Umstrittene Veranstaltung Proteste gegen Steimle-Auftritt im Steintor-Varieté

In Halle protestierten am Freitagabend rund 120 Menschen gegen einen Auftritt des Kabarettisten Uwe Steimle im Steintor-Varieté. Schon im Vorfeld gab es Kritik an der Veranstaltung sowie einem ebenfalls angekündigten Auftritt des Publizisten Daniele Ganser in Halle, unter anderem von Bürgermeister Egbert Geier. Hintergrund ist, dass die Künstler zum Teil rechtsextreme Positionen vertreten sollen.

Steintor Varieté Halle
Hier soll Steimle am Freitag auftreten. Vor dem Varieté sind Proteste angekündigt. (Archivbild) Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

In Halle haben sich am Freitagabend nach Schätzungen eines Reporters von MDR SACHSEN-ANHALT rund 120 Menschen versammelt, um gegen die Auftritte des sächsischen Kabarettisten Uwe Steimle und des Publizisten Daniele Ganser zu protestieren. Die Demonstrierenden hätten in der Nähe des Steintor-Varietés, in dem Steimle am Abend vor ausverkauftem Haus auftreten soll, Position bezogen. Auf der anderen Straßenseite sei zudem eine kleine Gruppe um einen stadtbekannten Rechtsextremisten zugegen, um Unterstützung für Steimles Auftritt zu zeigen. Die Polizei sei mit rund 100 Beamten vor Ort, die Demonstration verlaufe bislang friedlich, berichtet der Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT.

Uwe Steimle steht in der Kritik, weil er AfD-Chef Chrupalla unterstützt hatte und rechtsextreme Äußerungen getätigt haben soll. Publizist Ganser, der Ende Juni in der Georg-Friedrich-Händel-Halle auftreten soll, gilt als Verbreiter von Verschwörungserzählungen.

Bereits am Donnerstag hatte Halles Bürgermeister Egbert Geier (SPD) an die Veranstalter appelliert, beiden "kein Podium zu bieten". Geier teilte mit, die Stadt Halle sei tolerant und weltoffen. Es erfülle ihn mit Sorge, dass in Halle Personen auftreten könnten, die Verschwörungsideologien sowie antisemitische und demokratieverachtende Positionen verbreiteten. Das soll Geier laut einer Pressemitteilung den Veranstaltern geschrieben haben.

Betreiber sieht keinen Grund für Absage

Doch am Betreiber des Steintor-Varietés, Rudenz Schramm, prallte diese Kritik ab. Er sagte MDR KULTUR, es sei "nicht unsere Aufgabe, den Besuchern, die wirklich bei dieser Veranstaltung aus der Mitte der Gesellschaft kommen, die Möglichkeit für ein eigenständiges Meinungsfeld zu verbieten."

Ich sehe keinen Grund aus den Erfahrungen der letzten Auftritte in den letzten Jahrzehnten, dass wir das aus politischen Gründen untersagen. Und wir haben rechtlich keine Handhabe, das zu verbieten.

Rudenz Schramm, Betreiber des Steintor-Varietés

Unterstützung bekam Schramm aus dem Stadtrat. Sven Thomas von der Fraktion "Hauptsache Halle" erklärte: "Die Kunstfreiheit zählt in Deutschland zu den am stärksten geschützten, verfassungsmäßig garantierten Grundrechten überhaupt. [...] Zweifel am System, beißende Ironie und selbst deftige Wortwahl sind also verfassungsrechtlich garantierte Vorrechte der Kunst, die es auszuhalten gilt und die auszuhalten sind."

Wenn Bürgermeister Geier die Auftritte also verhindern wolle, müsse er vor Gericht belegen, dass Steimle antisemitische und demokratieverachtende Positionen vertrete.

Linke und "Halle gegen Rechts" kritisieren Steintor-Betreiber

Der Stadtverband der Linken in Halle sowie das Bündnis "Halle gegen Rechts" hatten den geplanten Auftritt von Uwe Steimle schon zuvor kritisiert. Jan Rötzschke, der Stadtvorsitzende der Linken in Halle, nannte die Entscheidung des Veranstalters unverständlich. Steintor-Betreiber Schramm sei auch parteiloses Mitglied der Linksfraktion im Stadtrat und habe sich in der demokratischen Zivilgesellschaft immer wieder gegen die extreme Rechte eingesetzt.

Das Bündnis "Halle gegen Rechts" forderte ebenfalls, dass der Auftritt von Steimle im Steintor-Varieté abgesagt wird. Das Bündnis wirft Steimle rechtsextreme Positionen vor. Darüber hinaus soll der Kabarettist mit Rechtsextremisten zusammenarbeiten.

Hinweis: Uwe Steimle war von 2013 bis 2019 mit "Steimles Welt" im MDR Fernsehen zu sehen. Die Zusammenarbeit wurde beendet, weil Steimle mehrfach öffentlich die Grundwerte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks massiv in Frage gestellt hat.

Mehr zum Thema Rechtsextremismus

MDR (Paula Kautz, Julia Heundorf, Mathias Kessel, Lucas Riemer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juni 2022 | 07:00 Uhr

142 Kommentare

ralf meier vor 8 Wochen

@Peter, angesichts früherer Äußerungen von Ihnen alla 'Der Zweck heiligt die Mittel. Es geht darum, die (b...e) Brut ins Nirwana zu schicken.
.. Argumente und Wahrheiten sind nicht alles im Kampf gegen Rechts.'

habe ich Zweifel an dem Wahrheitsgehalt Ihrer unbelegten Tatsachenbehauptung. Bitte seien Sie so nett und belegen Ihre unbelegte Tatsachenbehauptung wenigstens nachträglich.

PS: Falls Sie auf die von Herrn Höcke geforderte '"Kommission zur Vorbereitung einer Parteistrukturreform" anspielen. Diese verbietet keine Meinungsfreiheit. Sie soll gewährleisten, das Beschlüsse der Basis auch vom Vorstand umgesetzt werden.

Haller vor 8 Wochen

Auch Geier vorzeitig gegen Corona geimpft

Auch er hatte sich vorzeitig gegen Corona impfen lassen. Außerdem geht es den Berichten zufolge um das überhöhte Gehalt einer versetzten Mitarbeiterin. Die sogenannte "Impf-Affäre" in Halle hatte vor einem Jahr bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.
06.04.2022

Landesverwaltungsamt ermittelt gegen Bürgermeister Geier | MDR.DE

Reuter4774 vor 8 Wochen

Wir leben wieder in Zeiten wo auf Grund reiner Vermutungen geurteilt wird ( könnte eventuell, hat wohl mal...). Und der Mob fällt begeistert ein. Ich bin da für das juristische Prinzip. Wenn ein Straftatbestand nachweisbar vorliegt kann Anzeige erstattet, geurteilt werden und dementsprechende Maßnahmen getroffen werden aber nicht Lynchjustiz wie im Mittelalter.

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