Kreide-Zeichnungen für Solidarität Polizei behindert Gedenken in Halle und erntet Kritik

Im Zusammenhang mit dem Gedenken an den Anschlag in Halle gibt es Kritik an der Polizei. Auf Twitter berichten Augenzeugen von Kreide-Zeichnungen, die vereinzelt nicht mit Botschaften versehen werden durften. Die Polizei verspricht Aufklärung.

Drei Frauen malen mit Kreide etwas auf den Boden.
Strichmännchen ja, Botschaft nein – laut Augenzeugen sind Polizisten am Freitag in Halle vereinzelt dagegen vorgegangen. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Das Verhalten der Polizei am Gedenktag zum Halle-Anschlag sorgt für Kritik. Dabei geht es um die vielen Kreide-Zeichnungen, die auf den Gehwegen der Saalestadt ein Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt setzen sollten.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurden Passanten durch vereinzelte Polizeibeamte davon abgehalten, zu einer Menschenkette aus Strichmännchen Sprüche wie "Rassismus tötet" oder "Zusammen gegen Terror" auf das Pflaster zu malen. Zur Begründung hieß es: Es seien nur die Strichmännchen angemeldet gewesen, nicht jedoch die Botschaften.

Auch hätten Polizisten verhindert, dass am Kiez-Döner Blumen niedergelegt werden konnten, weil der Bundespräsident noch nicht da war. Dort hatte der Attentäter am 9. Oktober 2019 einen Gast erschossen.

Mehrere Augenzeugen berichten auch auf Twitter darüber, dass Polizisten Gedenkaktionen behindert hätten.

Organisiert wurde die Mitmach-Aktion vom Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA). Geschäftsführer Mamad Mohamad teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Sonntag mit, dass tatsächlich nur die Kreidezeichnungen bei der Polizei angemeldet gewesen waren. Allerdings sei der Gedenktag ein Tag vieler Emotionen gewesen, denen viele Menschen einfach Luft machen wollten. Mohamad fragt sich, wie man das hätte verhindern wollen.

Insgesamt sei die Anteilnahme groß gewesen, sagt Mohamad. Schulklassen, Kindergärten und sogar eine blinde Frau hätten sich an den bunten Kreide-Zeichnungen beteiligt. Nach seinen Aussagen wurden die Strichmännchen Höhe Leipziger Straße/Ulrichskirche allerdings von der Polizei untersagt. Für die Zukunft wünscht er sich einfach, dass "die Zivilgesellschaft von der Politik mehr mitgenommen werde".

Polizei will Vorwürfe prüfen

Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT erhielt die Polizei durch Veröffentlichungen auf einem Medienportal Kenntnis von der im Raum stehenden Kritik. Eine Weisung, auf die Gestaltung der Kreide-Zeichnungen zu achten, gab es den Angaben zufolge es nicht. Eine Sprecherin sagte, man nehme die Veröffentlichung zum Anlass, die Vorwürfe zu prüfen. Das könne jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen, da die Polizei in Halle auch durch Einsatzkräfte anderer Bundesländer unterstützt wurde.

Unsensibles Verhalten der Polizei

Mit den Vorwürfen vom Freitag steht die Polizei in Halle erneut wegen ihres unsensiblen Verhaltens in der Kritik. Betroffene und Zeugen im Prozess um den Halle-Attentäter hatten das bürokratische Vorgehen bereits mehrmals beklagt.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. Oktober 2020 | 15:00 Uhr

20 Kommentare

Denkschnecke vor 26 Wochen

Rassismus hat in den letzten 30 Jahren in Deutschland deutlich über hundert Menschen das Leben gekostet. Einer der rassistischen Brandstifter von Mölln 1992, der drei Todesopfer gefordert hat, kam trotz seines Alters in den Genuss des Jugendstrafrechts aufgrund "fehlender Reife". Ich finde es geschmacklos, wenn Sie mangelnde Reife denen vorwerfen, die auf solche Taten hinweisen.

Saxe vor 26 Wochen

Das habe ich nirgends bestritten. Im Posting von Wahrsager, und darauf habe ich geantwortet, hört es sich aber so an, als wenn die Polizei auch einfach "nur so" eingreifen dürfte, weil man sie auch schlecht behandelt hat. Das ist sachlich falsch.

Saxe vor 26 Wochen

Polizeiliches Handeln muss immer auf Grund einer rechtlichen Grundlage geschehen und nicht aus irgendwelchen emotionalen Gründen.
Damit richtig umzugehen, ist der Job eines Polizisten.

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