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In der halleschen Marktkirche ist unter anderem Luthers Totenmaske ausgestellt. Nach der Sanierung hofft die Gemeinde auf jährlich rund 100.000 Besucher. Bildrechte: IMAGO/Steffen Schellhorn

Restaurierung fast abgeschlossenSanierung der Marktkirche in Halle dauert länger

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 27. April 2022, 11:56 Uhr

Die markante Kirche mit den vier Türmen auf dem halleschen Marktplatz ist fast fertig saniert. Es gibt nun Fußbodenheizung, neue Beleuchtung, eine Toilettenanlage samt behindertengerechtem WC und Wlan. Die Bauarbeiten an der Kirche aus dem 16. Jahrhundert dauern allerdings länger als geplant. Eigentlich sollte Ende April alles fertig sein.

Die Sanierung der Marktkirche in Halle dauert länger als geplant. Eigentlich sollten alle Arbeiten bis Ende April abgeschlossen sein. Wie das Büro der Kirchengemeinde MDR SACHSEN-ANHALT sagte, gibt es Verzögerungen wegen der Corona-Pandemie, schwierigen Ausschreibungen und explodierenden Preisen. Für Juni ist die Wiedereröffnung mit einem Festwochenende geplant.

Marktkirche wurde "kulturell aufgewertet"

Pfarrerin Simone Carstens-Kant ist stolz auf "ihre" Kirche. Bildrechte: dpa

Seit rund 50 Jahren ist es die erste umfangreiche denkmalpflegerische Sanierung und Restaurierung der Kirche. "Das Gotteshaus als Wahrzeichen der Stadt ist ein kulturell aufgewerteter Ort geworden", sagte Pfarrerin Simone Carstens-Kant. "Nach der Sanierung gibt es jetzt auch Dinge, die für Besucher wichtig sind, wie eine moderne Beleuchtung. Es ist doch sehr angenehm, ein Konzert zu hören, mit den Augen wandern zu können und die Kunstgegenstände in der Kirche im rechten Licht zu sehen."

Neu in der Kirche sind demnächst:

  • die elektronisch gesteuerte Beleuchtungsanlage
  • Wlan
  • ein Informationstresen im Kirchenraum
  • eine Toilettenanlage mit behindertengerechtem WC
  • Barrierefreiheit im Kirchenraum
  • eine Fußbodenheizung
  • Hörschleifen im Fußboden für Hörgeschädigte

Hoffen auf 100.000 Besucher

Die Marktkirchen-Gemeinde hofft, dass nach der Sanierung jährlich rund 100.000 Menschen die Kirche auf dem Marktplatz besuchen werden. Vor der Pandemie waren es rund 60.000. Neben den Gottesdiensten soll es künftig neue Angebote wie Theaterprojekte geben, außerdem könnten zunehmend Chöre und Orchester hier auftreten.

Die MarktkircheDas Gotteshaus auf dem Marktplatz in Halle entstand als letzter spätgotischer Bau der Stadt inmitten der Reformation zwischen 1529 und 1554. Ursprünglich gab es zwei hintereinanderstehende Kirchen mit jeweils zwei Türmen. Kardinal Albrecht (1490 bis 1545) ließ beide Kirchen, außer den Türmen, abreißen und dazwischen ein neues Kirchenschiff bauen.

Auch kunstvolle Holzelemente in der Marktkirche mussten restauriert werden. Sie ist einer der wichtigsten spätgotischen Kirchenbauten in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Kosten bei vier Millionen Euro

Die Arbeiten im Kirchenschiff der halleschen Marktkirche sind fast abgeschlossen. Bildrechte: dpa

In die Sanierungsarbeiten der vergangenen beiden Jahre sind rund vier Millionen Euro geflossen. Ein großer Teil des Geldes kam vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Der Zuschlag war nach einem Ideenwettbewerb im Rahmen der EU-Strukturfondsförderung zur nachhaltigen Nutzung des kulturellen Erbes bewilligt worden.

Architektin Claudia Cappeller sagte: "Die Gewölbesicherung in der Kirche ist nur ein Baustein des Ganzen. Hauptziel war es, den kulturellen Wert der Kirche zu steigern, mehr Touristen anzuziehen, mehr Veranstaltungen und andere Ausstellungskonzepte zu präsentieren."

Gebetsstübchen zugänglich

Ausstellungen soll es auch in kleinen, besonderen Räumen der Marktkirche geben. Sie besitzt zwölf von außen zugängliche Gebetsstübchen. Diese wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg nachträglich angebaut und an wohlhabende Bürger vermietet. "Das haben nicht viele Kirchen, und mit einem neuen Konzept ist es gelungen, eine Verbindung zum öffentlichen Raum zu schaffen, ohne dass die Kirche angetastet wird", so Architektin Cappeller.

So sind derzeit die Totenmaske Luthers und die Abgüsse seiner Hände zu sehen. Bildrechte: imago/epd

In den Stübchen soll es Präsentationen zum Reformator Martin Luther, der Baugeschichte der Marktkirche und zur friedlichen Revolution 1989 in Halle geben. Zudem werden in der historischen Sakristei die Totenmaske und der Abdruck der Hände von Luther neu präsentiert. Der Leichnam Luthers war im Februar 1546 in der Marktkirche aufgebahrt worden. Wenige Tage zuvor hatte der Reformator noch in der Marktkirche gepredigt.

Türme senken sich millimeterweise ab

Die westlichen Kirchtürme senken sich jedes Jahr um einige Millimeter. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Ein Problem bleibt jedoch auch in Zukunft: Die beiden westlichen Kirchtürme senken sich aufgrund der Bodenbeschaffenheit Jahr um Jahr um einige Millimeter. "Das kann man nicht aufhalten, die Türme werden aber nicht einstürzen. Die Bauhaus Uni in Weimar dokumentiert das, und deshalb brauchen wir jetzt auch Wlan in der Kirche", sagte Pfarrerin Simone Carstens-Kant.

So ist die Kirche momentan geöffnet:Jeden Sonntag gibt es 10 Uhr einen Gottesdienst.

Dienstags ist die Kirche von 15:30 bis 17 Uhr geöffnet, Orgelmusik wird zwischen 16 und 16:30 Uhr gespielt.

Donnerstags ist die Kirche von 11:30 bis 13 Uhr geöffnet, Orgelmusik wird zwischen 12 und 12:30 Uhr gespielt.

Samstags ist die Kirche von 11:30 bis 13 Uhr geöffnet.

Zudem gibt es täglich 18 Uhr ein Friedensgebet.

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dpa, MDR (Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. April 2022 | 16:30 Uhr

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