Mordprozess auf Teneriffa Hallenserin getötet: Geschworene halten Angeklagten für schuldig

Ein Deutscher aus Sachsen-Anhalt ist schuldig, einen Doppelmord und einen Mordversuch begangen zu haben. Der Richter muss nun die Höhe der Haftstrafe festlegen. Die Verteidigung will Berufung einlegen.

Der festgenommene Familienvater wird von Polizisten nach einer Hausdurchsuchung abgeführt.
Der festgenommene Familienvater wird von Polizisten nach einer Hausdurchsuchung abgeführt. (Archiv) Bildrechte: dpa

Ein Deutscher aus Sachsen-Anhalt ist im Sinne der Anklage des Doppelmordes und Mordversuchs in einem Fall schuldig gesprochen worden. Das teilten die Geschworenen in einem Strafprozess vor dem Landgericht in Santa Cruz de Tenerife am Freitag mit. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen.

Außenansicht des Gerichtsgebäudes in Santa Cruz de Tenerife.
Das Gerichtsgebäude in Santa Cruz de Tenerife (Archivbild) Bildrechte: dpa

Der Angeklagte habe nicht in einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt, wie es die Verteidigung vorgebracht hatte. Die Tat sei besonders grausam gegen Familienmitglieder und mit Heimtücke begangen worden. Dies sind Mordmerkmale nach dem spanischen Strafrecht.

Verteidigung will Berufung einlegen

Das Gericht muss nun aufgrund der Entscheidung der Geschworenen das Strafmaß festlegen. Dem Mann droht eine lebenslange Freiheitsstrafe, die erst nach 25 Jahren überprüfbar ist. Die Verteidigung betonte vor Gericht, dass sie nicht mit dem Urteil der Geschworenen einverstanden sei. Sie hatte für diesen Fall schon zuvor angekündigt, Berufung einzulegen.

Laut Anklage hatte der auf Teneriffa lebende Mann seine von ihm getrennt in Halle lebende Frau und die beiden damals zehn und sieben Jahre alten Söhne bei einer Wanderung im Süden der Insel zu einer abgelegenen Höhle geführt. Dort habe er die Frau und den älteren Sohn erschlagen. Der Siebenjährige konnte rechtzeitig fliehen und war der wichtigste Zeuge.

Angeklagter behauptet, er hatte Todesangst

Zum Prozessauftakt am Dienstag vergangener Woche hatte der Angeklagte geltend gemacht, er könne sich nur bruchstückweise an die Tat erinnern. Teils unter Tränen hatte er beteuert, "in Todesangst" und in verwirrtem Zustand auf eine unbegründete gewalttätige Attacke seiner Frau reagiert und "Steine zurückgeworfen" zu haben. Gegen Schmerzen und Depressionen habe er damals Medikamente genommen, auch Morphium. Sachverständige hatten jedoch betont, diese Medikamente hätten nicht zu einer höheren Aggression geführt.

dpa, MDR (Hanno Bauer, Thomas Zieler, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 04. Februar 2022 | 16:00 Uhr

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