Bis Ende Juni Peißnitz-Brücke in Halle wird voll gesperrt

Einer der wichtigsten Brücken Halles wird eine Verjüngungskur verpasst. Die Bauarbeiten an der "Brücke der Freundschaft" zur Peißnitzinsel hatten im März 2022 begonnen. Nun wird die Brücke voll gesperrt. Fußgänger und Radfahrer müssen große Umwege in Kauf nehmen. Immerhin: Die stadtbekannten Liebesschlösser dürfen auch zukünftig hängen bleiben.

Peißnitzbrücke in Halle
Die Peißnitzbrücke in Halle wird bis MItte Juni voll gesperrt. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Die für Fußgänger und Radfahrer wichtige Peißnitz-Brücke wird für gut zwei Monate komplett gesperrt, teilte die Stadt Halle mit. Bei den Bauarbeiten an der Brücke seien unbekannte Stoffe und Materialien gefunden worden. Dadurch habe man das Sanierungskonzept anpassen müssen. Die Brücke bekommt nun eine komplette Schutz-Verkleidung, die nach der Sanierung wieder abgebaut wird. So könnten die "Strahl- und Korrosionsschutz-Arbeiten an der Metall-Konstruktion vollständig umweltgerecht und gefahrlos für Passanten" durchgeführt werden.

Durch die Vollsperrung der Peißnitz-Brücke sind großräumige Umleitungen notwendig. Sie erfolgen über die Giebichenstein-Brücke im Norden und über die Mansfelder Straße/Elisabethbrücke im Süden. Kritik an der Umleitungs-Route gibt es von den Grünen im Stadtrat.

Es wäre fatal, angesichts der vorherrschenden Weltlage und der damit einhergehenden Notwendigkeit zum Energiesparen den Rad-Verkehr zu behindern und damit Menschen zum Umstieg auf das Auto zu bewegen.

Antje Schulz (Grüne) Stadtvorsitzende

Deshalb wird gefordert, die Brücke für Fußgänger und Radfahrer weiterhin offenzuhalten oder eine Ersatz-Brücke zu installieren. Schließlich bringe die Peißnitz-Brücke Menschen aus der Innenstadt und der Neustadt zusammen. Eine Sperrung würde zu einer temporären Trennung der Stadt führen, argumentieren die Grünen in Halle.

Brücke ist mehr als 120 Jahre alt

Ursprünglich war geplant, während der Bauarbeiten eine Passage für Radfahrer und Fußgänger offenzuhalten. Ein Vorteil hat die Vollsperrung der Brücke: Die Sanierung soll nun deutlich schneller abgeschlossen werden. Bislang gingen die Planer davon aus, dass die Arbeiten bis Ende August dauern. Durch das geänderte Sanierungskonzept soll die Brücke schon Mitte Juli fertig werden.

Mit zwei Jahren Verzögerung wird die "Brücke der Freundschaft" zur Peißnitzinsel in Halle seit Anfang März saniert. Das ungefähr 70 Meter lange Bauwerk verbindet die Peißnitzinsel mit der Ziegelwiese und ist eine wichtige Verbindung zwischen Stadtzentrum und dem Süden Halles und der Neustadt. Die Arbeiten waren im Jahr 2020 wegen zu hoher Baupreise verschoben worden. Der Stadtrats-Beschluss zur Instandsetzung der Brücke stammt aus dem Oktober 2019.

Vom Brückengeld zur freien Nutzung: Das ist die Peißnitz-Brücke

Die Peißnitzbrücke in Halle
Die Peißnitzbrücke in Halle besteht aus Stahl – und rostet. Bildrechte: MDR/Gero Hirschelmann

Die Brücke wurde in den Jahren 1898 und 1899 gebaut. Kurz zuvor hatte die Stadt Halle die Peißnitzinsel gekauft, um dort ein Naherholungsgebiet zu errichten. Die Brücke sollte als erste feste Verbindung – statt Fähren – das Stadtgebiet und die Insel vereinigen. Zuerst wurde die Brücke an einen Privatmann verpachtet. Dieser hatte das Recht, Brückengeld für die Benutzung zu erheben. Diese Regelung galt bis 1921, dann war die Brücken-Nutzung kostenlos. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie 1945 gesprengt und kurze Zeit später wieder aufgebaut. In der DDR erhielt sie den Namen "Brücke der Freundschaft".

Fahrbahn und Gehwege werden erneuert

Nun nimmt Halle einen zweiten Anlauf: Für rund eine Million Euro soll die Peißnitz-Brücke erneuert werden. Die Gelder kommen über den kommunalen Finanzausgleich vom Land. Die Stadt teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass verschiedene Instandsetzungs-Arbeiten vorgesehen sind, zum Beispiel:

  • Reinigung der Brücke,
  • Erneuerung der Fahrbahn und des Gehweg-Belages,
  • Ausbesserung des Korrosionsschutzes unterhalb der Belags-Flächen.

In der jüngeren Vergangenheit war die Peißnitz-Brücke mehrfach teilweise saniert worden. 1999 wurde der Rostschutz stellenweise erneuert, im Jahr 2004 folgte der Belag. 2012 wurden die sogenannten Hängestangen gewechselt.

Falls sie stören, werden die Liebesschlösser entfernt

Schlösser auf der Peißnitzbrücke in Halle
Die Liebesschlösser bleiben hängen – oder nicht. Das entscheidet sich während der Bauarbeiten. Bildrechte: MDR/Gero Hirschelmann

Die an der Brücke angebrachten Liebesschlösser – nach Auskunft der Verwaltung waren es Stand März 2021 ungefähr 850 Stück – stören die Arbeiten nach Angaben der Stadt aktuell nicht. Sollten sie "in Teilbereichen hinderlich sein, so werden sie entfernt", so die Stadt.

Linke wollte Kunstwerk für die Liebesschlösser

Im Februar 2021 hatte die Fraktion der Linken im Stadtrat einen Antrag unter dem Titel "Nur die Liebe zählt und manchmal auch der Korrosionsschutz" gestellt. Ziel war es, in der Nähe der Peißnitz-Brücke "eine künstlerisch gestaltete Möglichkeit zum Anbringen von sogenannten Liebesschlössern" zu schaffen. Damit sollte eine "Alternative zur Befestigung der Schlösser an Brückengeländern" entstehen.

Der Antrag war im März 2021 vom Stadtrat beschlossen worden. Die Verwaltung lehnte den Vorschlag unter Hinweis auf mögliche Kosten von mindestens 20.000 Euro aber Ende Juli 2021 ab: "Die Verwaltung empfiehlt angesichts der derzeitigen Haushalts-Situation, kein Kunstwerk zu diesem Zweck zu beauftragen."

MDR (Gero Hirschelmann, Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 04. März 2022 | 07:00 Uhr

1 Kommentar

Haller vor 30 Wochen

Das würde bedeuten, die sogenannte Pandemie wäre beendet um das Laternenfest durchzuführen.

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