Vor Schließung Halle: Die letzten Nächte in der Schorre

Sie ist Teil der Stadtgeschichte: Seit 157 Jahren gibt es die Schorre in Halle. Doch am Wochenende öffnet die älteste und größte Disko der Stadt zum letzten Mal. Zwei Partys wird es am Samstag noch geben, dann schließt die Schorre – vorerst. Am neuen Standort soll weitergefeiert werden. Wann, ist unklar.

Menschen feiern in der Disko Schorre in Halle
In der Schorre wird am Wochenende zum letzten Mal gefeiert. Dann schließt Halles Kultdisko. Bildrechte: Schorre Halle

In Halle geht im wahrsten Sinne des Wortes eine Ära zu Ende. Am Wochenende finden die letzten beiden Veranstaltungen in der Schorre statt. Danach schließt die älteste und größte Disko der Stadt nach 157 Jahren. Unter dem Motto "One Last Dance – Der Letzte Tanz" wird es am Freitag und am Samstag eine riesige Abschlussparty inklusive Lasershow und Konfettiregen geben.

Eventmanager Denny Schmidt erzählt, was die Gäste erwartet:

Schließung bewegt Halle

Die Schorre hat nicht nur eine lange, sondern auch eine prominente Geschichte. 1991 war die weltbekannte Band Nirvana als Vorband für Sonic Youth in Halle. Damals war Nirvana noch relativ unbekannt. Das änderte sich als einen Monat nach dem Auftritt das Album "Nevermind" erschien. Auch Die Ärzte und Rammstein waren in der Schorre zu Gast. Die Schließung bewegt die Hallenserinnen und Hallenser.

MDR-Redakteur Uli Wittstock war beim Nirvana-Konzert dabei:

Mehr als 150-jährige Geschichte

Die Schorre hieß früher mal Bellevue und war schon im 19. Jahrhundert ein Veranstaltungsort. 1890 hieß das Lokal "Zum Hofjäger". In dem Jahr fand ein SPD-Parteitag mit August Bebel in der Location statt, bei dem sich die Partei ihren heutigen Namen gab. Zu DDR-Zeiten war die Schorre als "Jugendklubhaus Philipp Müller" bekannt.

MDR-Redakteurin Dagmar Böddeker spricht über die Geschichte der Schorre und erinnert sich an ihre Besuche dort:

Es wird weiter gefeiert

Aus der angestammten Adresse der in der Willy-Brandt-Straße muss die Schorre ausziehen. Der neue Hauseigentümer hatte den Mietvertrag im vergangenen Jahr zunächst zum 31. März 2022 gekündigt. Ein neues Wohnquartier soll an der geschichtsträchtigen Stelle entstehen.

Doch ganz verschwinden wird die Schorre nicht. Das Team hat sich eine ehemalige Druck- und Lederfarben-Fabrik in Halle-Ammendorf als neuen Standort ausgesucht. Der große Backsteinbau im Süden der Stadt steht seit 1994 leer. Bis dort wieder gefeiert und getanzt werden kann, wird es aber noch eine Weile dauern. Das Gebäude muss umfassend saniert werden. Der Bauvorantrag ist bereits gestellt. Die Schorre-Team wartet aber noch auf die Genehmigung durch das Bauordnungsamt.

MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Mai 2022 | 07:10 Uhr

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