Neue Erkenntnisse vorgestellt Himmelsscheibe von Nebra hatte ursprünglich andere Farbe

Mit einem aufwendigen bildgebenden Verfahren ist die Oberfläche der mehr als 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra analysiert worden. Jetzt steht fest, dass insgesamt drei oder vier Handwerker an ihr gearbeitet haben. Zudem soll die Scheibe ursprünglich schwarz gewesen sein. Dafür wurden Hunderte von Einzelbildern untersucht.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
Die Himmelsscheibe ist der Star des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Bildrechte: dpa

Untersuchungen der Himmelsscheibe von Nebra mit modernster Technik haben neue Erkenntnisse über deren Entstehung erbracht. Im spanischen Barcelona waren in monatelanger Kleinarbeit hunderte Bilder am Computer ausgewertet worden. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in Halle vorgestellt.

Der beteiligte Wissenschaftler Roberto Risch von der Universität Barcelona sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe bestimmen können, dass mehrere Handwerker - insgesamt drei oder vier - an der Himmelsscheibe gearbeitet hätten. Das sei aus seiner Sicht das wichtigste und verblüffendste Ergebnis der Untersuchungen. Jeder einzelne Meister habe andere Werkzeuge benutzt und andere Entscheidungen getroffen. Das gebe Aufschluss über die zeitliche Folge der Bearbeitung. Laut Risch beweist das auch die anfängliche Hypothese, dass die Himmelsscheibe nicht in einem einzigen Prozess, sondern über viele Jahre entstanden ist.

Himmelscheibe von Nebra war ursprünglich schwarz

Aussichtsturm an der Fundstelle der Himmelsscheibe von Nebra
Der Aussichtsturm an der Fundstelle der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Landesarchäologe Harald Meller fügte hinzu, dass eine weitere bisherige Annahme belegt werden konnte. Demnach habe die Himmelsscheibe ursprünglich einmal schwarz ausgesehen. Dafür sei sie mehrmals durchgeglüht worden. "Das wäre ja merkwürdig, wenn goldene Sterne auf einer goldenen Scheibe gewesen wären. Und da hatten wir als Hypothese, dass sie gefärbt war", so Meller. Die Scheibe habe eine silber-nachtblaue Farbe gehabt, die die Wissenschaftler nun sichtbar machen konnten. "So wissen wir: Die Himmelsscheibe war nachtschwarz", so Meller.

Die bislang verborgenen Spuren wurden mit Hilfe modernster Technik in hochauflösenden Aufnahmen sichtbar gemacht. Experten konnten so die komplette Oberfläche der Himmelsscheibe neu analysieren.

Neue Ausstellung in Halle

Um Zweifeln am hohen Alter der Himmelsscheibe zu begegnen, werden immer raffiniertere Analysemethoden eingesetzt. Die Forschungsarbeiten sind auch Teil der Vorbereitungen für die kommende Landesausstellung "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra. Neue Horizonte" ab 4. Juni 2021 im halleschen Landesmuseum für Vorgeschichte.

Die Himmelsscheibe von Nebra zeigt die weltweit bisher älteste bekannte Abbildung von Sonne, Mond und Sternen. Sie stammt aus der Bronzezeit und soll mehr als 3.600 Jahre alt sein.

Dreharbeiten von Lexi-TV im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, anlässlich 15 Jahre Erforschung der Himmelsscheibe von Nebra. 1 min
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Mi 03.07.2019 15:29Uhr 01:00 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/video-316322.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR/Theo M. Lies, Frank Nowak, Laura Janke, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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