine Nachkontrolle anfordern."

Patientensicherheit nicht gefährdet

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt sieht die Sicherheit von Patientinnen und Patienten in den Kliniken des Landes grundsätzlich nicht gefährdet. Der Vorsitzende der Landes-Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Schütte, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Qualitätsstandards in Kliniken seien sehr hoch. Er glaube nicht, dass es große Lücken gebe. Krankenhäuser würden intern und auch von außen geprüft sowie überwacht. Dazu gehörten unter anderem regelmäßige Hygienekontrollen und Qualitätskontrollen in den Operationssälen.

Ähnlich äußerten sich Vertreter der Krankenkassen. Axel Wiedemann von der BARMER Sachsen-Anhalt erklärte, die Kassen würden das Prinzip des Urvertrauens verfolgen. Ihnen werde vermittelt, dass die Krankenhäuser die entsprechenden Leistungen erbringen könnten und die dafür nötige Ausrüstung sowie das Personal hätten. Für die Sicherheit in den Kliniken seien diese selbst zuständig.

MDR/Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Oktober 2021 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

DER Beobachter vor 4 Wochen

Die Frage stelle ich mir auch und hoffe und denke, dass das LKA diese Möglichkeiten einschließlich Sektenzugehörigkeit und Verschwörungstum auf dem Schirm hat...

Culicoidea vor 4 Wochen

warum macht jemand so etwas? gehört die Tante einer Sekte an? sind das Esoteriker? Verschwörungsidioten? oder psychisch Erkrankte die selbst Hilfe brauchen?

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