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Bundesweit haben Menschen Probleme, wenn es darum geht, digitale Inhalte richtig einzuordnen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Westend61

Fake News und Co.Wie eine Initiative in Sachsen-Anhalt mehr Medienkompetenz schaffen will

von Annekathrin Queck, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 26. Februar 2022, 17:20 Uhr

In Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien wird die Fähigkeit, digitale Inhalte richtig einzuordnen, immer wichtiger. Aktuelle Studien zeigen, dass es in Deutschland noch deutlichen Nachholbedarf gibt. In Sachsen-Anhalt will eine Initiative für mehr Aufklärung sorgen. Wie das gelingen soll.

Wenn man in Halle mit der Straßenbahn bis zum Landesmuseum für Vorgeschichte fährt, sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß bis zum Netzwerk Medienkompetenz in der Reichardtstraße. Das Netzwerk Medienkompetenz ist ein Projekt des Landes Sachsen-Anhalt und der Medienanstalt, das 2012 ins Leben gerufen wurde. Dort kann man in Schulungen beispielsweise etwas über Messengerdienste wie WhatsApp und Telegram lernen oder sich mit sozialen Netzwerken beschäftigen. Es gibt aber auch Angebote zu Programmen wie Photoshop und grundlegende Kurse zur Internetnutzung. Auch private Einrichtungen und Volkshochschulen in Sachsen-Anhalt machen dazu Angebote.

Ein Schulungsraum des Netzwerks Medienkompetenz in Halle. Bildrechte: MDR / Annekathrin Queck

Alexander Karpilowski vom Netzwerk Medienkompetenz erklärt, dass die Einrichtung häufig von Schulen angefragt wird und dann Kurse mit Eltern macht. Manchmal meldeten sich auch Firmen. Leider sei ein generelles Problem, dass viele Erwachsene neben Beruf und Familie wenig Zeit für Weiterbildungen hätten.

Falschinformationen erkennen

Dabei sei es besonders für Erwachsene wichtig, dass sie Kurse zur digitalen Nachrichtenkompetenz besuchen, also die Fähigkeit erwerben, im Netz Inhalte richtig einzuordnen. Beinahe jeder zweite Deutsche hat nämlich Schwierigkeiten damit. Das hat eine Studie der Stiftung "Neue Verantwortung" herausgefunden. Die Kompetenz wurde darin mit dem Alter signifikant schlechter. Das heißt: Weder junge noch alte Menschen haben in Deutschland eine gute digitale Nachrichtenkompetenz, aber bei den Erwachsenen ist das Problem besonders akut.

Alexander Sängerlaub, Direktor der Denkfabrik "FuturEins", hat an der Studie mitgearbeitet. In seinen Augen ist die größte Gefahr, dass wir trotz des Zugangs zu beinahe unbegrenzten Informationen künftig in einer Gesellschaft der Uninformiertheit oder sogar Desinformiertheit leben könnten.

Über unser Smartphone erreichen uns täglich tausende Nachrichten. Bildrechte: dpa

Forderungen an Politik und Medien

Sängerlaub macht deutlich, dass er nicht die Menschen kritisiert, sondern vor allem eine fehlende Initiative von Politik und Medien, etwas an der Situation zu verändern. Heute müsse man viele Kompetenzen mitbringen, die früher keine Rolle gespielt hätten. Früher, bevor es das Internet gab, bereiteten Journalisten den Großteil der Inhalte auf, die die Bürger erreichten, sortierten und selektierten sie. Heute sieht man sich auf einmal einer riesigen Informations- und Nachrichtenflut gegenüber und muss alles selbst einordnen können.

Anna-Katharina Meßmer, die die Studie geleitet hat, sieht hinter den Ergebnissen ein gesamtgesellschaftliches Problem. Weil die Politik die Interessen von Menschen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen so wenig berücksichtigen würde, entstehe ein Misstrauen Medien und Politik gegenüber, das wiederum zu niedrigen Kompetenzwerten führe.

Bildungsangebote reichen nicht

Verbessern kann man die Situation laut Meßmer nicht in erster Linie mit zusätzlichen Bildungsangeboten, sondern, indem man zuerst die gesellschaftlichen Brüche ausgleicht.

Alexander Sängerlaub fordert, dass Medienhäuser ihren Nutzern vermehrt Angebote zur digitalen Nachrichtenkompetenz machen. Außerdem sei es wichtig, so Anna-Katharina Meßmer, dass man verstärkt versuche, die Inhalte so verständlich zu gestalten, dass sich jeder angesprochen fühle. Es lässt sich also festhalten: Obwohl es Bildungsangebote gibt, haben viele Menschen in Deutschland große Schwierigkeiten, Informationen im Internet richtig einzuordnen. Dahinter steht ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das es dringend politische Maßnahmen braucht.

Das Netzwerk Medienkompetenz berät nach eigenen Angaben rund 1.700 Teilnehmende im Jahr bei rund 300 landesweiten Angeboten. In der Corona-Pandemie waren es aber weniger.

Um die eigene Nachrichtenkompetenz zu prüfen, hat die Stiftung mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung einen Test bereitgestellt.

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MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Dezember 2021 | 13:40 Uhr

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