Projekt beginnt mit Bandcontest "Neustart Kultur" mit Sommer-Konzerten in Halle

Nach einem Jahr Corona-Pause gibt es auch in Halle wieder Konzerte. Mit einem Bandcontest für junge Bands startet die Kultur-Branche in den Sommer. Die Newcomer werden am Mittwoch vor bis zu 800 Zuschauern auftreten. Das Konzert ist Teil der Reihe "Neustart Kultur". MDR SACHSEN-ANHALT stellt das Projekt und die vier Bands vor.

Blacktane, Crazy J, Kachel, Svenja Sörensen
Diese halleschen Künstler treten beim Bandcontest auf der Pferderennbahn auf, der Teil des Programms "Neustart Kultur" ist. Bildrechte: Blacktane/Crazy J/Kachel/Svenja Sörensen

Der Contest

Vier Bands, jeweils eine halbe Stunde Zeit auf der Open Air Bühne, bis zu 800 Konzertgäste. Bands und Einzelkünstler aller Genres konnten sich bewerben, am Mittwochabend treten nun die von einer Jury ausgewählten Musiker auf der Pferderennbahn in Halle auf, mit Musikrichtungen von Indie bis Hard Rock. Dann wird endlich wieder Musik unter freiem Himmel in Halle zu hören sein.

Großes Wagenrennen auf der Pferderennbahn in Halle
Wo sonst Pferderennen stattfinden, spielen am Mittwoch junge Bands. Bildrechte: IMAGO

"Die Stadt freut sich auf den Sommer und wir möchten junge, lokale Talente fördern und ihnen eine Plattform bieten", so die hallesche Konzertagentur Känguruh Production, die das Ganze organisiert. So ist es nur folgerichtig, dass alle Künstlerinnen und Künstler in Halle wohnen und ihre Songs auch selbst schreiben. Das Set der Bands besteht komplett aus eigenen Songs, die meisten davon waren noch nie live zu hören.

Der Ablauf

Jeder Konzertbesucher bekommt am Mittwochabend einen Stimmzettel. Nachdem alle Bands gespielt haben, vergibt jeder die Plätze eins bis vier. "Parallel wird sich die Jury beraten und das Gleiche machen. Das Publikum zählt 50 Prozent, die Jury zählt 50 Prozent und daraus ergibt sich die Gesamtplatzierung", erklärt Johanna Bratke vom Veranstalter.

Für die ersten drei Plätze beim Bandcontest, die von Publikum und Jury ausgewählt werden, gibt es dann neben Ruhm auch Preisgeld, der Erstplatzierte bekommt 1.500 Euro. Das ist laut Johanna Bratke von Känguruh Production durch die Förderung durch den Bund möglich, der das milliardenschwere Programm "Neustart Kultur" aufgelegt hat und auch "Neustart Kultur" in Halle fördert. 

Musikreihe "Neustart Kultur"

"In 'normalen' Zeiten haben wir allein in Halle etwa 100 Veranstaltungen im Jahr", erzählt Johanna Bratke von der Konzertagentur Känguruh Production MDR SACHSEN-ANHALT. Der Bandcontest ist nun das erste Konzert-Open Air, das die etwa zehn Mitarbeiter der Firma in diesem Jahr organisieren konnten und Teil des Projekts "Neustart Kultur" in Halle. Insgesamt 14 Veranstaltungen wird es geben.

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MDR FERNSEHEN Di 20.07.2021 17:01Uhr 00:27 min

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Das ist laut Bratke nur möglich durch ein Förderprogramm des Bundes mit gleichem Namen. Veranstalter könnten aktuell nicht wirtschaftlich arbeiten. "Man hat weniger Kapazitäten, weniger Besucher, man hat Mehraufwand, was die ganze Organisation angeht, schon allein die Kontaktnacherfassung. Das stünde nicht im Verhältnis und wäre nicht wirtschaftlich." Und so wird subventioniert, damit, laut Bratke, die Kultur wieder aufleben kann. "Da haben wir uns beworben und auch den Zuschlag für unsere Veranstaltungsreihe bekommen", erzählt sie glücklich.

Ein Springbrunnen sprudelt am umgestalteten Steintorplatz in Halle
Auch im Steintor wird es Konzerte geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf der Pferderennbahn, im Burggraben der Moritzburg und im Steintor treten bis Anfang September vor allem lokale Künstler auf. Das soll der halleschen Musik-Szene helfen. Der Bandcontest am Mittwoch ist dabei eine der ersten Veranstaltungen der Reihe und auch der Konzertagentur. "Es ist total ungewohnt durch die lange Pause, man hat das Gefühl, man vergisst die ganze Zeit irgendetwas, aber natürlich freuen wir uns sehr veranstalten zu können, versuchen aber auch nicht zu optimistisch zu sein, wenn man Richtung Herbst schaut", so Bratke.

Der Hallesche Bandcontest Karten gibt es online, an allen Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse. Laut Veranstalter sind auch am Abend auf jeden Fall noch Tickets zu haben. Testpflicht bestehe nicht, auch die 3 G’s seien nicht nötig. Lediglich Kontakterfassung werde es geben.

21.07.21 I 19 Uhr I Pferderennbahn Halle
Ein Ticket kostet 10 Euro.

Kreativität profitiert vom Lockdown

Svenja Sörensen ist die einzige Musikerin neben drei weiteren Bands, die beim Bandcontest auftritt. "Eigentlich kam es erst durch den Lockdown, dass ich so gefesselt in meinem Zimmer war und nicht mehr reisen konnte, dass ich wirklich Songs schreiben konnte", erinnert sich die 27-Jährige, die in Halle lebt. Sie beschreibt sich als Loop-Künstlerin und klingt, obwohl sie allein singt und spielt, wie eine ganze Band.

"Davor war es nur bei Surfcamps, am Lagerfeuer, aber so richtige Auftritte, das fängt jetzt erst an", sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT. Sörensen war jahrelang als Surf- und Snowboardlehrerin unterwegs, Corona hat sie zur Ruhe gezwungen. Dass sie nun endlich vor großem Publikum spielen kann, macht sie glücklich. "Es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, ich kann so richtig eintauchen in die Musik und das mit vielen Menschen teilen, vor allem live, mit gutem Sound, das ist einfach wunderschön", sagte sie im Gespräch.

Eine junge Frau mit Mütze und blonden, langen Haaren spielt Gitarre 4 min
Bildrechte: Svenja Sörensen

MDR FERNSEHEN Di 20.07.2021 14:02Uhr 04:12 min

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Seit Sörensen sechs Jahre alt ist macht sie Musik, da ging es klassisch los mit Klavierunterricht. Musik für andere zu machen, damit hat sie dann vor einigen Jahren in Australien angefangen – mit Straßenmusik. "Und durch das Reisen bin ich in gewisser Weise gezwungen, meine eigene Band zu sein. Dabei singe und spiele ich live Gitarre und andere Instrumente ein, bis ein schöner Klangteppich entsteht. Das geschieht alles im Moment und spontan, nur wenige Spuren sind vorher eingespielt, jeder Song wird am Ende ein bisschen anders", so Sörensen.

Ein Auftritt, und dann kam die Pandemie

Die beiden Jungs der Band Kachel hatten bisher genau einen Auftritt, im Januar 2019 vor etwa 70 Leuten. "Wir freuen uns vor allem darauf, dass wir die Lieder endlich jemandem live präsentieren können", sagt Carsten Kohler. Er und sein Band- und Arbeitskollege schreiben Songs mit Titeln wie "Kleister", "Kaktus" oder "Jochen". "Aus der Beobachtung entstehen Songs darüber, was Menschen falsch und richtig machen. Oder auch gar nicht machen. Oder einfach mal machen sollten", beschreiben sie.

Zwei Männer sitzen mit Biergläsern vor einer gekachelten Wand. 3 min
Bildrechte: Kachel

MDR FERNSEHEN Di 20.07.2021 13:59Uhr 03:29 min

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Sie singen deutsch, ihre Richtung beschreibt Carsten als Indie-Pop bis Indie-Rock. Seit Anfang 2019 machen sie zusammen Musik, beide haben vorher schon in anderen Bands gespielt. Ihr erstes Album haben sie vor knapp einem Jahr online veröffentlicht. "Das heißt, da gibt es ganz viele Lieder, die noch nie jemand live gehört hat und da freuen wir uns einfach, dass es endlich die Möglichkeit gibt."

Das erste Mal auf der Bühne

"Wenig Schnickschnack, aber dafür geiler Sound", beschreiben die 19 bis 21-jährigen Bandmitglieder von Blacktane ihre Musik. Sie alle sind in Halle geboren und machen englischsprachigen Hardrock über Blues bis hin zu Rockballaden. "Was uns wichtig ist: Dass bei uns alles in diesem Old School-Typ gehalten wird. Dass nicht alles aus dem Computer kommt, dass nicht alles elektronisch entsteht, sondern dass wir unsere Musik wirklich im Proberaum schreiben, uns mit der Gitarre hinsetzen", erzählt Sänger Niclas Scholz.

Vier schwarz angezogene junge Männer stehen in einer alten Halle 3 min
Bildrechte: Blacktane

MDR FERNSEHEN Di 20.07.2021 16:00Uhr 03:19 min

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Die Band stand noch nie auf der Bühne, im Juli 2021 haben sie online ihre erste Single veröffentlicht – "Breaking Every Law". "Von Blacktane bekommt ihr harten Rock aus Deutschland, der einem das Gefühl gibt, über einen Highway in den USA zu fahren", sagen sie über ihre Songs. Auf Band-Bildern sind sie auf schweren Motorrändern zu sehen, mit Hut oder Cappy, meistens in schwarz, Graffiti im Hintergrund. Für den ersten Auftritt ihrer 2019 gegründeten Band überwiegt die Freude die Nervosität, sagt Sänger Scholz. "Aber Nervosität ist natürlich da, ist klar."

"800 Leute wären krass"

Crazy J machen, wie alle anderen auch, Musik als Hobby. Ein, zwei Mal pro Woche treffen sie sich und genießen, dass sie zusammen spielen können. Seit vier Jahren sind sie in der jetzigen Formation zusammen und ärgern sich etwas über die lange Pause, in der sie nicht vor Publikum spielen konnten. "Wir sind noch nicht so super erfahren, man will ja schon alles mitnehmen, und das waren jetzt irgendwie anderthalb Jahre Zwangspause", sagt Sänger Sebastian Chudoba MDR SACHSEN-ANHALT.  

Vier weiß angezogene Männer mitlustigem Gesichtsausdruck, einer hält ein leuchtendes J 4 min
Bildrechte: Crazy J

MDR FERNSEHEN Di 20.07.2021 22:40Uhr 03:34 min

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Sie schreiben deutsche Texte, teilweise spaßig, teilweise gesellschaftskritisch, und versuchen, alles unterzubringen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. "Vor 800 Leuten haben wir aber noch nicht gespielt, das wäre auf jeden Fall krass, wenn 800 Leute da wären", so Chudoba. Vor allem sind sie gespannt, wie das Publikum reagiert – ob alle tanzen wollen, oder vergessen haben, wie man bei einem Konzert Spaß hat. "Wir haben natürlich mega Bock und ich denke, die Leute sind einfach heiß nach anderthalb Jahren ohne Kultur, auf Auftritte, auf Konzerte. Da ist ein Contest eine gute Sache, um das wieder ins Rollen zu bringen", sagt Chudoba.

Nachtrag vom 22.07.2021: Die Platzierung der Bands – 1. Crazy J, 2. Blacktane, 3. Kachel, 4. Svenja Sörensen

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir I Studio Halle | 21. Juli 2021 | 12:30 Uhr

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