Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben

Inspiriert von BachFilmreihe zeigt das musikalische Sachsen-Anhalt

27. Juni 2024, 18:23 Uhr

Das Netzwerk Musikland Sachsen-Anhalt hat sich zum Ziel gesetzt, stärker auf die Vielfalt musikalischer Aktivität im Land aufmerksam zu machen. Das neuste Projekt heißt #volltemperament - eine Kurzfilmreihe, die an Johann Sebastian Bach anknüpft. Seit Dienstag sind die Clips online zu finden. Sie sollen eine Art digitale Landkarte der Musikkultur in Sachsen-Anhalt sein.

Dabei sein, wenn in Halberstadt beim John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt ein Tonwechsel geschieht – das geht aller Jubeljahre einmal, das nächste Mal im August 2026. Jetzt ist es aber auch filmisch möglich, dem letzten Tonwechsel beizuwohnen. Der fand im Februar 2024 statt und ist Ausgangspunkt für einen der Kurzfilme, die unter #volltemperament eine Art Landkarte der Musikkultur in Sachsen-Anhalt zeichnen sollen.

Uns ist wichtig, dass wir auf verschiedene, künstlerische Weise von diesem Musikland Sachsen-Anhalt erzählen.

Anett Krause, Geschäftsführerin von Musikland Sachsen-Anhalt

Das Projekt #volltemperament ist bei Youtube zu finden, wo in kurzen Filmen musikalische Projekte aus Sachsen-Anhalt vorgestellt werden. Bildrechte: Tim Schulz

Videos zeigen Musiktradition zwischen Tangermünde und Köthen

Die erste Staffel schwenkt von Halberstadt über Gardelegen und Tangermünde nach Köthen – und somit vom langsamsten Orgelspiel der Welt über den Couplet-Komponisten Otto Reutter und der ältesten spielbare Orgel des Landes bis zum Bach-Lab im barocken Schloss, wo junge Musiker am historischen Ort den Spirit des Meisters in neue Kompositionen und Interpretationen gießen.

Dass der große Barockmeister in seinen Köthener Jahren 1717 bis 1723 nicht nur Teile seiner "Brandenburgischen Konzerte", sondern auch den Zyklus "Das wohltemperierte Klavier" komponierte, nehmen die Macherinnen und Macher der Filmreihe zum Ausgangspunkt für ihr vom Land Sachsen-Anhalt finanziertes Projekt. In 24 Variationen wollen sie einen Rundgang durch das an lebendiger Musiktradition so reiche Land machen. Nach und nach füllt sich mit den auf drei bis fünf Minuten angelegten Filmen ein Mosaik, das schlussendlich nach etwa zwei Jahren ein filmisches Zeitbild dieser Musiklandschaft präsentieren soll.

Kulturschaffende aus Halle

"Dieses Projekt ist eins, mit dem wir selbst etwas komponieren", so Anett Krause, Geschäftsführerin des Netzwerkbüros Musikland Sachsen-Anhalt, bei MDR KULTUR. "Uns ist wichtig, dass wir auf verschiedene, künstlerische Weise von diesem Musikland Sachsen-Anhalt erzählen." Es gehe nicht nur darum, Musik abzufilmen, sondern das erzählerische Moment des Films zum Gestaltungsprinzip machen.

Für die Realisation des Projektes konnten die Autorin Helen Hahmann und der Filmproduzent Eike Goreczka gewonnen werden. Die in Halle lebende Hahmann hat zur Tradition des Jodelns im Harz promoviert, lange für das nichtkommerzielle Radio Corax gearbeitet. Sie produziert unter anderem für den Bayerischen Rundfunk Sendungen mit weltmusikalischen Themen. Auch Goreczka hat mit seiner Firma 42film seinen Stammsitz in Halle und ist bestens vertraut mit der Kulturszene Sachsen-Anhalts. Er sagte MDR KUTLUR, ihm komme es vor allem darauf an, die Filme jeweils als eigene Klangkunstwerke zu inszenieren.

Helen Hahmann und Eike Goreczka haben die Kurzfilme für #volltemperament des Musiklands Sachsen-Anhalt produziert. Bildrechte: transmedial / 42film

Für uns steht die Musik im Vordergrund, das Erfahrbare, das Sinnliche.

Eike Goreczka, Filmproduzent

Orgelmusik soll künstlerisches Interesse wecken

So schwingt zum Beispiel im Film über das John-Cage-Projekt in Halberstadt während der gesamten Laufzeit unterschwellig der aktuelle Orgelton mit. Rainer Neugebauer, der künstlerische Leiter des "ORGAN² / ASLASP"- Projektes erzählt von der hintersinnigen Philosophie des John-Cage-Projekts, von der auf 639 Jahre angelegten Tonfolge in der Burchardi-Kirche. Währenddessen ist zu sehen, wie der Tonwechsel vom Februar 2024 vorbereitet wird, wie sich ein neugieriges Publikum um das Klangwerk versammelt, wie sich eine gewisse Andacht auszubreiten scheint. Dann der Tonwechsel, das Umstecken einer Orgelpfeife – auf Schwarzbild. Der neue Klang entfaltet sich – auf ihn kommt es an.

Der Tonwechsel beim John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt in Halberstadt findet immer mit großem medialem Interesse statt. Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

Natürlich könne man tagelang über John Cage sprechen, sagt Goreczka, über die Hintergründe, über seine Musikkonzepte. "Das ist aber nicht Sinn und Zweck unserer Filme." Der Film versuche, den informativen Gehalt bewusst klein zu halten. "Für uns steht die Musik im Vordergrund, das Erfahrbare, das Sinnliche."

Die Filme von #volltemperament werden nun nach und nach auf dem Youtube-Kanal vom Musikland Sachsen-Anhalt online gestellt. Auch auf anderen Plattformen wird dafür geworben. So soll in den Sozialen Medien die Neugier auf die vielfältige Musikkultur in Sachsen-Anhalt geweckt werden. Denn wer sich für John Cages Orgelwerk mit der Spielanleitung "ASLASP (As slow as possible)" interessiert, der wird vielleicht auch Renaissance-Musik in Wittenberg genießen wollen oder sich für ein Orgelfest rund um die 400 Jahre alte Hans-Scherer-Orgel in Tangermünde interessieren.

Musikland Sachsen-Anhalt ist ein Netzwerk, das die Vielfalt musikalischer Aktivitäten im Land aufmerksam machen möchte. Bildrechte: Musikland Sachsen-Anhalt

Quellen: MDR KULTUR (Tobias Barth), Musikland Sachsen-Anhalt
Redaktionelle Bearbeitung: bh

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 25. Juni 2024 | 17:30 Uhr