Corona-Schnelltest vor dem Fest Privater Betreiber eröffnet Teststation in Halle

Verwandte besuchen und sich vorher noch schnell auf Corona testen lassen? In Halle ist das seit Montag möglich. Ein privater Betreiber bietet im Weinbergcampus sogenannte Antigentests an. Wie das konkret abläuft und was Schnelltests bringen.

Räumlichkeiten vorbereiten, Personal rekrutieren, Formalien erledigen, im Baumarkt Sprühkreide und Absperrband besorgen sowie Absprachen mit dem Pandemiestab in Halle und auch dem Oberbürgermeister Bernd Wiegand – "die letzte Woche hat unser Team fast zwölf Stunden täglich durchgezogen", erzählt Jan Heise, Geschäftsführer der NH Dyeagnostics GmbH aus Halle im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Blick auf den Weinberg Campus Halle
Am Weinbergcampus in Halle ist am Montag Station für Coronaschnelltests in Betrieb gegangen. (Archivbild) Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Durchgezogen, um eine Teststation für Corona-Schnelltests am Weinbergcampus auf die Beine zu stellen. "Da kam doch einiges auf uns zu", erzählt er.

Die Idee kam Jan Heise Ende November. Mit Schnelltests beschäftigt sich seine Firma schon seit dem Frühjahr 2020, NH Dyeagnostics entwickelt einen eigenen Corona-Schnelltest. Den soll jeder zu Hause ohne fremde Hilfe durchführen können. Das Ziel: Im ersten Quartal 2021 soll der Test in Apotheken frei verkäuflich sein. Erforscht, entwickelt und produziert in Mitteldeutschland.

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Erkältung oder Corona? Kann ich Oma besuchen?

Doch die Schwierigkeiten, die der Test lösen soll, bestehen auch jetzt schon. Bei vielen, die noch ins Büro müssen, kommt in der kalten Jahreszeit häufiger die Frage auf: Erkältung oder Corona? Und außerhalb des Arbeitslebens: Können wir Oma besuchen?

Und so entschließt sich Jan Heise, noch vor Weihnachten eine Corona-Schnelltest-Station aufzubauen. Dazu nutzt die Firma einen zertifizierten Antigentest einer anderen Firma. Auch der Pandemiestab der Stadt Halle gibt sein Einverständnis. Man freue sich über die Entlastung, da alle Testkapazitäten erreicht seien, berichtet Jan Heise.

Wie wird getestet und was kostet der Test?

Hygiene ist ein wichtiger Faktor. Und so sollten sich alle Interessierten im Netz anmelden. Damit würden unnötige Warteschlangen vermieden. Wer sich im Netz anmeldet, wählt einen Tag aus sowie ein Zeitfenster. Bezahlt wird auch gleich, mit Kreditkarte, PayPal oder ApplePay und im Anschluss kommt über ein Ticketsystem ein Handyticket zu dem gebuchten Termin.

Ein Abstrich durch eine medizinische Fachkraft mit anschließendem Test kostet 39,50 Euro, die Kosten muss jeder selbst tragen. Etwa 30 Minuten später kommt das Ergebnis als E-Mail. Die Teststation am Weinbergcampus hat bis zum 23. Dezember täglich geöffnet, Termine gibt es zwischen 8 Uhr und 17.40 Uhr.

Unterschiede zwischen Antigen- und PCR-Test

Der PCR-Test steht für Polymerase Chain Reaction. Mit diesem Test werden in der Probe genau definierte DNA-Abschnitte des SARS-CoV-2 Virus mit einem Enzym vervielfältigt und mit einem speziellen Gerät wird genetisches Virusmaterial nachgewiesen. Der Abstrich erfolgt von medizinischem Fachpersonal und wird in einem Labor ausgewertet. Das Ergebnis kommt ein bis 3 Tage nach dem Test.

Beim Antigentest werden nicht das Erbmaterial, sondern Eiweisfragmente des Virus nachgewiesen. Für die meisten Tests sind Nasen-Rachen-Abstriche notwendig, diese werden dann auf einem Teststreifen gebracht. Ein Ergebnis gibt es nach 15 bis 30 Minuten.

Wie sicher ist ein Schnelltest?

Laut Jan Heise nutzt die Schnellteststation in Halle den Test AG-POCT, der ist zertifiziert und wird in Deutschland produziert. Ein PCR-Test kann das Virus circa drei Tagen nach der Infektion nachweisen, ein AG-POCT-Test  etwa nach sechs Tagen. Da die PCR-Ergebnisse in der Regel nicht am selben Tag vorliegen, sondern erst nach ein bis drei Tagen übermittelt werden, schmilzt der Vorteil der sensibleren PCR gegenüber dem Schnelltest, dessen Ergebnis schon nach maximal 30 Minuten vorliegt. Davon ist Jan Heise fest überzeugt.

"Wenn jemand Erkältungssymptome hat, kann ein AG-POCT eine Infektion mit hoher Sicherheit aufzeigen. Wenn der Test negativ ist, dann gibt es entweder keine Infektion oder die Viruslast ist niedrig."

Virologe Professor Alexander Kekulè: Schnelltests reichen für den Alltag

Das Thema Schnelltest beschäftigt momentan viele Menschen. Gerade vor Besuchen bei Verwandten. So erreichen den MDR-Podcast "Kekulés Corona-Kompass" etliche Fragen der Hörerinnen und Hörer zur Sicherheit dieser Tests.

Der Virologe und Epidemiologe Kekulé erklärt dazu: "Die Antigentests kann man ganz pauschal sagen, die sind einen Tag lang quasi gültig. Da wird bei den Virologen ein bisschen unterschieden, aber nicht groß. Also wenn Sie morgens einen Test machen, dann können Sie davon ausgehen, dass Sie an diesem Tag nicht infektiös sind. Das ist keine Garantie, das reicht aber aus für den Alltag."

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Dezember 2020 | 07:30 Uhr

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