Großeinsatz Nach Schlägerei in Halle: Polizei prüft Hetzkommentare

Am Donnerstag sind mehrere Männer, überwiegend mit Migrationshintergrund, in Halle-Neustadt aufeinander losgegangen. In sozialen Netzwerken werden Videos des Vorfalls nun hämisch kommentiert. Statt nur zur Tat selbst muss die Polizei darum auch zu Hetzkommentaren im Netz ermitteln.

Ein Polizist steht vor einem Auto mit Blaulicht.
Nach einer Massenschlägerei ermittelt die Polizei zu den Hintergründen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Ein wackeliges Handyvideo, auf Facebook hochgeladen, zeigt verschwommen die Szenen vom Donnerstagabend in Halle-Neustadt: Mehrere Männer rennen die Richard-Paulick-Straße nahe des Einkaufszentrums in Halle-Neustadt entlang. Sie rufen laut – und werden handgreiflich.

Die Polizei gibt später an, dass mindestens 20 Männer aus zwei Gruppen aufeinander losgegangen sind, die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund. Werkzeuge wie Maler-Teleskop-Stäbe seien als Schlagwaffen eingesetzt worden. Laut Polizei zogen sich vier Beteiligte leichte Verletzungen zu, die ambulant versorgt wurden.

Soziale Netzwerke in der Polizeiarbeit: Fluch und Segen

Grundsätzlich helfen der Polizei Videos, die von der Schlägerei aufgenommen wurden, bei den Ermittlungen. Dadurch können die Beamten sehen, was passiert ist, ohne vor Ort gewesen zu sein. Eigentlich müssten soziale Medien also für die Polizeiarbeit ein Vorteil sein. Tatsächlich bedeuten sie aber auch einen immer größeren Ermittlungsaufwand. Der Pressesprecher des Polizeireviers in Halle, Thomas Müller, erklärte MDR SACHSEN-ANHALT:

Soziale Medien werden bei Ermittlungen immer mit beachtet. Und wir prüfen auch Kommentare darauf, ob ein Straftatbestand vorliegt.

Pressesprecher Thomas Müller Polizeirevier Halle

Dies sei ein Aufwand, der zur normalen Polizeiarbeit hinzukomme. Im konkreten Fall hatte das erwähnte Video bereits sieben Stunden, nachdem es hochgeladen wurde, mehr als 170 Kommentare. Viele davon sind hämisch bis rassistisch. Personen, die im Video zu sehen sind, werden unter anderem mit Tieren verglichen.

Mehrere Festnahmen – Schlagwerkzeuge gefunden

Hasskommentare können etwa Beleidigungen, Bedrohungen oder Aufrufe zu Straftaten enthalten. Das Bundeskriminalamt hat eine Meldestelle für Hass im Netz eingerichtet. Dort kann auf entsprechende Vorfälle aufmerksam gemacht werden.

In Halle hat die Polizei mehrere Verdächtige vorläufig festgenommen. Nach ersten Ermittlungen wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei einigen von ihnen waren unter anderem "Schlagwerkzeuge" gefunden worden.

Mehr zu Hass und Hetze im Netz

MDR (Paula Kautz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Februar 2022 | 14:30 Uhr

8 Kommentare

der Vielfaltige vor 39 Wochen

Es muss knallhart gegen die widerliche rechte Hetze im Netz vorgegangen werden. Hier sind die Höchststrafen, bis zu 5 Jahre Haft, im Schnellverfahren anzuwenden!

Anita L. vor 39 Wochen

Die Definition, was Hass im Netz angeht, ist zum Glück nicht Ihre Aufgabe, Haller. Und bevor Sie mich fragen, nein, auch nicht meine. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum.

Anita L. vor 39 Wochen

Wieso sollte "Europa" oder "Deutschland" irgendetwas machen? Die bestehenden sozialen Netzwerke wurden nicht von "Ausland" gegründet, auch nicht von den USA, China oder Russland. Solange also kein Deutscher, Pole, Finne, Franzose,... eine konkurrenzfähige Plattform entwickelt, werden Sie weiterhin das vorhandene Angebot nutzen oder das digitale Netz ausschalten müssen. Oder Sie entwickeln selbst eins.


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