Agentur für Innovation in der Cybersicherheit Im Juni gegründet – jetzt offiziell: Cyberagentur startet in Halle

In Halle hat die neue Cyberagentur des Bundes ihre Arbeit aufgenommen. Das teilte jetzt das Bundesinnen- und das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Schon im Juni waren die Gründungsurkunde unterzeichnet und die beiden Geschäftsführer benannt worden. Insgesamt sollen etwa 100 Beschäftigte in der Agentur arbeiten.

Cyberagentur des Bundes Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Errichtung der Cyberagentur des Bundes stehen der Bundesinnenminister Horst Seehofer (2.v.l., CDU), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) Peter Tauber (l., CDU) sowie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (r., CDU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (2.v.r., CDU) in den Räumen des Flughafens Leipzig/Halle zusammen.
Im Juli 2019 wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Absichtserklärung zur Errichtung der Cyberagentur unterzeichnet. Mit dabei waren Peter Tauber (von links, CDU), Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). (Archiv) Bildrechte: imago images / Peter Endig

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit ist gegründet worden. Das haben nun am Dienstag, den 11. August, auch das Bundesinnen- und das Verteidigungsministerium mitgeteilt. Damit sei offiziell der Startschuss für die Cyberagentur gegeben worden.

Die Gründungsurkunde war schon am 11. Juni unterzeichnet worden. Am 15. Juni hatte dann die Agentur die Arbeit an ihrem Standort im Süden Halles aufgenommen.

Standort am Flughafen Leipzig/Halle fraglich

In der Mitteilung des Verteidigungsministeriums hieß es, in ihrer Gründungsphase werde die Agentur aber in Halle angesiedelt sein. Später soll die Agentur ihren endgültigen Sitz am Flughafen Leipzig/Halle haben.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT sucht die Agentur im Moment aber noch nach einem größeren Standort in Halle. Ob der Aufwand betrieben wird, am Flughafen einen neuen Firmensitz zu bauen – und ob damit der Flughafen Leipzig/Halle jemals offiziell Sitz des Unternehmens wird, halten Beteiligte für fraglich.

Arbeitsplätze in Mitteldeutschland

In der Mitteilung am Dienstag sagte Innenminister Horst Seehofer (CSU), die Gründung der Cyberagentur im Mitteldeutschen Revier sei gelebte Heimatpolitik. Man schaffe Arbeitsplätze in einer Region, die vom Strukturwandel betroffen sei.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) teilte mit, er freue sich, dass die Cyberagentur nun auch offiziell gegründet sei. "Die Cyberagentur wird einen wichtigen Beitrag zur Datensicherheit in Deutschland leisten und hochqualifizierte Arbeitsplätze nach Mitteldeutschland bringen. Unsere Anstrengungen zur Ansiedlung der Agentur im Raum Halle-Leipzig haben sich gelohnt", so der Ministerpräsident.

Im Oktober werde eine feierliche Eröffnungsveranstaltung auf Ministerebene in Halle geplant, so das das Bundesinnen- und das Verteidigungsministerium. Der genaue Termin sei aber noch nicht bekannt.

Aufgabe der Agentur: koordinieren und stimulieren

Etwa 50-jähriger Mann mit blonden Haaren, dunkler Brille und blauem Sakko vor einem dunklen Hintergrund
Christoph Igel ist Geschäftsführer und Forschungsdirektor der Cyberagentur. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut Verteidigungsministerium wurde für die Gründungsphase der Cyberagentur Christoph Igel als Forschungsdirektor ernannt. Frank Michael Weber wird Kaufmännischer Direktor.

Die neue Agentur soll mit etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Entwicklungen im Bereich Cybersicherheit fördern und dem Bund zur Verfügung stellen. Dabei soll es um Forschungsfragen gehen, die etwa das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, die Marine und die Luftwaffe haben könnten. Das sagte der Geschäftsführer Christoph Igel im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. "Mir ist wirklich wichtig zu betonen, dass die Agentur kein Forschungsinstitut ist, sondern Forschung koordiniert und stimuliert. Sie ist eine Art Thinktank. Es geht darum, mittel- und langfristig Forschung zu stimulieren" so Igel.

Bis 2023 erhält die Cyberagentur für ihre Aufgaben 350 Millionen Euro.

Der lange Weg zur Cyberagentur im Raum Leipzig-Halle

  • August 2018: Das Bundeskabinett beschließt die Gründung einer Cyberagentur, die als GmbH gemeinsam von Bundesverteidigungs- und Bundesinnenministerium getragen werden soll.
  • September 2018: Die Leiterin des Aufbaustabs im Verteidigungsministerium sagt, die Agentur soll noch 2018 gegründet werden.
  • Januar 2019: Bundesverteidigungsministerin von der Leyen und Bundesinnenminister Seehofer verkünden in Berlin, dass der Standort der Cyberagentur der Raum Halle/Leipzig werden soll.
  • Februar 2019: Die Leiterin des Aufbaustabs sagt MDR SACHSEN-ANHALT, um Fachkräfte anzulocken und marktgerecht zu bezahlen, sei für einen Teil der 100 Mitarbeiter einen Ausnahmeregel mit dem Finanzministerium vereinbart worden.
  • Juni 2019: Der Haushaltsausschuss des Bundestages und der Bundesrechnungshof erhalten 112 Seiten, in denen das Verteidigungsministerium Finanzrahmen, Ziele und Aufbau der Cyberagentur darlegt.
  • Juni 2019: Der Bundesrechnungshof stellt die Agentur infrage, kritisiert, dass es keine Erfolgskontrolle gibt, dass das Bundesinnenministerium sich finanziell nicht paritätisch beteiligt, fragt, wie hochqualifiziertes Personal angelockt werden soll und empfiehlt, die Cyberagentur als siebenjähriges Pilotprojekt anzulegen.
  • Juli 2019: Auf dem Flughafen Halle-Leipzig verkünden Bundesinnenminister Seehofer, das Verteidigungsministerium und die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, dass die Agentur in Halle gegründet werden und später auf den Flughafen Halle-Leipzig ziehen soll.
  • Juni 2019: Der stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Dennis Rohde (SPD), kritisiert, dass keinerlei parlamentarische Kontrolle der GmbH vorgesehen ist.
  • November 2019: Nachdem die Cyberagentur immer wieder von der Tagesordnung des Haushaltsausschusses gestrichen wurde, einigen sich Vertreter der Regierungsfraktionen auf eine Lösung.
  • 14. November 2019: Erst in der letzten Sitzung für den Haushaltsplan 2019, der so genannten Bereinigungssitzung, kommt die Cyberagentur auf die Tagesordnung – die Gelder werden unter strengen Auflagen freigegeben.
  • Ende 2019: Der Vertrag mit einem ersten Geschäftsführer kommt nicht zustande.
  • Mai 2020: Das Bundeskabinett bestätigt Christoph Igel als Forschungsdirektor. Ein zweiter Geschäftsführer soll noch benannt werden.
  • Am 11. Juni 2020 wird der Gründungsvertrag unterschrieben.
  • Am 15. Juni 2020 nimmt die Agentur an ihrem ersten Standort im Süden Halles ihre arbeit auf.
  • Am 11. August 2020 informieren das Bundesinnen- und das Verteidigungsministerium offiziell über den Start der Agentur.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. August 2020 | 15:00 Uhr

3 Kommentare

husar vor 39 Wochen

Wenn ich mir diese Herrschaften ansehe, packt mich das kalte Grausen, keiner dieser Spitzenkräfte hat Kenntnis und Wissen von dieser Materie, plappern da paar vorgefertigte Sätze in die Mikrofone.

Axel1 vor 39 Wochen

Na wenn das nicht mal eine gute Nachricht ist für die vom Kohleausstieg und Strukturwandel betroffenen Kumpel. Neue Jobs werden ja dann wieder ausreichend zur Verfügung stehen ? Am Geld jedenfalls wird's nicht scheitern. Unser MP ist eben ein Fuchs, er hat's eben drauf. Danke

Erichs Rache vor 39 Wochen

aha, ..

der Bund gibt also für 3 Jahre (!) 350 Millionen Euro dafür aus, damit "Forschung koordiniert und stimuliert" werden.
Anscheinend glauben die wirklich, der normale Bürger schläft noch auf dem Baum!

Eine reine "Personal"-Firma die koordinierend tätig ist und in start-ups vielleicht investiert kommt noch nicht mal annähernd an diesen Investitionsbetrag

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt