Heidesee Halles suspendierter Oberbürgermeister Wiegand ist jetzt Rettungsschwimmer

Seit April ist Bernd Wiegand von seinem Amt als Halles Oberbürgermeister suspendiert. Nun engagiert er sich ehrenamtlich als Rettungsschwimmer. Am Heidesee in Halle absolvierte er seine erste Schicht.

Bernd Wiegand steht im Heidesee in Halle.
Der 64-jährige Bernd Wiegand als Rettungsschwimmer am Heidesee in Halle. Bildrechte: Heidebad Halle

Bernd Wiegand in kurzer Hose und T-Shirt, ganz in Rot, dazu barfuß – so haben ihn die Hallenserinnen und Hallenser wohl noch nie gesehen. Seit dieser Woche ist der derzeit suspendierte Oberbürgermeister als Rettungsschwimmer im Heidebad in Halle im Einsatz, wie der Geschäftsführer des Bades MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte. "Es lief sehr entspannt, das Bad ist für ihn bekannt, er hat seine Trainingseinheiten zum Teil hier absolviert", so Mathias Nobel.

Die Badegäste seien allerdings überrascht gewesen. "Das Ungewöhnliche war, ihn auf und im Wasser zu sehen. Das ist für die Leute ungewohnt, man merkt, die Blicke sind sehr fragend. Mein Eindruck ist aber sehr positiv, das hätte keiner erwartet", sagte Nobel. Insgesamt hat Bernd Wiegand diese Woche vier Tage Dienst.

"Rettungsschwimmer Silber" mit Verzögerung

Bernd Wiegand am Heidesee Halle.
Bernd Wiegand mit dem Vorsitzenden der Wasserwacht Halle und seinem Rettungsschwimmabzeichen Bildrechte: Heidebad Halle

Der suspendierte Oberbürgermeister hatte erst vergangene Woche erfolgreich den "Rettungsschwimmer Silber" absolviert – mit Verzögerung, da der Erste-Hilfe-Kurs und die theoretische Prüfung sich pandemiebedingt verzögert hatten. Im Heidebad hilft er aus, weil viele der Rettungsschwimmer nur in den Ferien vor Ort sein können und nun Bedarf bestehe, wie Bad-Betreiber Mathias Nobel sagt. Außerdem komme Wiegand sowieso seit Jahren zum Schwimmen hierher.

Nobel ist im Verein "Hauptsache Halle – in Bewegung" engagiert, der es 2019 auch mit vier Stadträten in den Stadtrat geschafft hat. Die Fraktion unterstützte die Arbeit von Bernd Wiegand als Oberbürgermeister. Nobel arbeitete zwischenzeitlich auch als Praktikant im Büro von Wiegand.

Deutsches Rettungsschwimmabzeichen Silber: Das muss man können

Theoretische Prüfung: Wissen zu Atmung und Blutkreislauf, Gefahren am und im Wasser, Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen, Rettungsgeräte u.a.

Praktische Prüfung:

  • 400 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten, davon 50 Meter Kraulschwimmen, 150 Meter Brustschwimmen und 200 Meter Schwimmen in Rückenlage mit Grätschschwung ohne Arme
  • 300 Meter Schwimmen in Kleidung in höchstens zwölf Minuten, anschließend im Wasser entkleiden
  • 25 Meter Tauchen
  • dreimal Tieftauchen von der Wasseroberfläche, zweimal kopfwärts und einmal fußwärts innerhalb von drei Minuten, mit dreimaligem Heraufholen eines fünf Kilogramm schweren Tauchrings (Wassertiefe zwischen drei und fünf Meter)
  • 50 Meter Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen in höchstens 1:30 Minuten
  • Fertigkeiten zur Vermeidung von Umklammerungen sowie zur Befreiung aus Halsumklammerung von hinten und Halswürgegriff von hinten
  • 50 Meter Schleppen in höchstens vier Minuten, beide Partner in Kleidung
  • Handhabung und praktischer Einsatz eines Rettungsgerätes (z.B. Gurtretter, Wurfleine oder Rettungsring)
  • Kombinierte Übung

Seit April 2021 ist Bernd Wiegand vom Dienst als Halles Oberbürgermeister suspendiert. Nach dem Stadtrat suspendierte ihn auch das Landesverwaltungsamt. Gegen den 64-Jährigen läuft unter anderem ein Disziplinarverfahren. Anlass war seine vorzeitige Corona-Impfung im Januar 2021. Zuletzt war das Verfahren noch ausgeweitet worden. Wiegand soll demnach Dienstpflichten verletzt und damit ein Dienstvergehen begangen haben.

Ein See, in dem sich die Wolken spiegeln.
Nicht das Rathaus, sondern der Heidesee ist momentan Arbeitsort von Bernd Wiegand. Bildrechte: Heidebad Halle

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MDR/Luise Kotulla

12 Kommentare

ElBuffo vor 7 Wochen

Wer den Impffortschritt zu eben jener Zeit kennt, wird auch erkennen, dass ihm die Hallenser doch recht wichtig waren. Oder dass vielen anderen OB bzw. Landräten ihre Bevölkerung weniger wichtig war. Während man sich anderenorts auf bürokratischen Vorgaben ausruhte, ging es in Halle voran. Ja, da wurde auch mal jemand geimpft, wo anderenorts eben niemand geimpft wurde, sondern die Dosis stabsmäßig verfiel.
Dass der Kurs nun ausgerechnet wegen der Pandemie erst jetzt beendet werden konnte, wurde vor lauter Aufregung sicher überlesen. Das kann man dem OB nun beim besten Willen nicht vorwerfen.
Und nur weil man selbst Warmduscher ist, schließt das nicht aus, dass andere bei 24° und Sonnenschein noch baden gehen. Wusste auch gar nicht
Aber sicher wird es wieder Zeit, dass man sich in Halle vor allem selbst bemitleidet. Das war so schön.

Reiner Unsinn vor 7 Wochen

Der Grund der Suspendierung des Herrn Wiegand ist schon längst nicht mehr dessen Impfdrängelei. Dies war lediglich der Auslöser für, wie sich gezeigt hat,
äußerst berechtigte Ermittlungen. Vorbild? Sich möglicherweise unberechtigt einen "Impfvorsprung" zu sichern in einer Zeit, in der Impfstoff noch Mangelware war? Da waren ihm "seine " Hallenser wohl doch nicht ganz so wichtig. Und nun der selbstlos Einsatz als Rettungsschwimmer. In einem Bad, welches von einem seiner Jünger betrieben wird. Zu einer Jahreszeit, in der kaum noch ein Mensch im Freibad schwimmen geht... typisch Wiegand. Viel medienwirksame Luft um nichts. Aber vielleicht hat er nun seine wahre Berufung gefunden und geht dauerhaft baden. Ich wünsche es mir für meine Stadt und - zumindest den vernunftbegabten Teil- ihrer Bevölkerung.

Helewe Galefa vor 7 Wochen

Toll, Herr Wiegand ist als ehrenamtlicher Rettungsschwimmer aktiv. Ich habe ihn gewählt und zweifle nicht an seiner Kompetenz. Vielleicht wird er einmal die retten müssen, die abtauchen,wenn es um die alten Seilschaften geht, die absichtlich Verschleppen und im abgesperrt linken Becken schwimmen.

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